Präsidentschaftswahlen [2.]

by Christian on 10 May, 2016

Die Ereignisse im Präsidentschaftswahlkampf geschehen gerade sehr schnell und beginnen ein wenig unübersichtlich zu werden. Der Reihe nach: Der amtierende isländische Präsident Ólafur Ragnar Grímsson hatte ja angekündigt, erneut zu kandidieren, weil das Land seiner Meinung nach in einer schwierigen Zeit sei und deshalb Stabilität wichtig sei.

Nach einem Fernsehauftritt zu möglichen off-shore Konten/Firmen seinerseits oder seiner Familie, in dem er eine Beteiligung strikt verneint hatte, ist er nun massiv unter Druck geraten, nachdem sich herausstellte, das seine Frau Dorit Moussaieff bzw. ihre Familie eben doch ein solches Konten/Firmengeflecht gehabt hat. Er selber beteuerte später, davon keine Kenntnis gehabt und außerdem die Frage der Reporterin diesbezüglich falsch verstanden zu haben.

Als nächster Kandidat hat dann der Historiker und Autor Guðni Th. Jóhann¬es¬son seine Kandidatur um das höchste isländische Staatsamt bekanntgegeben. Er gilt als ausgleichende Person der Mitte und betonte bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur, dass der Präsident ein „vereinigendes Symbol“ des Landes sein solle. In ersten Umfragen erreichte er Zustimmungswerte von 38%, während der Amtsinhaber auf 45% kam.

Zu einer Überraschung kam es dann am letzten Wochenende. Zu diesem Zeitpunkt kündigte der konservative Politiker, ehemalige Ministerpräsident, ehemalige Chef der Zentralbank und aktueller Ko-Editor des Morgunblaðið Davíð Oddsson seine Kandidatur um das Präsidentenamt an. Der Politiker, dem eine maßgebliche Rolle an der Finanzkrise von 2008 zugeschrieben wird, ist vorsichtig ausgedrückt ausgesprochen umstritten, ein Wahlsieg wäre für ihn keine sichere Sache.

Mit einer weitere Überraschung startete dann die aktuelle Woche, als der amtierende Präsident Ólafur Ragnar Grímsson seine Kandidatur zurückzog und erklärte, er werde sich zum Ende seiner aktuellen Amtszeit aus der Politik zurückziehen. Die Kandidatur zweier guter und aussichtsreicher Kandidaten hätten ihn dazu gebracht, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken.

Kommentatoren halten es dagegen für eher wahrscheinlich, dass Ólafur nach einem Weg gesucht hat, ohne Gesichtsverlust (und ohne verlorene Wahl) aus dem Rennen auszusteigen. Es wird vermutet, dass Davíð Oddsson zumindest einen Teil der Stimmen bekommt, die sonst an Ólafur gegangen wären. Wie sich die letzten Veränderungen im Kandidatenfeld auswirken, werden die nächsten Umfragen zeigen, über die ich auch berichten werde.

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