Zugang zum Holuhraungebiet

by Christian on 3 April, 2015

Der Zugang zum Holuhraungebiet ist mittlerweile ja weitgehend freigegeben, nun sind in der Region zusätzlich zwei Parkplätze (das ist nötig, weil man ausserhalb der “Hochlandstrassen” ja eigentlich nicht einfach im Gelände halten darf) und zusätzlich zwei Evakuierungspunkte (für den Fall das vulkanisch doch noch mehr passiert) ausgewiesen worden. Diese Karte des isländischen Zivilschutzes zeigt hier Details inkl. der jeweiligen GPS-Koordinaten:

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Karte des Holuhraungebietes mit Parkplätzen und Evakuierungspunkten, veröffentlicht vom isländischen Zivilschutz.

Besucher sollten vor ihrer Tour die lokalen Schwefeldioxidbelastungen überprüfen, da diese je nach Windverhältnissen immer noch so hoch sein können, das sie gesundheitsgefährlich bis akut lebensgefährlich werden können. Hierzu wurde extra eine Webseite eingerichtet, auf der man diese Meßwerte aktuell überprüfen kann, im Moment sieht das so aus:

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Anzeige der Luftbelastung im Holuhraungebiet, aktuelle Meßwerte hier.

Die aktuelle Messungen zeigen, das die Belastung fast überall niedrig ist, ausgenommen ist der Bereich östlich des Lavafeldes.

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Island und die Entwicklung des Tourismus

by Christian on 31 March, 2015

Der Tourismus spielt für Island wirtschaftlich eine sehr grosse Rolle und ist der Hauptgrund für die Erholung des Landes nach der Finanzkrise. Das zeigt sich darin, das gut 60% der Jobs, die seit 2010 neu entstanden sind mit dem Tourismus zusammenhängen. Im letzten Jahr wurde gut die Hälfte aller neu in Island zugelassenen Autos von Autovermietungen angemeldet.

Diese Zahlen zeigen, wie stark der Tourismus zugenommen hat. So wurde 2014 die 1 Mio Marke an Besuchern zwar knapp verfehlt (nach Angaben des isländischen Tourismuskammer waren es 997.566), bei den aktuellen Zuwachsraten wird diese Marke 2015 aber definitiv überschritten werden. Sie lag im letzten Jahr bei 23,6% (alle Zahlen seit 1949 finden sich hier). So rechnet man für 2015 mit gut 1,2 Mio Gästen, die über den internationalen Flughafen in Keflavik einreisen, gut 150.000 die über die Fährhafen in Seydisfjördur kommen und etwa 200.000 Besuchern von Kreuzfahrtschiffen. Diese Entwicklung lässt sich an den Zahlen seit 1949 ablesen:

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Entwicklung der Besucherzahlen in Island seit 1949, Graphik vom Icelandic Tourist Board.

Diese Zuwachsraten sorgen zunehmend für Probleme, so ist es in den grösseren Städten Islands mittlerweile sehr schwierig (noch mehr als früher ohnehin schon) bezahlbare Wohnungen zu mieten – für die Vermieter ist es lukrativer die Wohnungen nur einen Teil des Jahres an Feriengäste zu vermieten. Ebenso entsteht in Reykjavik gefühlt in jedem dritten Haus ein Guesthouse, was die Lage auch auf dem Eigentumsmarkt nicht verbessert.

Und die grossen Zahlen an Touristen führen zu vollen Sehenswürdigkeiten, was nach einer Umfrage des Tourismusverbandes zu der kuriosen Situation führt, das sich die Touristen über zuviele Touristen beschweren. Wie lange diese Entwicklung noch gutgehen kann, steht in den Sternen, so sollte der isländische Naturpaß Anfang 2015 Wirklichkeit werden, wird aber wohl erst in diesem Herbst kommen. Auch andere Impulse zur Regulierung fehlen im Moment.

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Pong auf der Fassade der Harpa

by Christian on 28 March, 2015

Der Künstler Atli Bollason und Programmierer Owen Hindley haben die beleuchtete Fassade der Harpa in einen interaktiven Bildschirm verwandelt. Dort kann man zur Kulturwoche zwischen dem 23. und 31. August 2015 das Spiel Pong (welches eines der ältesten Computerspiele überhaupt ist) spielen. Dazu braucht man ein Smartphone mit dem man sich in ein spezielles Wlan einloggt und dann auf seine Gelegenheit wartet. Die Künstler haben dazu auch ein Video veröffentlicht:

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Verschmutzung durch die Holuhrauneruption

by Christian on 26 March, 2015

Die Holuhrauneruption hat bekanntlichermaßen erhebliche Mengen an Schwefeldioxid freigesetzt, je nach Eruptionsphase von 20-60 kT/Tag (am Anfang mehr, am Ende dann weniger). Verglichen damit setzt die gesamte EU (und das beinhaltet dann den gesamten Verkehr, Industrie, Kraftwerke usw.) nur 14 kT/Tag in allen ihrem Mitgliedsländern frei. Während der 182 Tage der Eruption belastete dies die Luft besonders in Island erheblich, so wurden in Höfn die Luftgrenzwerte an 107 Tagen überschritten, die höchsten Belastungen erreichten hier 21.000 Mikrogramm Schwefeldioxid pro Kubikmeter (der Grenzwert liegt bei 350 Mikrogramm/Kubikmeter).

