Entwicklung am Bárðarbunga [30.]

by Christian on 19 October, 2014

Die Entwicklung der Eruption in Island läuft weiterhin stabil, aktuell sind gut 60 Quadratkilometer Land von der frischen Lava bedeckt, die ausgeworfene Lavamenge wird im Moment auf 850 Mio Kubikmeter (oder 0,85 Kubikkilometer) geschätzt. Die Ausdehnung lässt sich mit relativ geringer Unsicherheit aus Satellitenbildern und Bodenmessungen abschätzen, bei der Lavamenge ist die Unsicherheit allerdings grösser. Hier geht man von einer durchschnittlichen Dicke des Lavafeldes von etwa 14m aus, da gibt es aber gewisse Unsicherheiten. Sollten die Zahlen zutreffen, ist die aktuelle Eruption die größte in Island seit der Lakieruption von 1783, die mit gut 15 Kubikkilometern Ausbruchsmaterial erheblich grösser war.

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Karte der Lavaausdehnung veröffentlicht vom isländischen Wetterdienst.

Die Erdbebenaktivität am Barðarbunga geht ebenfalls weiter, der Vulkanologe Haraldur Sigurðsson sorgte hier mit einer relativ spektakulären Ankündigung in seinem Blog für Aufsehen. Basierend auf den Absenkungsdaten der Caldera prognostizierte er ein Ende der Spalteneruption für den 04. März 2015. Er geht davon aus, das sich der Druck langsam reduziert und damit die Eruption endet (eine Meldung dazu hier auf englisch). Eine so “exakte” Vorhersage ist aber schwierig, weil viele Parameter die einen Vulkanausbruch bestimmen unbekannt sind, Haraldurs Ankündigung wurde dann auch von einigen Kollegen kritisiert.

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Sperrzone verkleinert

by Christian on 17 October, 2014

Die Sperrzone um die Eruption ist mit heutiger Wirkung erheblich verkleinert worden. Sie gilt immer noch für die direkte Umgebung der Spalteneruption sowie entlang der Jökulsá á Fjöllum, ist aber in der Breite deutlich kleiner geworden. Die auf der untenstehenden Karte des isländischen Zivilschutzes rot schraffierte Fläche ist die aktuelle Sperrzone, die grau schraffierte die alte (Klick aufs Bild führt zur höher aufgelösten Version der Karte).

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Sperrzone um die Eruptionsspalte, Karte vom isländischen Zivilschutz, Original hier.

Oben in der Karte sind die genauen Koordinaten, zwischen denen die Sperrzone liegt vermerkt, ein Aufenthalt innerhalb dieser Grenzen benötigt eine besondere Erlaubnis. Zusätzlich sei angemerkt, das im Hochland jetzt Winter herrscht und ein Zugang ohnehin viel Erfahrung sowie ausreichend hohe Fahrzeuge erfordert.

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Bleiki dagurinn – rosa Tag

by Christian on 16 October, 2014

Wer sich heute auf isländische Webseiten begeben hat, wird sich möglicherweise über das Auftreten rosa eingefärbter Logos, Graphiken oder rosa Schleifen gewundert haben. Das hängt damit zusammen, das heute in Island der von isländischen Krebsgesellschaft ausgerufene “rosa Tag” ist, diese Aktion steht in Zusammenhang mit dem Monat gegen Brustkrebs, der im Oktober stattfindet. Und so tragen Leute heute rosa Kleidung, Webseiten erscheinen rosa und auch Gebäude werden entsprechend angeleuchtet. Ein paar Fotos gibt es hier zu sehen.

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Hintergrundgraphik von der Webseite der Stadt Reykjavik.

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Der isländischen Strassendienst hat die Gletscher des Landes rosa eingefärbt.

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Die Loginseite der Universität von Island (genannt Ugla (Eule)) wird heute von einer rosafarbenen Eule geschmückt.

