Island und die Fischerei

by Christian on 7 October, 2011

Einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Islands (wenn nicht sogar der wichtigste) ist die Fischerei. Sie erwirtschaftet gut 40% der ausländischen Einnahmen Islands und hat dabei einen erstaunlich kleinen Anteil am Arbeitsmarkt: Nur gut 5.2% der Arbeitnehmer arbeiten auf den Booten und weitere 6,7% in der fischverarbeitenden Industrie.

Diese Zahlen machen deutlich, warum die Fischerei bei den Beitrittsverhandlungen zur EU für Island eine entscheidende Rolle spielt. Eine Öffnung der isländischen 200 Seemeilenzone für ausländische Boote wird es nicht geben, ansonsten werden die Isländer der EU nicht beitreten. Die Verhandlungsposition hört sich zwar etwas versöhnlicher an: In isländischen Hoheitsgewässern dürften dann nur Schiffe aus Nationen fischen, die das in den letzten 20 Jahren vor dem Beitritt auch getan haben. Tatsache ist aber, das nur die Isländer selber hier gefischt haben (und diesen Anspruch auch mehrfach ernsthaft verteidigt haben, siehe auch die Kabeljaukriege mit Grossbritannien).

Die ernsthafte Kontrolle der 200 Seemeilenzone zusammen mit dem Quotensystem und einer sehr genauen Kontrolle der Fischbestände haben bis heute dazu geführt das trotz hoher Fangmengen die Bestände nicht überfischt worden sind. Die Fangquoten werden jedes Jahr für jede Fischart, die befischt wird, neu festgelegt. Dazu fährt ein Schiff des Meeresforschungsinstitutes die Gewässer vor Island ab und ermittelt die Grösse des jeweiligen Fischbestandes.

Auf Basis dieser Daten wird dann eine Fangmenge festgelegt, die dann entsprechend der Anteile an der Fangquote auf die Besitzer der einzelnen Schiffe aufgeteilt wird. Wird ein zu kleiner Bestand ermittelt, erteilt das Fischereiministerium für die betroffene Art keine Fangquote. Ist die festgelegte Quote gefischt, wird der Fang der jeweiligen Fischart eingestellt. Die Fangmengen werden bei Anlandung (und stichprobenartig auch auf See durch die Küstenwache) kontrolliert, Überschreitungen oder der Fang von Fischarten ohne Quote bestraft.

Das führt dazu, das die isländische Fischfangflotte hochprofitabel und sehr modern ist. Die gut 1500 isländischen Fischerboote fangen so gut 40% mehr Fische als die gesamte spanische Fischfangflotte mit gut 11.000 Schiffen. Und auch im Vergleich mit der gesamten EU muß sich Island nicht verstecken, so werden in Island jährlich gut 1,5 Mio Tonnen Fisch angelandet, in der gesamten EU sind es etwa 4,6 Mio Tonnen. Sehr interessant in diesem Zusammenhang ist ein (englischer) Artikel der Irish Times, der sich mit dieser Thematik beschäftigt.

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Sylvia October 8, 2011 at 16:44

Ich finde die Fischereipolitik Islands richtig. Die EU sollte sich von Island in dieser Frage einiges abgucken. Wenn dadurch Island der Weg in die EU verbaut ist, muß das nicht unbedingt ein Nachteil für Island sein.

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lillatoril October 8, 2011 at 18:49

Eben. Ziemlich viele Fanggründe er EU sind überfischt. (Darum wollen sie wohl auch nach Island…)
Ich hoffe wirklich, Island gibt nicht nach.

Und in die EU? Nunja. Die ersten Ratten verlassen das sinkende Schiff. Ein Verlust wäre das für Island eher nicht.

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