Paradoxerweise hat wohl ein anderes Wetterphänomen dafür gesorgt, das es keine grösseren Langzeitschäden durch die Eruption geben wird: Die zahlreichen Stürme dieses Winters. Sie verbliesen grosse Mengen an Schwefeldioxid und vulkanischer Asche in die Meere und verhinderten so, das sie sich im Schnee ablagern. Dort wären sie nach Ansicht des Geochemikers Sigurður Reynir Gíslason im Frühjahr in kurzer Zeit freigesetzt worden, was katastrophale Folgen für die Pflanzen- und Tierwelt gehabt hätte.

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Eishöhle im Langjökull

by Christian on 24 March, 2015

In den isländischen Gletscher Langjökull ist im Verlauf des letzten Jahres eine Eishöhle gebohrt worden, die man besuchen kann. Nach der Idee der “Erbauer” soll man hier einen Blick ins Innere des Gletschers werfen und sogar heiraten können. Die Webseite des Veranstalters findet sich hier.

Nun hat der Skandinavienkorrespondent der ARD diese Höhle für das Morgenmagazin besucht und dabei den folgenden Film erstellt:

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Of Monsters and Men mit neuem Album

by Christian on 17 March, 2015

Die isländische Band “Of Monsters and Men” hat jetzt die erste Single aus ihrem am 08. Juni erscheinendem zweiten Album “Beneath The Skin” veröffentlicht. Die Single heisst “Crystals”, ich kann den Song zur Zeit leider nicht einbinden, da er wegen des Streits zwischen GEMA und Youtube aus Deutschland nicht abgespielt werden kann. Wer andere technische Möglichkeiten (beispielsweise eine ausländische IP) hat, findet den Song hier.

Der Song setzt meiner Meinung nach da an, wo die Band mit ihrem Erstlingswerk “My head is an animal” aufgehört hat und ist gut hörbar, ich bin da auf den Rest des Albums gespannt. Wer kann, sollte das Album in Island kaufen, da es dort zwei zusätzliche Stücke (“Backyard” und “Winter Sound”) enthält, also 13 statt nur 11 Liedern. Die Band wird sich mit ihrem neuen Album auch wieder auf eine grössere Tournee begeben und im Juni auf dem Southside Festival und dem Scheessel Hurricane Festival spielen, sowie ein Konzert in Frankfurt geben. Die Tourdaten sind hier zu finden.

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Sperrzone erheblich verkleinert

by Christian on 16 March, 2015

Nachdem der Vulkanausbruch in der Holuhraun Ende Februar zuendegegangen war, hat sich seitdem nichts mehr im Gebiet ereignet. Deshalb wurde heute auf einer Sitzung des isländischen Katastrophenschutzes beschlossen, die Sperrzone rund um die Eruptionszone erheblich zu verkleinern. Sie betrifft jetzt im wesentlichen das neue Lavafeld (die Zone endet 20m vor dem Lavafeld) und die Region direkt südlich des Gyngjujökull.

Auch wenn der Zugang jetzt prinzipiell möglich ist, wird es wohl realistisch noch eine Weile dauern, bis man wirklich an das neue Lavafeld herankommt, da zur Zeit noch tiefer Winter im Hochland herrscht, der danach von der Schmelzperiode abgelöst wird, innerhalb derer das Hochland ohnehin gesperrt ist. Erst danach wird es wohl auch Touren zum Lavafeld geben.

Erleichterung bedeutet diese Entscheidung auch für die Polizei in Nordisland, die bisher auch die Aufgabe hatte, die Einhaltung der Sperrzone zu überwachen.

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Aktuelle Karte der Sperrzone im Holuhraungebiet. Karte vom isländischen Katastrophenschutz.

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Winterstürme in Island

by Christian on 14 March, 2015

Winterstürme sind in Island aufgrund seiner Lage im Nordatlantik nichts besonderes. Auch kräftigere Stürme sind nicht ungewöhnlich und da das in den Bauvorschriften berücksichtigt ist (so dürfen Dächer beispielsweise nur mit Wellblech gedeckt werden und die Zahl der Nägel pro Quadratmeter ist auch festgelegt) so das es zu relativ wenigen Schäden kommt.

