technische Notiz

by Christian on 1 September, 2014

Es ist vielleicht schon aufgefallen, aber hier nochmal für alle anderen: Ich habe die Breite der Hauptspalte im Blog auf 720 Pixel Breite erhöht, so kann ich Fotos in höherer Auflösung zeigen (ab jetzt, ich werde vermutlich nicht alle alten Beiträge editieren) und auch der Bildschirmbreite wird für die Beiträge besser genutzt. Die Breite der beiden Sidebars (wo z.B. Wetter und Kommentare angezeigt werden) ist auch grösser und ich habe der Bildanzeige oben rechts eine ganze Menge neuer Bilder spendiert. In den nächsten Tagen wird es weitere kleinere Anpassungen geben, während deren das Blog immer mal für ein paar Minuten nicht erreichbar sein kann. Dann bitte einfach nach ein paar Minuten nochmal neu laden.

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Holuhrauneruption auf dem Rückgang?

by Christian on 1 September, 2014

Nachdem die Eruption gestern tagsüber und auch nachts unverändert stark anhielt, gibt es nach Angaben der Geologen vor Ort Anzeichen, das die Eruption jetzt schwächer wird. Ob das dazu führt, das sie endet (und evtl. später wieder weitergeht) muss sich jetzt zeigen. Aktuell ist eine Beobachtung über die Webcams nicht möglich, da das Wetter vor Ort zu schlecht ist. Seit gestern sind geschätzt zwischen 16 und 25 Mio Kubikmeter Lava an die Oberfläche gekommen. Zum Vergleich: Der kleine Ausbruch auf der Fimmvörðuháls förderte in 23 Tagen gut 20 Mio Kubikmeter, die Lakieruption in 244 Tagen 14.000 Mio Kubikmeter (oder 14 Kubikkilometer).

Die Erdbebenaktivität ist seit gestern etwas geringer (wobei das auch noch eine Auswirkung des Sturmes von gerstern sein kann, der die Detektion schächerer Beben erschwert oder unmöglich macht), wobei sich heute erneut ein starkes Beben der Stärke 5.3 am Rand des Bárðarbunga ereignet hat.

Der isländische Fernsehsender RÚV hat folgende Karte veröffentlicht, die noch einmal genau die Lage der aktuellen Eruptionsspalte zeigt:

140901 Karte Holujraun

Mittlerweile gibt es auch eine chemische Analyse der Lava des ersten Ausbruchs im Holuhraunfeld. Diese ist klar basaltisch und enthält wenig Silikatbestandteile, was die relativ hohe Dünnflüssigkeit erklärt. Sie enthält einen relativ hohen Anteil an Schwefel und nur relativ kleine Blasen und Kristalle, was darauf hindeutet, das sie vor dem Ausbruch Zeit hatte, Gase freizusetzen. Je höher der Gasanteil und je grösser die Kristalle in der Magma sind, desto zäher zäher wird sie. Die Frage, die die chemische Analyse nicht beantworten konnte ist, woher die Magma genau stammt, aus Askja oder Barðarbunga. Die genaue Analyse ist hier zu finden.

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Entwicklung am Bárðarbunga [6.]

by Christian on 31 August, 2014

Zum Abend noch ein paar Informationen, die sich heute über den Tag so angesammelt haben: Die Sperrung des Luftraumes über der Eruption ist mittlerweile aufgehoben worden, die Warnstufe für Bárðarbunga wurde auf “orange” zurückgestuft, da aus der Spalte lediglich Lava austritt, sich aber keine Asche bildet.

Lava tritt dafür eine ganze Menge aus, Vulkanologen schätzten die Menge heute morgen auf bis zu 1000 Kubikmeter/Sekunde, mittlerweile wurde die Menge auf 250 Kubikmeter/Sekunde heruntergesetzt. Egal welcher Wert stimmt, das sind ziemlich grosse Mengen. Die Lava bewegt sich mit 0.5-1 m/Minute nach Nordosten, die Bewegung ist im Video unten recht gut zu sehen. Es lohnt sich auch immer mal wieder einen Blick auf die Webcam zu werfen, aktuell ist der Ausbruch dort recht gut zu sehen. Die Wissenschaftler verglichen den aktuellen Ausbruch mit der Situation der “Kraflafeuer”, ein Ausbruch der von 1975-84 dauerte und sagten, das diese Art von Eruption sich durchaus länger hinziehen könne und dabei auch Pausen entstehen könnten.

Das Video wurde heute an der Eruptionsspalte aufgenommen und zeigt die Bewegung des Lavastroms.

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Erneute Spalteneruption bei Holuhraun

by Christian on 31 August, 2014

Im Holuhraun Lavafeld hat heute früh gegen sechs Uhr isländischer Zeit an derselben Spalte wie vor zwei Tagen erneut eine (kleine) Spalteneruption begonnen. Die Eruption ist auf der Webcam von Míla gut sichtbar, das Bild unten ist ein Screenshot dieser Kamera (die ist aktuell allerdings aufgrund des Interesses schwer zu erreichen).

140831 untitled 69 0

Wie lange die Eruption diesesmal dauert und ob sie wieder in einigen Stunden vorbei ist, wird sich zeigen. Sehr hoch scheint die Aktivität allerdings nicht zu sein. Die Luftfahrtwarnstufe des Bárðarbunga wurde wieder auf rot hochgesetzt, direkte Überflüge über die Eruptionsstelle sind ebenfalls nicht zulässig.

Geologen der Universität von Island, die im Gelände unterwegs sind, teilten mit, das die Eruption geschätzt 10x so gross sei, wie die am Freitag und sich die aktive Spalte gut 500m weiter nach Norden ausgedehnt habe. Die Länge der Spalte liege jetzt ungefähr bei 1500m, die Lavafontänen sind bis zu 60m hoch. Die Geologen vor Ort haben auch einige Fotos gemacht, die ich hier mit Erlaubnis der Uni zeigen kann. Das Copyright liegt bei der University of Iceland und dem Fotografen Ármann Höskuldsson (sie sind im Original auf der Facebookseite der Geologen veröffentlicht):

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Bilder von der University of Iceland/Ármann Höskuldsson

Auf den Bildern ist schön die hochspritzende Lava zu sehen und die Hitze, die davon ausgeht.

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Entwicklung am Bárðarbunga [5.]

by Christian on 30 August, 2014

Nachdem gestern nach der kleinen Eruption bei Holuhraun deutlich mehr los war, ist es heute etwas ruhiger. Das betrifft allerdings nicht die Zahl der Erdbeben die nach wie vor sehr hoch ist, das schwerste Beben lag heute bei 5.4 auf der Meßskala. In den nächsten Stunden wird ein Sturm über den Vatnajökull ziehen. Das sorgt für eine Menge “Krach” auf den Seismometern und wird dazu führen, das kleinere Beben (<1) zumindest teilweise nicht erfasst werden können, wenn also die Bebenzahl scheinbar sinkt, kann das auch daran liegen.

Der Journalist Ómar Ragnarsson ist heute über den Gletscher geflogen und berichtete hinterher, das im Eis neue Spalten zu sehen seien und sich die bisherigen Eiskrater vergrößert hätten. Es scheint, als würde die Magmamenge unterhalb des Bárðarbunga zunehmen, was auch mit der Meldung zusammenpasst, das sich die Magmaintrusion heute nicht weiter nach Norden in Richtung Askja ausgebreitet hat. Ihre Grösse wird anhand von Ausdehnungsdaten der GPS-Stationen mitterweile auf gut 650 Mio Kubikmeter geschätzt.

Neue Schätzungen gibt es auch zum ersten Ausbruch des Bárðarbunga unterhalb der Eiskappe des Vatnajökull, die zur Bildung der Eiskrater führte. Nach Angaben der isländischen Geologen war dieser (auch sehr kleine Ausbruch) gut 10x so gross wie die Eruption die sich in der Holuhraun ereignete.

Zu den bisher drei möglichen Ausbruchsszenarien (kein Ausbruch, Ausbruch ausserhalb des Gletschers, Ausbruch unter dem Dyngujökull) haben die isländischen Wissenschaftler heute noch eine weitere (und ihrer Meinung nach nicht unwahrscheinliche) vierte Möglichkeit hinzugefügt: Ein Ausbruch des Bárðarbunga innerhalb oder am Rand der Caldera. Je nach Stärke kann es dann entweder zu Flutwellen oder auch zur Entwicklung von Asche kommen. Bevor jetzt wieder Nachfragen wegen Asche kommen: Es ist bisher noch nicht soweit und wenn, muß diese auch erstmal nach Europa ziehen, bevor sie Probleme macht. Die aktuell vorherrschende Windrichtung würde sie nach Norden blasen.

