Island und die Entwicklung des Tourismus

by Christian on 31 March, 2015

Der Tourismus spielt für Island wirtschaftlich eine sehr grosse Rolle und ist der Hauptgrund für die Erholung des Landes nach der Finanzkrise. Das zeigt sich darin, das gut 60% der Jobs, die seit 2010 neu entstanden sind mit dem Tourismus zusammenhängen. Im letzten Jahr wurde gut die Hälfte aller neu in Island zugelassenen Autos von Autovermietungen angemeldet.

Diese Zahlen zeigen, wie stark der Tourismus zugenommen hat. So wurde 2014 die 1 Mio Marke an Besuchern zwar knapp verfehlt (nach Angaben des isländischen Tourismuskammer waren es 997.566), bei den aktuellen Zuwachsraten wird diese Marke 2015 aber definitiv überschritten werden. Sie lag im letzten Jahr bei 23,6% (alle Zahlen seit 1949 finden sich hier). So rechnet man für 2015 mit gut 1,2 Mio Gästen, die über den internationalen Flughafen in Keflavik einreisen, gut 150.000 die über die Fährhafen in Seydisfjördur kommen und etwa 200.000 Besuchern von Kreuzfahrtschiffen. Diese Entwicklung lässt sich an den Zahlen seit 1949 ablesen:

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Entwicklung der Besucherzahlen in Island seit 1949, Graphik vom Icelandic Tourist Board.

Diese Zuwachsraten sorgen zunehmend für Probleme, so ist es in den grösseren Städten Islands mittlerweile sehr schwierig (noch mehr als früher ohnehin schon) bezahlbare Wohnungen zu mieten – für die Vermieter ist es lukrativer die Wohnungen nur einen Teil des Jahres an Feriengäste zu vermieten. Ebenso entsteht in Reykjavik gefühlt in jedem dritten Haus ein Guesthouse, was die Lage auch auf dem Eigentumsmarkt nicht verbessert.

Und die grossen Zahlen an Touristen führen zu vollen Sehenswürdigkeiten, was nach einer Umfrage des Tourismusverbandes zu der kuriosen Situation führt, das sich die Touristen über zuviele Touristen beschweren. Wie lange diese Entwicklung noch gutgehen kann, steht in den Sternen, so sollte der isländische Naturpaß Anfang 2015 Wirklichkeit werden, wird aber wohl erst in diesem Herbst kommen. Auch andere Impulse zur Regulierung fehlen im Moment.

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Catrin April 1, 2015 at 11:34

Hallo, diesen Eindruck möchte ich bestätigen. 2009 war ich so begeistert und fasziniert vom dem wunderschönen Land – 2014 hab ich dieses Land so nicht mehr wiedergefunden. Natürlich geht die Entwicklung weiter und ich freue mich über die Vorteile des Tourismus für Island, sehe aber auch die Nachteile für den Tourismus. Wir haben die Ursprünglichkeit, die für uns den Reiz der Insel und der Isländer ausmacht, vermisst – eindeutig zu viele Touristen.
Demnach werden sich wohl die Touristen auch anpassen. Ich weiß nicht, ob ich noch mal wiederkomme – traurig – und behalte das Island von 2009 in meinem Herzen.

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Stefan April 1, 2015 at 12:50

Ich empfinde die Situation keineswegs kurios, dass sich Touristen über zuviele Touristen beschweren. Islands Ruf lebt von der grandiosen “unberührten” Landschaft. Wenn ich mich hinten anstellen muss um ein Foto machen zu können ist die Situation kurios!
Seit 1997 fahre ich regelmässig nach Island und ich muss mittlerweile schon sehr suchen, um meine Islandmomente zu finden: irgendwo “einsam” in einem Traum von Licht und Landschaft.
Februar 2004 war ich zum ersten Mal im Winter oben: Flüge gabs nicht an allen Wochentagen, der Flieger war halbleer und die Landschaft fast nur für mich alleine da…
…im Februar diesen Jahres gab es Flüge an allen Tagen, die Flieger waren voll und die Parkplätze der Sehenswürdigkeiten keineswegs mehr leer.
Andererseits waren damals viele der jetzt angesteuerten Unterkünfte im Winter geschlossen: es waren schlicht zu wenig Leute da!
Es gibt die schönen, ruhigen Flecken immer noch – sie sind seltener geworden und schwerer erreichbar. Im September 2014 bin ich mit einem Freund nordöstlich des Langisjór unterwegs gewesen – wir sahen stundenlang nix ausser Landschaft (und Wetter), erst abends in der Nähe von Landmannalaugar ist uns wieder der normale Touriwahnsinn begegnet. Das sind aber Gegenden in die sich der normale Touri kaum verirrt: kein Busverkehr und die Standardmiet-SUVs sind dafür auch nicht wirklich gut geeignet.
Ich werde wiederkommen, die Fähre im Juni ist längst bestellt. Aber – provokativ gesagt – bevor Island zum Mallorca des Nordens wird, verzichte ich dann lieber.