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Schwefeldioxidvorhersage weiter verbessert

by Christian on 14 October, 2014

Da die Schwefeldioxidemissionen der Vulkaneruption weiterhin ein Problem für Island sind, ist die Vorhersagekarte erneut verbessert worden. Neben den vorherrschenden Windrichtungen zeigt sie auch eine detailliertere Vorhersage inkl. einer Legende für die zu erwartenden Konzentrationen an (ein Klick auf die Karte führt zur aktuellen Version). Der Schieber am unteren Bildrand der aktuellen Version erlaubt es, die Vorhersage für die nächsten Tage anzusehen.

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Vorhersage der Schwefeldioxidwerte für Island. Ein Klick auf die Karte führt zur aktuellen Version.

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Entwicklung am Bárðarbunga [29.]

by Christian on 13 October, 2014

Die Eruption läuft, soweit man das bei den eingeschränkten Beobachtungsmöglichkeiten der letzten Tage sagen kann, unvermindert weiter und breitet sich im Gelände aus. Aktuell sind etwa 56 Quadratkilometer Land von frischer Lava bedeckt (diese Zahl stammt vom Freitag, dem 10.10.) wobei mir scheint, das sich die Ausbreitung etwas verlangsamt hat. Das Wetter sorgt zudem für Ausfälle, so wird die Absenkung der Caldera zwar von den Meßgeräten aufgezeichnet, die Daten aber aktuell nicht übertragen.

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Ausbreitungskarte der Lava, Karte veröffentlicht von der Universität von Island und der isländischen Küstenwache. Original hier.

Der Geologe Thor Thordarson hat jetzt einen Vorschlag für die Benennung der Eruption und des Lavafeldes gemacht: Nornahraun (Hexenlava) für das Lavafeld, Nornagígar für die Kraterreihe und Nornaeldar, wenn von der Eruption die Rede ist. Er begründete das damit, da es zum einen bereits zwei Holuhraunlavafelder geben würde. Zudem produziert die Eruption Pele’s Haare (dünne und sehr feine Stränge aus vulkanischem Glas), die im isländischen Nornahár (Hexenhaar) genannt werden.

Es gibt nach verschiedenen Tagen auch wieder neue Videobilder von der Eruption beim Morgunbladid. In den letzten Tagen hatten Nebel und sehr schlechtes Wetter Flüge unmöglich gemacht. Den Bildern zufolge scheinen kaum noch Lavafontainen hochzuspritzen, sondern es hat sich eher ein Lavasee gebildet.

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Nordlichter über Island

by Christian on 12 October, 2014

Zur Abwechslung mal wieder ein anderer Eintrag über Island. Zum heutigen Sonntag einige recht eindrucksvolle Filmaufnahmen (Zeitraffer) von Nordlichtern.

 

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Luftbelastung in Reykjavik

by Christian on 10 October, 2014

Die Eruption setzt nach wie vor neben Lava auch grosse Mengen an Schwefeldioxid frei. Haben diese Emissionen bisher eher den Norden Islands getroffen, so ist seit einigen Tagen die vorherrschende Windrichtung anders und es verbläst die Wolke in Richtung Süd bis Südwestisland bis nach Reykjavik. Hier sind in den letztenTagen mehrfach Werte über 600 Mikrogramm Schwefeldioxid gemessen worden, was eine hohe Belastung darstellt. Die Werte der untenstehenden Graphik zeigen die Werte der Meßstation Norðlingaholt in Reykjavik (alle Meßstationen Islands sind hier zu finden):

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Schwefeldioxidwerte der Meßstation Norðlingaholt.

Die Belastung ist auch auf Satellitenbildern als blauer Dunst zu erkennen und führt dazu, das die Fernsicht stark eingeschränkt wird. Sie führt durch erhöhte Streuung des Lichtes an den Aerosolen der Atmosphäre auch zu spektakulären Sonnenuntergängen. Dazu gibt es hier und hier Presseberichte mit Fotos.

