Vorhersage der Zugrichtung der Schwefeldioxidwolke

by Christian on 17 September, 2014

Die Holuhrauneruption spuckt immer noch grosse Mengen an Schwefeldioxid aus, pro Sekunde im Moment etwa eine Tonne, am Tag demzufolge über 85.000. Da das Gas je nach Windlage in Island für mehr oder weniger hohe Luftschmutzungen sorgt, die unter Umständen gesundheitsschädlich sein können (für Personen mit Atemwegserkrankungen oder auch bei lokal hohen Konzentrationen) hat der isländische Wetterdienst eine Seite eingerichtet, auf der es eine Vorhersage zu betroffenen Gebieten gibt. Diese ist hier zu finden. Nach der heutigen Vorhersage ist im wesentlichen das zentrale Hochland und der nördliche Rand betroffen, für morgen soll der Wind drehen und dann ist das südliche Hochland betroffen.

Das eine Region betroffen ist, muss nicht heissen, das die Konzentrationen gesundheitsschädliche Bereiche erreichen (besonders, wenn man weiter von der Ausbruchsstelle weg ist), aber ein wenig Vorsicht schadet sicher nicht.

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Vorhersagekarten zur Zugrichtung der Schwefeldioxidwolke in Island. Karte vom isländischen Wetterdienst, aktuelle Karte hier.

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Vulkane, nordische Mythologie und Schwefeldioxid

by Christian on 17 September, 2014

Der etwas merkwürdige Titel kommt durch die Sammlung mehrerer interessanter (externer) Artikel zustande, die sich bei mir in der letzten Zeit angesammelt haben. Sie sind alle mit Vulkanismus in Island verbunden und ich denke sie passen recht gut. Die Artikel sind allerdings alle auf englisch.

Der erste Artikel wurde von Alexandra Witze geschrieben, eine Wissenschaftsjournalistin, die unter anderem für das renommierte Magazin Nature arbeitet und die ein Buch über die Laki-Eruption geschrieben hat. Sie beschäftigt sich mit einem Ausbruch des Bárðarbunga im Jahr 870 zur Zeit der Besiedelung (der Landnahme) Islands. Ihre These ist, das dieser Vulkanausbruch und der damit verbundene temporäre Einfluß auf das Klima Islands einen Niederschlag in der nordischen Mythologie des Ragnarök gefunden haben. Der Artikel heisst “Bárðarbunga and the Winters of Winds, of the Sword, of the World“.

Ein weiterer Artikel (verlinkt im ersten) beschäftigt sich mit den Ängsten der Wikikinger vor Vulkanausbrüchen und welche Folgen das hatte. Er basiert auf der Doktorarbeit von Mathias Nordvig, einem Experten für Skandinavistik an der Universität von Aarhus in Dänemark. Er hält den Ausbruch der Eldgjá im Jahr 934 für entscheidend in ihrem Einfluß auf die nordische Mythologie. Der Artikel heisst: “Were the Vikings scared of volcanoes?

Und zu guter Letzt noch ein komplett anderes Thema, diesesmal geht es um die Schwefeldioxidemissionen der Holuhrauneruption. Hier beschreibt die ESA in einem kurzen Artikel, wie die Beobachtung der Wolke mit Hilfe von Satelliten geschieht um Vorhersagen treffen zu können. Der Artikel heisst “Bardarbunga belches

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Eruption und Erdbeben am Bárðarbunga

by Christian on 16 September, 2014

Heute vor einem Monat, am 16. August begannen die Vorzeichen für die vulkanische Aktivität am Bárðarbunga und nördlich davon mit einem Erdbebenschwarm. Die Erdbebenaktivität begann einigermassen unauffällig, steigerte sich in Spitzenzeiten gegen Ende August/Anfang September bis auf 1300 Erdbeben am Tag und liegt so um 250 Beben (die Beben der letzten 10 Tage finden sich hier). Insgesamt haben sich seit Mitte August in der Vatnajökullregion gut 20.000 Erdbeben ereignet, was sehr viel ist. Zum Vergleich: In “normalen” Jahren ohne Vulkanausbrüche ereignen sich um 12.000 Erdbeben in ganz Island im Jahr.

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Karte der manuell überprüften Erdbeben seit dem 16. August in Island. Karte vom isländischen Wetterdienst, aktuelle Version hier.