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Andreas April 1, 2015 at 13:29

Es ist immer ein Kompromiss. Tourismus ist eine gute und stabile Einnahmequlle, wenn man bekannt genug ist.
Doch mit dem Tourismus kommen auch Begehrlichkeiten und es gibt eine finanzielle Verschiebung, die neue Machtbereiche öffnet. Schnell steht der Tourist im Vordergrund und die Natur und die Bewahrung des Ursprünglichen tritt in den Hintergrund. Und genau an diesem Konflikt ist die Politik gefordert. Ich hoffe sehr, dass die Politiker und Bürger ebenso denken und handeln, um künftigen Problemen schon “heute” rechtzeitig vorzubeugen, muss gehandelt werden.
Ich denke nicht, dass die Umweltabgabe in diesem “Konflikt” hilft. Sie hilft aber die Einnahmen der Touristen besser in der Staatskasse zu bündeln. Und genau damit fangen aber auch die Behrlichkeiten an…

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Thomas April 10, 2015 at 11:59

Empfinde ich ähnlich, aber man kann ja niemand verwehren dort Urlaub zu machen. Und mit steigenden Besucherzahlen geht das ursprüngliche Flair immer weiter verloren. Solange es Island hilft und keine Zustände wie am Ballermann herrschen, bleibt die Insel aber ein einzigartiges Erlebnis. Mallorca war in den 50er Jahren ein ebensolcher “Geheimtipp” wie Island… hoffen wir das Beste. 🙁

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Jörg May 19, 2015 at 21:08

Dankenswerter Weise versammeln sich viele Touristen meist nur an den bekannten Stellen, wir waren 2013 im August im Hochland unterwegs, himmlische Ruhe. Anfang November letzten Jahres dann “Malle”, Port Sollier und ringsherum wandern, fast familiäre Verhältnisse im Hotel und dem Gebirge. Den GR 20 auf Korsika haben wir in zwei Raten im Frühjahr und im Herbst gemacht, außerhalb der wenigen Pässe (Bavella, Vizzavona ) sehr angenehm mit tollen Begegnungen. Die Kunst wird wohl sein, mit etwas Glück und Risiko (Wetter) die richtigen Lücken zu finden. Freuen uns schon diesen Sommer auf die Nordwestfjorde, da sollte Anfang August auch die Natur wieder vorherrschen, schaun mer mal.

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Alois Zirbes July 31, 2015 at 09:09

Klar, herrscht in der Hochsaison auf Island ein reger Andrang. Wir haben Island im Juli innerhalb von 3 Wochen einmal umrundet, d.h. 4200 Kilometer gefahren, und waren in fast jeder Ecke des Landes. Aber der Haupttouristenstrom wird zum golden circle, Jökulsarlon, Myvatn und in die Region Akureyri mit Walbeobachtung in Husavik geleitet. Und wenn mal ein Kreuzfahrschiff anlegt, dann ist es auch in Seydisfjördur voll. Aber wenn man in die West- und Ostfjorde fährt, dann ist man oft alleine und trifft fast nur auf Individualtouristen. Manchmal auch auf einen Rotel-Bus. Wir waren zum ersten Mal auf Island und haben natürlich keine Vergleichsmöglichkeiten wie es vor 15 Jahren dort war. Aber verglichen mit vielen anderen Reisezielen, findet man auf Island immer noch viele schöne Ecken, wo man bei himmlischer Ruhe und phantastischen Ausblicken super entspannen kann. Und hat man Island mal bereist, kann man sich eigentlich Ausflüge nach Norwegen, Irland und Schottland sparen, da Island diese Landschaftsbilder komplett bietet. Klar haben die Iren die schönsten Pubs, und die Schotten brennen den besten Whisky, aber von der Vielfalt der Landschaft ist Island das Schönste, was wir bisher in ganz Europa gesehen haben. Auch wenn es ein paar Euro mehr kostet. Das war es uns wert……..

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