Wer sich für weitergehende Informationen zum Bárðarbunga interessiert, dem sei eine Information empfohlen (auf englisch), die von der Universität von Island herausgegeben wurde und hier zu finden ist.

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Spalteneruption im Holuhraunlavafeld

by Christian on 29 August, 2014

Die Eruption der letzten Nacht dauerte möglicherweise nur 3-4 Stunden und ist mittlerweile vorbei. Der Geologieprofessor Magnús Tumi Guðmundsson bezeichnete die Eruption in den Medien als “Unfall” und sagte des es zu weiteren Eruptionen kommen könne. Der Ausbruch hat sich im Holuhraunlavafeld ereignet das sich nördlich des Dyngujökull befindet.

Bilder die mit den Infrarotkameras des Überwachungsflugzeuges der Küstenwache aufgenommen wurden, zeigen relativ geringe Lavamengen. Die Länge der Spalte wurde mit etwa 900m gemessen. Auch die Flugsperrzone wurde in der Zwischenzeit auf 3 nautische Meilen reduziert, der Warnzustand des Bardabunga auf orange zurückgestuft.

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Bilder der Kraterreihe von der isländischen Küstenwache.

Mittlerweile gibt es auch ein längeres Video, das die Spalte aus relativ geringer Höhe zeigt. Geologen sind auf dem Weg in die Region und werden versuchen Proben zu nehmen sowie neue Bilder zu machen.

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Erste Videos der Spalteneruption

by Christian on 29 August, 2014

Der isländische Fernsehsender RÚV hat heute morgen das erste Video der Spalteneruption veröffentlicht. Im Moment sieht man im wesentlichen Dampf aufsteigen, es ist also möglich, das diese Eruption nur von kurzer Dauer war (was durchaus vorkommt und nicht ungewöhnlich ist). Ein weiteres Video wurde vom isländischen Verlag Visir veröffentlicht.

Aktuell ist die isländische Küstenwache mit ihrem Überwachungsflugzeug unterwegs, weitere Neuigkeiten und Bilder werden nach der Rückkehr erwartet.

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Nördlich des Dyngujökull hat im Bereich der Magmaintrusion eine Spalteneruption begonnen. Dort hat sich nach Angaben des isländischen Wetterdienstes eine gut 1km lange Spalte geöffnet, aus der Lava austritt, die auch gut auf den Webcams von Míla zu sehen ist.

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Die Eruption ereignet sich nördlich des Gletschers, so das es für den Moment nicht zu einer Interaktion zwischen Lava und Eis kommen wird, die Entstehung einer Aschewolke ist also ausgesprochen unwahrscheinlich. Die exakte Lage der Spalte ist noch nicht bekannt, aus Satellitenbildern der NASA lässt sich aber eine ungefähre Abschätzung treffen (Bild von der Universität von Island):

140829 Ausbruchsort

Die Eruptionsstelle liegt etwa 10km nördlich des Bárðarbunga und gut 15km südlich der Askja.

Sicherheitshalber ist die Warnstufe für den Flugverkehr rund um die Bárðarbunga auf rot angehoben und eine kleine Flugverbotszone eingerichtet worden. Diese geht 10nm um die Eruptionsstelle und reicht bis in eine Höhe von 5000m.

140829 Flugverbotszone

Karte der Flugverbotszone nördlich des Vatnajökull.

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Entwicklung am Bárðarbunga [4.]

by Christian on 28 August, 2014

Heute haben sich über den Tag einige Informationen angesammelt, die ich jetzt jeweils kurz anreissen werde. Der Geologe Magnús Tumi Guðmundsson geht mittlerweile davon aus, das es einen kurzen Ausbruch des Bárðarbunga gab, der zum schmelzen von Gletschereis führte. Er sagte dem isländischen Fernsehsender RÚV gegenüber aber auch, das er davon ausgeht, das diese (sehr kleine) Eruption bereits wieder beendet sei. Dafür spricht auch, das der heutige Überwachungsflug der isländischen Küstenwache zusammen mit Geologen keine Veränderungen an den gestern entdeckten Eiskratern fand.