Von diesen Beben hatten 252 eine Stärke grösser als 3, 23 immerhin noch eine Stärke grösser als 5. Auf der Karte sieht man auch sehr schön, das sich die Beben auf zwei Regionen konzentrieren, zum einen auf die nach Nordosten reichende Magmaintrusion und zum anderen (ringförmig) auf die Caldera des Bárðarbunga.

Der Ausbruch im Holuhraun Lavafeld geht unterdessen weiter und die Geologen gehen auch davon aus, das das noch monatelang der Fall sein wird. Der Vulkanologe Armann Hoskuldsson wird heute in den isländischen Medien mit den Worten zitiert, das er davon ausgeht, das die Spalte an einer andere Stelle wieder aufbrechen würde, wenn sie jetzt ihre Aktivität einstellt.

Zum Abend noch ein Hinweis auf den Astrogeopodcast von Karl Urban (der ist auch sonst empfehlenswert). In seiner aktuellen Folge unterhält sich Karl mit dem Geophysiker Tobias Dürig von der Uni Würzburg über Vulkanismus in Island. Ich habe bisher zwar nur kurz reinhören können, was aber sehr interessant klang. Zu finden ist der Podcast hier.

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Quelle Gunnuvher auf Reykjanes aktiver

by Christian on 16 September, 2014

Island besteht nicht nur aus Vulkanen, daher gibts heute auch mal andere Nachrichten. Auf der Reykjaneshalbinsel nahe Reykjavik gibt es mehrere geothermale Quellen, die grösste (oder zumindest die aktivste) dürfte Gunnuhver sein. Sie hatte in den letzten Jahren deutlich verstärkt nachdem in der Nachbarschaft ein Geothermalkraftwerk in Betrieb gegangen war. Damals hatte ich aus diesem Anlaß schonmal hier darüber geschrieben).

Seit gestern ist die Quelle so aktiv, das sie Wasser und Schlammbrocken meterhoch in die Luft schleudert. Aus Sicherheitsgründen hat die Polizei den Zugang zur Beobachtungsplattform deshalb gesperrt.

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Entwicklung am Bárðarbunga [21.]

by Christian on 15 September, 2014

Auch heute nur ein kurzes Update, da nicht viel passiert ist. Die Eruption im Holuhraun Lavafeld hat seit gestern nicht weiter an Kraft verloren, allerdings läuft sie weiter auf etwas niedrigerem Niveau. Das führt dazu, das sie sich weiter in die Breite läuft und im Moment nicht genug Kraft hat, um weiter in die Jökulsá vorzudringen. Die Schwefeldioxidemissionen liegen zwar damit auch etwas niedriger, sie stellen allerdings immer noch ein Problem dar. Aufgrund der veränderten Windrichtung sind jetzt mehr die Regionen am Mývatn, Husavík und Kospasker betroffen. Dort empfahl der Wetterdienst die Werte genau zu beobachten und im Zweifel nicht ins Freie zu gehen. Der Wetterdienst hat jetzt auf seiner Webseite auch eine Vorhersage zur Zugrichtung der Emissionswolke.

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Absenkung des Calderabodens des Bárðarbunga. Der grün markierte Bereich zeigt die rapide Absenkung nach einem Erdbeben der Stärke 5.4. Graphik vom isländischen Wetterdienst/Universität von Island.

Im Bereich der Bárðarbunga ereignen sich nach wie vor starke Erdbeben, die mit dem absenken des Calderabodens in Zusammenhang gebracht werden. Da hier Gesteinsschichten aneinander vorbeigleiten müssen (der sich absenkende Calderaboden am festen Gestein vorbei) und diese Stellen nicht perfekt glatt sind, verhaken sich die Schichten. Wenn es dann zu einer grösseren Bewegung kommt, macht sich das auch in einem stärkeren Erdbeben (das stärkste heute hatte die Stärke 5.4) und gleichzeitig auch einer Absenkung. Das kann man gut heute für das Erdbeben gegen 09.04 (das erwähnte 5.4er) beobachten, nach dem sich der Calderaboden gleich um 0.5m absenkte. Die Stelle des Erdbebens und die nachfolgende Absenkung sind in der Graphik der Universität von Island grün markiert.

