Lavadicke und Eiskrater

by Christian on 29 January, 2015

Nachdem Wetter und Schnee längere Zeit keine vor Ort Inspektion des Nornahraunlavafeldes zuliessen, hab es letzte Woche eine Chance für die Geologen, das Feld zu Land und auch aus der Luft zu vermessen. Aus den Daten wurde eine neue Karte mit der Stärke des Lavafeldes erzeugt.

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Karte der Dicke des Nornahraunlavafeldes. Karte veröffentlicht von der Universität von Island.

Demnach ist das Lavafeld durchschnittlich gut 20m stark, in vielen Bereichen der Mitte sogar bis zu 40m. Der Eruptionskrater selber ist mittlerweile 75m hoch (das ist so hoch wie der Turm der Hallgrimskirkja in Reykjavik). Aus diesen Berechnungen lässt sich jetzt auch die freigesetzte Lavamenge wieder abschätzen, diese liegt nach Angaben der Geologen bei 1,4 Kubikkilometern.

Das sich die Absenkung in der Bárðarbunga Caldera verlangsamt, hatte ich schonmal berichtet. Nachdem zwischenzeitlich der GPS-Sensor gewartet wurde, gab es auch für ein paar Tage Daten, die diesen Trend bestätigen.

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GPS Daten zur Absenkung der Bárðarbunga Caldera. Aktuelle Version beim isländischen Wetterdienst.

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diverses zum Vulkanausbruch

by Christian on 21 January, 2015

Heute mal eine Sammlung eher kleiner Meldungen zur Eruption, die sich in der letzten Zeit so angesammelt haben. Die Eruption geht nach wie vor weiter, sie scheint sich aber zu verlangsamen und auch die freigesetzten Schwefeldioxidmengen schwanken. Sie stellen aber weiterhin eine Gefährdung der Gesundheit dar. Das haben jetzt Vulkanologen gemerkt, die sich im Herbst längere Zeit in der Nähe des Eruptionsortes aufgehalten haben. Sie entwickelten dabei Husten und Probleme mit der Atmung, die verschwanden, als sie nach Reykjavik in den Weihnachtsurlaub fuhren. Mediziner an der Universität von Island sind aktuell auch dabei, ein Forschungsprojekt über die gesundheitlichen Auswirkungen des Ausbruchs anzuschieben.

Mit der zurückgehenden Aktivität des Vulkanausbruchs halten es einige Geologen für möglich, das damit der Druck auf den Bárðarbunga wieder ansteigt, da die Magma nicht mehr entweicht. Es ist demzufolge auch möglich, das sich eine Spalte an anderer Stelle auftut.

Die Benennung des neuen Lavafeldes ist bisher nur provisorisch, auch wenn der isländische Wetterdienst in seinen Karten und Berichten von der Nornahraun spricht. Dieses geschieht hauptsächlich, um die Namensverwirrung mit Holuhraun zu vermeiden, da dieser Name bereits zwei ältere Eruptionen bezeichnet. Für die endgültige Benennung der Region ist die regionale Verwaltung zuständig – das Gebiet gehört verwaltungstechnisch zur Mývatnregion. Und dort gibt es noch andere Vorschläge, es bleibt also abzuwarten, wie der endgültige Name lauten wird.

Nach längerer Zeit gibt es auch wieder einmal neue Videobilder, hier beim Guardian gefunden. Sie zeigen schön die Aktivität der Spalte und den Lavasee, der sich im Krater gebildet hat.

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Ausbreitung der Lava

by Christian on 15 January, 2015

Die Ausbreitung der Lava der Nornahrauneruption ist recht gross und bedeckt mittlerweile gute 84 Quadratkilometer. Die Lava hat sich praktisch über die gesamte Sandebene der Holuhraun ausgebreitet und bedeckt das alte Lavafeld weitgehend. Sie breitet sich mittlerweile auch auf die Lava der letzten Askjaeruption in den 1920er Jahren aus und hat die F910 an mehreren Stellen verschüttet. Die Geologen gehen auch davon aus, das sich hinter dem Lavafeld zur Frühjahrschmelze Seen bilden werden, da sich die Lava auch in die Flußbetten der Gletscherflüsse (die im Moment nur relativ wenig Wasser führen) ausgebreitet hat.

