Entwicklung am Bárðarbunga [15.]

by Christian on 7 September, 2014

Zum Abend noch eine kurze Zusammenfassung, was heute im Eruptionsgebiet so passiert ist. Die temporären Zugangsbeschränkungen für Wissenschaftler und Medien sind im Moment wieder aufgehoben, da man offenbar keine unmittelbare Gefahr für einen Aufenthalt sieht. Das kann sich natürlich auch schnell wieder ändern.

Die Lava fliesst weiter mit 100-200 Kukibmetern/Sekunde und hat mittlerweile den Westrand der Jökulsá á Fjöllum erreicht. Dabei kommt es zu kleineren Dampfexplosionen, inwiefern die Lava weiter in den Fluss vordringt, werden die nächsten Tage zeigen. Die Karte von der Ausbreitung der Lava stammt von gestern, demnach sind mindestens 16 Quadratkilometer Land mit frischer Lava bedeckt.140907 Lavaausdehnung

Karte der Lavaausbreitung von der Universität von Island/isländische Küstenwache. Original hier.

Die Zahl der Erdbeben hat weiter abgenommen und liegt aktuell bei gut 170 am Tag, es ereignen sich weiterhin relativ schwere Beben im Bereich des Bárðarbunga, die als Entspannungsbeben infolge der Setzungen interpretiert werden. Die aktuellen Erdbebenzahlen finden sich hier .

In der Eruptionsspalte sind im wesentlichen drei Krater aktiv, die jetzt von den Wissenschaftlern vorläufig benannt worden sind (die endgültige Benennung unterliegt einem speziellen Namenskommittee) um die Arbeit zu vereinfachen. So sind die Namen der Krater jetzt Norðri (der Nördliche), Baugur (Ring/Bogen) and Suðri (der Südliche). Die Spalte die sich südlich des Hauptfeldes gebildet hatte, hat ihre Eruptionstätigkeit mittlerweile eingestellt.

In der Eruptionszone hat man eine vulkanische Besonderheit entdeckt, das sog. “Haar der Pele“. Dabei handelt es sich um vulkanisches Glas das vom Wind verblasen wird und deshalb zu sehr langen dünnen Fäden auszogen wird. Die isländische Bezeichnung dafür ist “Nornahár” oder auch Hexenhaar.

140907 peleshair

Haar der Pele. Bild von der Universität von Island/Thor Thordason. Original hier .

In den letzten Tagen ist die Dampfwolke über der Eruptionsspalte durch die Thermik bis in Höhen von 5000m getragen worden. Wissenschaftler haben dann eine Thermokamera auf die Stelle gerichtet und dabei sehr interessante Aufnahmen gemacht. Sie zeigen einen “vulkanischen Tornado” mit sehr heisser Luft im Zentrum der Wolke (was dann wohl auch die Thermik und das hohe Aufsteigen der Wolke verursacht hat).

{ 7 comments… read them below or add one }

Urlauber Nr .2 September 7, 2014 at 18:54

Also legt sich das zurück es wird ruhiger .oder habe ich es falsch versanden ?

Reply

Jacky September 7, 2014 at 19:46

Hey vielen Dank für die tollen und aktuellen Infos jederzeit! Dein Blogg ist wie immer super spannend!
Da wir im Oktober nach Island fliegen, hoffen wir natürlich den Vulkan selbst erleben zu können, mal sehen wie die Chancen dafür sind! 🙂
Eine Frage: weisst du, was diese weisse Kuppel mit den rotierenden Lichtern ist, welche auf der ersten Webcam des Vulkans von Mila im Vordergrund zu sehen ist?
Dankeschön! 🙂
Liebe Grüsse
Jacky

Reply

Serian T. Kallweit September 7, 2014 at 19:58

Heute Abend gab es wieder einen solchen Lavatornado zu sehen; ich habe gerade noch geschafft, einen Sreenshot zu ziehen, bevor er sich aufgelöst hat. Ich hoffe der Link klappt:

http://www.bilder-hochladen.net/files/big/ldff-2-c81e.jpg

Reply

Christian September 7, 2014 at 20:09

Du meinst die kleine Erscheinung links am Rand? Das sind Staubteufel, die auf der sandigen Ebene entstehen, wenn genug Wind ist. Das konnte man die Tage immer mal wieder beobachten. Die “Lavatornados” entstehen über der heissen Lava in der Dampfwolke. Sichtbar sind die nur im IR.

Reply

Urlauber Nr .2 September 7, 2014 at 20:50

Mal gucken was passiert meine Panik hört nicht auf Ende diesen Monat fliege ich.hoffentlich kommt keine Aschewolke. Ich danke dir von ganzen Herzen das du uns jeden Tag mit neue Informationen fütterst.DANKE

Reply

Serian T. Kallweit September 7, 2014 at 21:11

Ich meine links von der Mitte den hohen “Schlauch”, der bis zur Wolke reicht (das obere Drittel ist nur schemenhaft zu sehen). Das “Ding” befindet sich in meinen Augen gut sichtbar über der heißen Lava. Ich denke über der heißen Lava können leicht solche thermischen Staub-/Hitze- Teufel entstehen.

Reply

Serian T. Kallweit September 8, 2014 at 08:08

Auf der Bardabunga (1) live Cam sieht man inzwischen ab und an schön die Wechselwirkung der Lava mit dem Wasser der Jökulsa. Da steigen dann kräftige Dampfwolken auf (Pfeil):

http://s7.directupload.net/images/140908/qr26ein4.jpg

(Ich hatte diesen Kommentar versehentlich eben bei Barabunga (14) gepostet; kann dort gerne wieder gelöscht werden; sorry)

Reply

Leave a Comment

{ 1 trackback }

Previous post:

Next post: