Erdbebenschwarm vor Reykjanes

by Christian on 1 July, 2015

Seit gestern gibt es vor der Reykjaneshalbinsel im Meer einen grösseren Erdbebenschwarm. Dieser ist für die Region nicht ungewöhnlich, verläuft hier doch die Bruchkante des mittelatlantischen Rückens auf Island zu. Nach Angaben des isländischen Wetterdienstes sind die Beben aber alle tektonischer Natur und werden nicht durch sich bewegende Magma verursacht. Aktuell wurden gut 460 Beben gemessen, davon 35 stärker als Magnitude 3, die stärksten bis zur Stufe 5. Diese waren im Raum Keflavik gut spürbar.

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Erdbebenkarte des Reykjanes Region. Karte vom isländischen Wetterdienst, aktuelle Version hier.

Auch wenn die Beben tektonisch sind, wurde trotzdem der Flugvekehrswarncode für die Insel Eldey (sie liegt gut 15km südwestlich von Reykjanes) wurde auf gelb – unsicher verändert. Unterseeische Vulkanausbrüche sind für die Region nichts ungewöhnliches, bekannte Ausbrüche ereigneten sich 1211, 1223, 1226, 1231, 1238, 1240, 1340, 1442, 1783, 1830, 1879, 1884 und 1926. Auch Eldey enstand 1211 auf diese Weise.

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Status der isländischen Vulkane, Karte vom isländischen Wetterdienst, aktuelle Version hier.

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Algenblüte im Nordatlantik

by Christian on 30 June, 2015

Auch im Nordatlantik wird es langsam wärmer und das führt in den Gewässern rund um Island dazu, das die Algen blühen. Das ist kein neues Phänomen (und ich hatte dazu auch schonmal ein Bild), interessant auf der Aufnahme von diesem Jahr ist aber, das die Meeresströmungen mit den Algen gut sichtbar sind. Foto von der NASA, Original (auch in hoher Auflösung) hier.

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Satellitenaufnahme von der Algenblüte um Island. Gut sichtbar sind die Meeresströmungen. Original von der NASA.

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3D Modell der Holuhrauneruption

by Christian on 20 May, 2015

Während das Eruptionsgebiet aufgrund seiner abgelegenen Lage und des Wetters nach wie vor schlecht zugänglich ist, haben Wissenschaftler der Universität von Island und Techniker der Firma Svarmi mehrere hundert mit einer Drohne aufgenommene Fotos verwendet, um ein möglichst detailliertes 3D-Modell des neues Lavagebiets zu erstellen.

Einen kleinen Eindruck gewinnt man im unten verlinkten Film, interessant ist hier, das man die Strukturen besser erkennt als auf Fotos, da hier das Licht quasi kontrolliert ist.

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Aus für den Naturpass

by Christian on 24 April, 2015

Der geplante Naturpass für Island wird nicht verwirklicht werden, das entsprechende Gesetz ist im Parlament gestoppt worden. Der Naturpass sollte eingeführt werden, um die Entwicklung und den Schutz isländischer Sehenswürdigkeiten schützen zu können und sollte für drei Jahre 1500 isländische Kronen (ungefähr 10 Euro) kosten.

Auch wenn das Vorhaben insgesamt positiv begrüsst worden war, gab es an der geplanten Umsetzung und den vielen offenen Fragen massive Kritik. So war unklar, wann und wo die Gebühr kassiert werden sollte und ob sie auch von Isländern gezahlt werden sollte. Ebenso war die Verteilung der Mittel und die Kontrolle des Naturpasses nicht wirklich exakt ausgearbeitet.

Es bleibt abzuwarten, ob das Aus der Pläne wieder dazu führt, das Landbesitzer in Island Kassenhäuschen an den Sehenswürdigkeiten auf ihrem Land aufstellen (das sollte durch den Naturpass verhindert werden) und wie eine von der Industrieministerin Ragnheiður Elín Árnadóttir in Aussicht gestellt andere Lösung zur Finanzierung dieser Pläne aussehen wird.