Am besten lässt sich diese Ausbreitung auf Satellitenbildern sehen die jetzt von der NASA veröffentlicht wurden. Ich habe die Bilder wieder übereinandergelegt, das Bild was sichtbar ist, wenn der Schieber ganz rechts steht ist am 03. September 2014 (also ganz am Anfang der Eruption) aufgenommen, das zweite stammt vom 03. Januar 2015.

Bilder der Nornahrauneruption. Erstes Bild vom 03. September 2014, zweites Bild vom 03. Januar 2015. Bilder von der NASA.

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Entwicklung am Bárðarbunga [36.]

by Christian on 9 January, 2015

Nach einigen Tagen ist es jetzt auch mal wieder Zeit für ein Vulkanupdate (übrigens das erste in diesem Jahr) und da heisst es im wesentlichen: Es läuft weiter wie bisher.

Die Lava im Nornahraunfeld breitet sich weiter aus, sie bedeckt jetzt mindestens 83.8 Quadratkilometer. Nach neueren Messungen und Abschätzungen der freigesetzten Lavamenge wird die Eruption jetzt auch offiziell als grösste isländische Eruption seit dem Lakiausbruch bezeichnet. So sind nach Aussagen der Geologen mindestens 1.15 Kubikkilometer Lava freigesetzt worden.

Es gibt natürlich auch wieder neue Satellitenbilder, das erste wurde vom isländischen Wetterdienst veröffentlicht und zeigt ein Infrarotbild der Region, das kommentierte Bild stammt vom NASA Earth Observatory und zeigt ein Bild im sichtbaren Lichtbereich.

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Infrarotbild des Nornahrauneruptionsgebietes. Bild veröffentlicht vom isländischen Wetterdienst.

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Satellitenbild des Nornahraunlavafeldes. Original und höher aufgelöste Version bei NASA Earth Observatory.

Auch Bárðarbunga ist weiterhin aktiv, allerdings nimmt sowohl die Zahl der Erdbeben insgesamt und auch die Zahl der starken Erdbeben (>Stärke 3) ab. Das hängt vermutlich mit der abnehmenden Absenkung des Calderabodens. Hatte diese im Herbst noch bis zu 80 cm/Tag betragen, sind es jetzt nur noch 10-15 cm/Tag.

Wie sich Bárðarbunga weiterentwickeln wird ist unklar, es gibt aber Spekulationen unter den Geologen, das die Aktivität andere Vulkane im Vulkansystem aufwecken könnte. Einer der Kandidaten ist der Tungnafellsjökull, der seit Anfang der starken Aktivität in der Region ebenfalls seismische Aktivität zeigt.

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Streik und Waffeln

by Christian on 8 January, 2015

In Island ist vorgestern der seit dem Herbst schwelende Tarifkonflikt zwischen den Ärzten und dem Staat beigelegt worden. Seit dem Herbst laufen die Verhandlungen, seit Anfang November streiken die Ärzte wechselweise für zwei Tage, was zu einer hohen Zahl verschobener Operationen (geplante Operationen, Notfälle sind immer behandelt worden) geführt hat.

Die genauen Details der Einigung sind bisher nicht bekannt, allerdings soll es neben Lohnerhöhungen auch Veränderungen bei den Arbeitszeiten geben. Island hat seit der Finanzkrise das Problem, das der Gesundheitssektor unterfinanziert ist, was dazu führt, das eine grosse Anzahl an Beschäftigten in andere skandinavische Länder ausgewandert ist.

Nach der Einigung haben beide Tarifparteien zusammen Waffeln gebacken (das geschah morgens gegen 3 Uhr in der Früh), was auch eine Tradition bei Verhandlungen mit dem Staat ist. Neben den Bilder der Verhandlungsführer waren die Bilder von den Waffeln in allen Medien zu finden, hier beispielsweise bei RÚV oder Vísir.

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Frohes Neues Jahr

by Christian on 1 January, 2015

Ich wünsche allen Lesern des Islandblogs ein frohes Neues Jahr 2015. Möge es erfolgreich und voller erfüllter Wünsche sein.

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Silvesterfeuerwerk in Reykjavik

by Christian on 31 December, 2014

Das die Isländer ihr Feuerwerk lieben, ist ja keine wirklich Neuigkeit und so wird es auch heute abend wieder eine Liveübertragung des Feuerwerks über die Mílawebcams geben. Der Stream ist hier zu finden, es wird so ca. ab 0.30h deutscher Zeit (23.30 isländischer Zeit) losgehen und sich dann bis Mitternacht kräftig steigern.