Die bläuliche Gaswolke lässt sich auch gut aus dem Weltall von Satelliten beobachten wie dieses Bild vom 08. Oktober zeigt:

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Die Schwefeldioxidbelastung über Südwestisland ist gut als Wolke zu erkennen. Klick aufs Bild führt zur höher aufgelösten Version, Original von der NASA hier . Ebenfalls aus dem All durch NASA Satelliten wird die Zugrichtung der Wolke gemessen:

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Schwefeldioxidmessung durch die NASA mit Aura/OMI, aktuelle Version hier .

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Satellitenbilder der Eruption

by Christian on 8 October, 2014

In Island hat letzte Woche der Winter begonnen – das gilt besonders für das Hochland. Interessant ist das für die Region um die Holuhrauneruption, da hier nur dort Schnee liegenbleibt, wo keine frische (und damit warme bis heiße) Lava ausgeströmt ist. Die beiden Satellitenbilder der NASA zeigen einen Ausschnitt mit der ausbrechenden Vulkanspalte etwa in der Bildmitte. Beim Klick aufs Bild gibt es eine Version mit der gesamten Insel, wer die hochaufgelösten Bilddaten haben will, folgt dem Bildlink unter dem Bild.

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Echtfarbenaufnahme des Eruptionsgebietes. Die frische Lava und auch die Dampfsäulen sind gut zu sehen. Bild von der NASA, Original und höher aufgelöste Version hier.

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Infrarotaufnahme des Eruptionsgebietes, das Bild zeigt keine realen, sondern Falschfarben. Aufgrund des anderen Spektrum ist die heisse Lava hier erheblich besser zu sehen. Bild von der NASA, Original und höher aufgelöste Version hier.

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Entwicklung am Bárðarbunga [28.]

by Christian on 8 October, 2014

Die Eruption läuft weiterhin stabil und breitet sich weiter aus und bedeckt mittlerweile mindestens 52,7 Quadratkilometer (die letzten Zahlen zur Fläche stammen vom letzten Wochenende, die Ausbreitung dürfte mittlerweile grösser sein). Auch am Bárðarbunga gibt es keine Veränderungen, die Caldera senkt sich weiterhin ab und es gibt auch weiterhin Erdbeben.

Für Aufregung sorgten gestern Bilder im Internet, die eine Gruppe kasachischer Milliardäre dicht vor der Lava zeigten. Diese hatten sich einen Hubschrauber gemietet und waren ohne Genehmigung in der Sperrzone gelandet. Glück für sie war, das der Wind in die richtige Richtung stand und sie damit nicht plötzlich in einer Schwefeldioxidwolke standen (was dicht an der Eruptionsstelle schnell lebensgefährlich wird). Die Polizei zeigte sich wenig amüsiert und ermittelt in dem Fall. Und es sieht so aus als hätte der Vorfall zumindest für den Hubschrauberpiloten Konsequenzen.

Dann bin ich auf ein Interview mit dem Geologieprofessor Robert White von der Universität von Cambridge gestossen. Seine Arbeitsgruppe untersucht eigentlich Mikrobeben an der Askja und hat dazu ein grosses Meßfeld aus Seismometern aufgebaut. Da sich die Holuhrauneruption aber in derselben Gegend ereignete (und zusätzliche Geräte aufgestellt werden konnten), wurde diese Eruption seismisch in allen Einzelheiten aufgezeichnet, was sie wohl zur am genauesten beobachteten Eruption aller Zeiten macht. White bezeichnet das im Interview als “Luck and Lava” (“Glück und Lava”).

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Hubschrauberflug über die Eruption

by Christian on 5 October, 2014

Zum Sonntag gibts noch einen hübschen Film vom Flug eines Hubschraubers entlang der Eruptionsspalte und des Lavaflusses, der sich unterhalb der Krater gebildet hat. Auch sind einige sehr hohe Lavafontainen zu sehen.

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