Dieser Winter sticht aber deutlich heraus – so überquerten seit dem 01. November 2014 37 Tiefruckgebiete die Insel und es vergingen selten mehr als drei Tage, bevor eine neue Sturmwarnung herausgegeben wurde. Meteorologen bezeichneten diesen Winter als den stürmischsten der letzten 100 Jahre.

Das führt mittlerweile zu Überlegungen, diesen Winter extra zu benennen, was in Island eine alte Tradition ist, die sich bis in die Besiedlungszeit im 10. Jahrhundert zurückführen lässt. Dabei sind Ereignisse des Winters (beispielsweise grosse Kälte oder viel Eis) in die Benennung eingeflossen.

Zur Benennung des Winters 2014/2015 wurde unter anderem Vindaveturinn mikli (sinngemäss grosser windiger Winter) vorgeschlagen. Der nächste Sturm ist auch bereits im Anmarsch und die Meteorologen befürchten hier einen Sturm in Süd- und Westisland der das Potential für den stärksten Sturm des Winters hat. Für Freitag Nacht und Samstag (13./14.03.2015) gaben sie erneut eine Sturmwarnung heraus und warnten vor Reisetätigkeit.

Wer Island besucht, sollte den aktuellen Wetterbericht kennen und die dort ausgesprochenen Warnungen ernst nehmen. Im Zweifel Einheimische fragen und schauen, wie dort die Ratschläge sind. Wenn die vom weiterfahren abraten sollte man das unbedingt befolgen. Sonst landet man schnell auf eisglatten Strassen im Sturm im Strassengraben.

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Island bricht Beitrittsverhandlungen ab

by Christian on 13 March, 2015

Die isländische Regierung gab gestern bekannt, das sie die Beitrittsverhandlungen mit der EU nicht nur auf Eis gelegt, sondern komplett abgebrochen habe. Diese Entscheidung riefen neben politischem Ärger auch sofort Proteste auf dem isländischen Parlamentsplatz hervor.

Auch wenn der Enthusiasmus in Island zu einem EU Beitritt nie besonders hoch war, ist es doch akzeptiert, zuerst die Verhandlungen zu beenden um zu sehen, wie die Bedingungen dafür aussehen und danach in einer Volksabstimmung darüber abzustimmen. Mit genau diesem Versprechen ist auch die aktuelle konservativ-rechtsliberale Regierung im letzten Wahlkampf angetreten und hat damit ein weiteres Wahlversprechen gebrochen.

Der Ärger bezieht sich weitgehend auf die Art und Weise, wie diese Entscheidung getroffen und bekanntgegeben wurde – nämlich nach einer Entscheidung hinter verschlossenen Türen auf einer Pressekonferenz, ohne das Parlament einzubeziehen.

Der Politikprofessor Eiríkur Bergmann Einarsson bezweifelte auch, das diese Erklärung damit rechtskräftig sei, da die Aufnahme der Verhandlungen nach einen besonderen Beschluß des Parlaments erfolgt sei. Zur Beendigung sei ein entsprechender Beschluß des Parlaments erforderlich, ein einfacher Beschluß der Regierung reiche dafür nicht aus, da dieser keine Gesetzeskraft habe. Das letzte Wort ist hier also möglicherweise noch nicht gesprochen.

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Neuigkeiten aus dem Krater

by Christian on 4 March, 2015

Die Holuhrauneruption ist erst seit dem 27. Februar zuende und bereits heute war ein Team von Geowissenschaftlern im Ausbruchskrater unterwegs, um Proben zu sammeln. Das sind neben Gesteinsproben vor allem Gasproben, die noch aus der Lava aufsteigt. Da mittlerweile die starke Thermik fehlt, die diese Gase weiter nach oben trägt, entwickelt sich das zu einem lokalen Problem an der Eruptionsstelle die deshalb wohl noch eine Weile gesperrt sein wird.

Die Wissenschaftlerin Evgenia Ilyinskaya (von der auch die untenstehenden Bilder stammen, die ich hier mit Genehmigung zeige), schrieb, das die höchsten gemessenen Temperaturen bei etwa 600 Grad lägen, die Gasbelastung im Krater aber noch relativ hoch sei, so das das Tragen von Gasmasken und zusätzlicher Notfallsauerstoff notwendig seien.

Die Ausmaße des Kraters sind ziemlich gewaltig, wie das untenstehende Bild zeigt (und das ist noch nichtmal der ganze Krater).

Nachtrag vom 09.03.2015: Es gibt im Blog des Vulkanologen Erik Klemetti auch einen Beitrag zu diesem Thema, er schaut sich vor allem den Krater genauer an. Der Beitrag ist hier zu finden und recht interessant.

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Bild des Baugurkraters im Holuhraunlavafeld. Evgenia Ilyinskaya (c) British Geological Survey, NERC, used with permission.

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Probenentnahme von vulkanischen Gasen im Baugurkrater. Evgenia Ilyinskaya (c) British Geological Survey, NERC, used with permission.

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