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Streiks in Island

by Christian on 20 April, 2015

Nachdem der Streik der Ärzte vor einiger Zeit beigelegt werden konnte, sind es jetzt die Mitglieder der “Vereinigung der Akademiker”, einem Dachverband 19 kleinerer Gewerkschaften, deren Mitglieder akademische Berufe haben, die streiken. In ihnen sind unter anderem Veterinäre, Naturwissenschaftler, Röntgen- und OP-Techniker oder Enährungswissenschaftler aber eben auch Teile der Finanzaufsicht des Staates organisiert.

Neben Gehaltserhöhungen ist die wichtigste Forderung die Anhebung des Mindestlohns für Gewerkschaftsmitglieder auf mindestens 300.000 Kronen pro Monat (das sind etwa 2000 Euro) bis zum Jahr 2017, aktuell liegt er bei 214.000 Kronen. Gerade diese Forderung ist umstritten (weil sie den Staat relativ viel Geld kostet), allerdings reicht der Mindestlohn nach den Preissteigerungen der letzten Jahre (gerade auf dem Wohnungsmarkt) eigentlich kaum mehr aus, um davon halbwegs vernünftig leben zu können.

Aktuell streikt nur eine relativ kleine Anzahl an Gewerkschaftsmitglieder, da diese aber bestimmte Schlüsselpositionen besetzen, sind die Auswirkungen trotzdem gut spürbar. So führt der Streik derVeterinäre dazu, das keine Tiere mehr geschlachtet werden dürfen (da das Fleisch entsprechend begutachtet werden muss), so das es vermutlich bereits diese Woche zu Engpässen in der Versorgung kommen wird. Auch im Krankenhaus sind alle nicht dringend notwendigen Operationen abgesagt worden, da notwendiges Personal nicht verfügbar ist. Wie sich hier die Situation entwickelt ist unklar, allerdings treffen sich die Verhandlungsparteien bereits heute zu weiteren Verhandlungen.

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Zugang zum Holuhraungebiet

by Christian on 3 April, 2015

Der Zugang zum Holuhraungebiet ist mittlerweile ja weitgehend freigegeben, nun sind in der Region zusätzlich zwei Parkplätze (das ist nötig, weil man ausserhalb der “Hochlandstrassen” ja eigentlich nicht einfach im Gelände halten darf) und zusätzlich zwei Evakuierungspunkte (für den Fall das vulkanisch doch noch mehr passiert) ausgewiesen worden. Diese Karte des isländischen Zivilschutzes zeigt hier Details inkl. der jeweiligen GPS-Koordinaten:

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Karte des Holuhraungebietes mit Parkplätzen und Evakuierungspunkten, veröffentlicht vom isländischen Zivilschutz.

Besucher sollten vor ihrer Tour die lokalen Schwefeldioxidbelastungen überprüfen, da diese je nach Windverhältnissen immer noch so hoch sein können, das sie gesundheitsgefährlich bis akut lebensgefährlich werden können. Hierzu wurde extra eine Webseite eingerichtet, auf der man diese Meßwerte aktuell überprüfen kann, im Moment sieht das so aus:

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Anzeige der Luftbelastung im Holuhraungebiet, aktuelle Meßwerte hier.

Die aktuelle Messungen zeigen, das die Belastung fast überall niedrig ist, ausgenommen ist der Bereich östlich des Lavafeldes.

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Island und die Entwicklung des Tourismus

by Christian on 31 March, 2015

Der Tourismus spielt für Island wirtschaftlich eine sehr grosse Rolle und ist der Hauptgrund für die Erholung des Landes nach der Finanzkrise. Das zeigt sich darin, das gut 60% der Jobs, die seit 2010 neu entstanden sind mit dem Tourismus zusammenhängen. Im letzten Jahr wurde gut die Hälfte aller neu in Island zugelassenen Autos von Autovermietungen angemeldet.