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Entwicklung am Bárðarbunga [20.]

by Christian on 14 September, 2014

Am heutigen 15. Tag der Eruption berichten die Geowissenschaftler vor Ort von einer leicht geringeren Eruptionsaktivität der Spalte, die im Moment nur im zentralen Bereich aktiv ist. Das äußert sich auch in einem geringeren Ausstoß von Schwefeldioxid.

Die Absenkung des Calderabodens des Bárðarbunga hingegen geht stark weiter. Aktuell ist die Tiefe des entstandenen Eiskraters gut 23m, alleine in den letzten 24h betrug sie bis zu 1m. Wen diese Daten interessieren, der kann sie live hier abrufen. Die untenstehende Graphik zeigt die Entwicklung der letzten 24 Stunden.

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Absenkung des Calderabodens des Bárðarbunga über die letzten 24h, aktuelle Version hier.

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Entwicklung am Bárðarbunga [19.]

by Christian on 13 September, 2014

Die Eruption ging heute in den 14. Tag (diese Eruptionsphase begann am 31. August) und es gibt keine Anzeichen, das sie bald aufhören wird. Mittlerweile sind gut 200 Mio Kubikmeter Lava ausgeworfen worden, diese bedecken gut 24,5 Quadratkilometer Land. Im Bereich der Spalte bilden sich jetzt auch richtig hohe Vulkankrater, der südlichste von ihnen, der unten im Bild zu sehen ist, ist mittlerweile gut 70m hoch (die Lava spritzt nochmal gut 30m höher). Die Eruption beginnt jetzt auch die Landschaft deutlich zu verändern. Setzt der Lavastrom seinen aktuellen Weg fort, wird er in den nächsten Tagen die Jökulsá á Fjöllum komplett blockieren (aktuell sucht sich der Fluss noch neue Wege neben der Lava) und aufstauen. Der sich bildende See wird dann solange ansteigen, bis er über den neuen Lavastrom hinwegfliessen kann. Dieser Prozess passiert in Island seit Urzeiten, die Geologen sind aber sehr erfreut dabei quasi in Echtzeit zusehen zu können.

Die Absenkung des Calderabodens der Bárðarbunga geht weiter, in den letzten 24h um mindestens 50cm. Diese Werte sind jetzt deutlich zuverlässiger, da Geologen ein GPS-Gerät auf dem Gletscher über dem Vulkan platziert haben.

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Foto veröffentlicht von der Universität von Island, Fotograf Johanne Schmith. Original hier.

Ebenso wie die Eruption geht auch die Freisetzung von Schwefeldioxid weiter, zur Zeit nach Angaben der Geologen der Universität von Island bis zu 750kg/sek. Aufgrund der Wetterlage führt das zeitweise zu Rekordwerten des Gases in Ostisland, so erreichte Reyðarfjörður gestern abend Spitzenwerte von fast 4000 Mikrogramm/Kubikmeter Luft, Egilsstaðir immerhin noch gut 650 Mikrogramm/Kubikmeter. Je nach Windlage sind diese Spitzenwerte auch schnell wieder vorbei, Leuten mit Atemwegserkrankungen wurde aber der Aufenthalt in geschlossenen Räumen empfohlen. Aktuelle Meßdaten finden sich hier, auf der Karte die passende Meßstation auswählen und auf “meira” klicken.

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Schwefeldioxidkonzentrationen in Ostisland. Daten von der isländischen Umweltbehörde.

Zum Schluß noch ein kurzer Zeitrafferfilm, der die Fortbewegung der vordersten Spitze des Lavafeldes zeigt. Zwar stark beschleunigt, aber auch real war die Lava mit 40-100 m/h recht schnell unterwegs.

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Ausbreitung der Schwefeldioxidwolke

by Christian on 13 September, 2014

Von der Schwefeldioxidwolke war in den letzten Tagen immer mal wieder die Rede. Heute wurde ein Kurzfilm veröffentlicht, der das Gas als weisse Wolke sichtbar zeigt. Er beruht auf Satellitenbildern des Wettersatelliten Meteosat.

Die Bilder zeigen auch, das die Belastung ausserhalb Islands zwar messbar (und in einigen Fällen auch zu riechen) ist, aber keine besonders hohen Konzentrationen herrschen.