Beim Wasser gehen die Geologen davon aus, das es in Richtung des Grímsvötn (also des See unterhalb des Vatnajökulls, die Namensgebung ist hier leider nicht eindeutig) geflossen ist. Messungen des Wasserspiegels im See zeigten, das dieser in den letzten Tage um bis zu 15m gestiegen ist, was relativ genau mit den Volumina an abgetautem Eis übereinstimmt. Wie lange das Wasser im See bleibt, wird sich zeigen, ablaufen wird es aber nach Süden über die grossen Sander südlich des Vatnajökull. Dort sind die Flüsse, die aus dem Gletscher herausfliessen bisher aber nicht erhöht.

Die Magmaintrusion hat nach Angaben der Geologen mittlerweile den Vulkan Askja erreicht und hat eine Länge von über 40 km. Geschätzte 15-20 Mio Kubikmeter Magma sind in den letzten 24 h zum bereits vorhandenen Volumen hinzugekommen, die Ausbreitung hat sich etwas verlangsamt, die Erdbebenaktivität ist aber weiterhin sehr hoch mit gut 1300 Erdbeben am Tag. Was passiert, wenn die frische Magma aus Bárðarbunga auf die ältere in der Askja trifft, ist unbekannt. Die Warnstufe für die Askja wurde von grün auf die niedrigste Warnstufe gelb angehoben. Diese Informationen gibt es hier auf englisch. Ebenfalls auf Englisch gibt es einen interessanten Artikel zur Geschichte des Vulkans Bárðarbunga, er ist hier zu finden.

Ebenfalls gestern wurden am Dyngujökull und in Lavaschichten nördlich davon eine Reihe von Rissen und Spalten entdeckt, die vermutlich auf die starke Erdbebenaktivität in dieser Region zurückzuführen sind. Es gibt dazu ein Video von einem Überflug (das Original steht hier beim isländischen Fernsehsender RÚV):

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Flugverkehr und Asche

by Christian on 28 August, 2014

Nachdem sich aktuell die Kommentare mehren, die Angst um Flugreisen haben, einige Punkte dazu:

  • aktuell (Stand 28.08.2014, 17:30h) gibt es keinen Vulkanausbruch in Island
  • Es gibt erhöhte seismische Aktivität, ob (bzw. wann) diese jemals zu einem Ausbruch führt, weiss niemand. Das könnte morgen, nächste Woche, in sech Monaten oder aber auch nie passieren.
  • Wo ein möglicher Ausbruch stattfindet kann auch niemand vorhersagen, das kann unter dem Gletscher geschehen oder eben aber auch nicht.
  • Selbst wenn ein Vulkan unter dem Gletscher ausbricht, heisst das nicht zwangsläufig, das er dabei riesige Mengen an Asche produziert. Und selbst wenn er das tut, muss der Wind noch in die richtige Richtung stehen. Beim Ausbruch des Grímsvötn 2011 wurden sehr grosse Mengen an grober Asche (die überwiegend nicht sehr weit geflogen ist) produziert. Aufgrund der Windrichtung war überwiegend Island betroffen.

Diese und weitere Faktoren führen dazu, das man schlecht vorhersagen kann, ob der Flugverkehr betroffen sein wird (wer dieses aktuell tut, ist meiner Meinung nach unseriös). Von daher bitte die Ruhe bewahren, abwarten was passiert und dann entsprechend reagieren. Jetzt Flüge abzusagen oder umzubuchen, weil ein Vulkan ausbrechen könnte, halte ich für nicht angebracht.

Die meiste Berichterstattung über diese Thematik ist übertrieben und orientiert sich an den Ereignissen aus dem Jahr 2010, als der Eyjafjallajökull ausbrach. Da eine jetzige Eruption mit sehr hoher Sicherheit anders verlaufen wird, lassen sich auch Auswirkungen nicht vorhersagen. Oder wie es einer der Geologen dieser Tage so schön ausdrückte: “Wir lernen im Moment jeden Tag neue spannende Dinge, die wir vorher nicht kannten”.

Im Guardian (auf englisch) gibt es einen schönen Artikel darüber, warum sich die Ascheprobleatik von 2010 vermutlich nicht wiederholen wird. Er ist hier zu finden.

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