Diese Zahlen zeigen, wie stark der Tourismus zugenommen hat. So wurde 2014 die 1 Mio Marke an Besuchern zwar knapp verfehlt (nach Angaben des isländischen Tourismuskammer waren es 997.566), bei den aktuellen Zuwachsraten wird diese Marke 2015 aber definitiv überschritten werden. Sie lag im letzten Jahr bei 23,6% (alle Zahlen seit 1949 finden sich hier). So rechnet man für 2015 mit gut 1,2 Mio Gästen, die über den internationalen Flughafen in Keflavik einreisen, gut 150.000 die über die Fährhafen in Seydisfjördur kommen und etwa 200.000 Besuchern von Kreuzfahrtschiffen. Diese Entwicklung lässt sich an den Zahlen seit 1949 ablesen:

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Entwicklung der Besucherzahlen in Island seit 1949, Graphik vom Icelandic Tourist Board.

Diese Zuwachsraten sorgen zunehmend für Probleme, so ist es in den grösseren Städten Islands mittlerweile sehr schwierig (noch mehr als früher ohnehin schon) bezahlbare Wohnungen zu mieten – für die Vermieter ist es lukrativer die Wohnungen nur einen Teil des Jahres an Feriengäste zu vermieten. Ebenso entsteht in Reykjavik gefühlt in jedem dritten Haus ein Guesthouse, was die Lage auch auf dem Eigentumsmarkt nicht verbessert.

Und die grossen Zahlen an Touristen führen zu vollen Sehenswürdigkeiten, was nach einer Umfrage des Tourismusverbandes zu der kuriosen Situation führt, das sich die Touristen über zuviele Touristen beschweren. Wie lange diese Entwicklung noch gutgehen kann, steht in den Sternen, so sollte der isländische Naturpaß Anfang 2015 Wirklichkeit werden, wird aber wohl erst in diesem Herbst kommen. Auch andere Impulse zur Regulierung fehlen im Moment.

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Pong auf der Fassade der Harpa

by Christian on 28 March, 2015

Der Künstler Atli Bollason und Programmierer Owen Hindley haben die beleuchtete Fassade der Harpa in einen interaktiven Bildschirm verwandelt. Dort kann man zur Kulturwoche zwischen dem 23. und 31. August 2015 das Spiel Pong (welches eines der ältesten Computerspiele überhaupt ist) spielen. Dazu braucht man ein Smartphone mit dem man sich in ein spezielles Wlan einloggt und dann auf seine Gelegenheit wartet. Die Künstler haben dazu auch ein Video veröffentlicht:

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Verschmutzung durch die Holuhrauneruption

by Christian on 26 March, 2015

Die Holuhrauneruption hat bekanntlichermaßen erhebliche Mengen an Schwefeldioxid freigesetzt, je nach Eruptionsphase von 20-60 kT/Tag (am Anfang mehr, am Ende dann weniger). Verglichen damit setzt die gesamte EU (und das beinhaltet dann den gesamten Verkehr, Industrie, Kraftwerke usw.) nur 14 kT/Tag in allen ihrem Mitgliedsländern frei. Während der 182 Tage der Eruption belastete dies die Luft besonders in Island erheblich, so wurden in Höfn die Luftgrenzwerte an 107 Tagen überschritten, die höchsten Belastungen erreichten hier 21.000 Mikrogramm Schwefeldioxid pro Kubikmeter (der Grenzwert liegt bei 350 Mikrogramm/Kubikmeter).

Paradoxerweise hat wohl ein anderes Wetterphänomen dafür gesorgt, das es keine grösseren Langzeitschäden durch die Eruption geben wird: Die zahlreichen Stürme dieses Winters. Sie verbliesen grosse Mengen an Schwefeldioxid und vulkanischer Asche in die Meere und verhinderten so, das sie sich im Schnee ablagern. Dort wären sie nach Ansicht des Geochemikers Sigurður Reynir Gíslason im Frühjahr in kurzer Zeit freigesetzt worden, was katastrophale Folgen für die Pflanzen- und Tierwelt gehabt hätte.

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Eishöhle im Langjökull

by Christian on 24 March, 2015

In den isländischen Gletscher Langjökull ist im Verlauf des letzten Jahres eine Eishöhle gebohrt worden, die man besuchen kann. Nach der Idee der “Erbauer” soll man hier einen Blick ins Innere des Gletschers werfen und sogar heiraten können. Die Webseite des Veranstalters findet sich hier.

Nun hat der Skandinavienkorrespondent der ARD diese Höhle für das Morgenmagazin besucht und dabei den folgenden Film erstellt:

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