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Gleðileg jól / Frohe Weihnachten

by Christian on 24 December, 2014

Ich wünsche allen Lesern des Islandblogs frohe Weihnachten und ein paar ruhige und besinnliche Tage. Das Weihnachtsbild stammt von den Geologen der Universität von Island, die eine kleine Spielerei mit der Form des Lavafeldes gemacht haben.

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Gleðileg jól auch von den Geologen der Universität von Island.

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Entwicklung am Bárðarbunga [35.]

by Christian on 19 December, 2014

Mal wieder ein kurzes Update von der Lage nördlich des Vatnajökull. Die Region ist fest im Griff des Winters, was die Feldarbeit der Geologen am Lavefeld zur Zeit unmöglich macht. Beobachtungen sind heutzutage aber auch aus der Ferne möglich und aus denen schliessen die Wissenschaftler, das die Eruption weiterhin ungebremst Lava ausspuckt. Wie lange das ganze noch gehen wird, darüber wagt mittlerweile niemand mehr eine Prognose, da die bisherige Dauer und das stabile Verhalten der Eruption alle Fachleute überrascht hat.

Nach neuesten Satellitenbildern ist die Größe des Lavafeldes auf knapp 80 Quadratkilometer angewachsen. Auf dem Bild ist gut zu sehen, das sich die Lava im Moment praktisch nur nach Norden ausbreitet. Zusätzlich ist die “kleine Insel” im Nordwesten des Feldes, die bisher freigeblieben war, auch mit frischer Lava gefüllt.

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Ausbreitung des Nornahraunlavafeldes, Bild vom isländischen Wetterdienst.

Spass hatten die Geowissenschaftler offensichtlich auch bei der Weihnachtsfeier beim isländischen Wetterdienst. Jón Frímann Jónsson veröffentlichte das Bild, das die Kuchen der Feier zeigt. Die beiden Schokoladenkuchen sind Lavafeldkuchen mit passender Dekoration, der weisse in der Mitte stellt den Vatnajökull mit der Einsinkung über der Caldera des Bárðarbunga dar. Die farbigen Zonen stellen die unterschiedlichen Tiefenlinien dar.

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Weihnachtsfeier der isländischen Geologen mit Lavafeldkuchen. Foto von Jón Frímann Jónsson.

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Naturpass Island

by Christian on 13 December, 2014

Nachdem es über den Sommer reichlich Streit in Island über die Einführung von Eintrittsgebühren gab und die Regierung bereits im Frühjahr die Einführung eines “Naturpasses” ab dem 01. Januar 2015 angekündigt hatte, ist erstmal relativ wenig passiert. Bis dann Anfang Dezember doch noch mal Schwung in die Sache kam und die isländische Industrieministerin Ragnheiður Elín Árnadóttir den Plan (der dann vom Parlament beschlossen werden soll) vorstellte.

Er enthält die folgenden Punkte:

  • Jeder der die isländische Natur besuchen will (das ist etwas schwammig, weil bisher nicht definiert ist, was darunter fällt) und über 18 Jahre alt ist, muss zukünftig einen Naturpass für 1500 ISK (etwa 10 Euro) kaufen. Der Pass soll für drei Jahre gültig und nicht übertragbar sein.
  • Diese Maßnahme betrifft Isländer und Touristen gleichermassen und soll für gut 90% der Touristenattraktionen in Island gelten (so die Aussage der Ministerin). Privatpersonen können am Naturpass beteiligt werden (müssen aber nicht). Auch wenn angeblich nur 10% der Touristenattraktionen in privater Hand sind, können das schon einige sein, wie das Beispiel mit dem Jökulsárlon zeigt.
  • Die erwarteten Einnahmen von 4.5-5 Mrd ISK (etwa 30 Mio Euro) sollen in die Verbesserung der Infrastruktur, in die Sicherheit der Touristen und zu einem erheblichen Teil auch dem isländischen Rettungsdienst zugute kommen.
  • Die Maßnahme soll natürlich kontrolliert werden, Personen, die ohne Naturpass erwischt werden, sollen eine Strafe von 15.000 ISK (etwa 100 Euro) zahlen.

Der Start am 01. Januar 2015 ist jetzt natürlich nicht mehr zu halten, angepeilt wird jetzt, die Gebühren ab September 2015 zu erheben.

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