Von der Eruption wurde ein weiteres kurzes Video veröffentlich, dieses Mal aufgenommen mit Hilfe einer Drone aus etwa 100m Flughöhe. Neben dem Eruptionskrater ist auch die Ausbreitung des Lavafeldes einigermassen zu erahnen.

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Entwicklung am Bárðarbunga [18.]

by Christian on 12 September, 2014

Auch heute gibt es nur relativ wenig zu berichten, da die Eruptionslage unverändert geblieben ist. Der Ausbruch ist unverändert relativ stark. Nach dem GPS Daten nimmt die Ausdehnung der Magmaintrusion zu, was darauf hindeutet das immer noch reichlich frische Magma nach oben drückt. Es kommt weiterhin zur Interaktion zwischen Lava und dem Wasser der Jökulsá, dazu hat heute die Univesität von Island ein interessantes Foto veröffentlicht:

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Foto veröffentlicht von der Universität von Island, Fotograf Finnur Pálsson. Original hier.

Man sieht schön, das die Jökulsá im Moment mehr oder weniger neben dem neuen Lavafeld entlangfliesst und nicht besonders viel Dampf entsteht. Wenn sie sich weiter in den Fluß schiebt, wird sich das aber möglicherweise noch ändern.

Weiterhin problematisch sind die hohen Mengen an Schwefeldioxid die durch die Eruption in die Umwelt gelangen. Hier ist durch die Windrichtung immer noch Ostisland stark betroffen.

Durch die konstante Eruption im Holuhraun Lavafeld hat sie die Magmaintrusion unterirdisch nicht mehr weiter nach Norden in Richtung der Askja ausgebreitet. Ein Ausbruch wird hier nicht mehr befürchtet, der Status der Askja ist deshalb von “gelb” auf “grün” verändert worden. Siehe auch die Vulkanstatuskarte.

Die isländische Regierung bereitet sich auf die Möglichkeit einer grösseren Eruption vor (auch wenn sie möglicherweise nicht kommt). Neben der Aufstellung von Krisenplänen (bzw. deren Aktualisieren und Anpassung), wurden heute die Frequenzen zweier Langwellenradiosender bekanntgegeben. Diese dienen der Versorgung mit Informationen, falls es aufgrund eines Vulkanausbruchs (oder eines damit verbundenen Gletscherlaufs) zur weiträumigen Stromausfällen kommt.

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Langwellensender in Island. Karte von RÚV.

Für die Abdeckung Islands benötigt man nur zwei Sender, was die Versorgung durch Notstrom erheblich einfacher macht. Gesendet würde auf 189 und 207 kHz. Nähere Informationen bei RÚV.

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Entwicklung am Bárðarbunga [17.]

by Christian on 11 September, 2014

Zur Eruption gibt es keine grossen, aber einige kleinere Nachrichten. Der Ausbruch geht aktuell weiter wie in den letzten Tagen, es ist allerdings nur noch ein einziger Krater wirklich aktiv. Auf die ausgestossene Lavamenge scheint sich das allerdings nicht auszuwirken. Wie auf der Karte über die Lavaausbreitung gut zu sehen ist, läuft die Hauptausbreitungsrichtung im Moment mehr oder weniger parallel zur Jökulsá á Fjöllum und nicht direkt in den Fluß hinein. Es kommt zwar immer wieder zur Interaktion zwischen Wasser und Lava, aber eine grosse Dammbildung gibt es bisher nicht.

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Karte veröffentlicht von der Universität von Island, Original hier.

Das könnte sich in den nächsten Tagen ändern, wenn die Lava den Fuß des Schildvulkans Vaðalda erreicht, von dem sie im Moment etwa 2km entfernt ist. Am Fuß des Vaðalda fliesst ein Fluss, der dann möglicherweise durch die Lava den Weg versperrt bekommt.

Die Erdbebentätigkeit hat weiterhin abgenommen und ist im Moment auf relativ niedrigem Niveau immer noch vorhanden. Ebenfalls vorhanden sind stärkere Beben im Bereich der Caldera des Bárðarbunga, die mit dem absinken des Calderabodens in Verbindung gebracht werden.

Die aus der Eruption freiwerdende Schwefeldioxid sorgt aufgrund der Windlage vor allem in Ostisland für eine relativ starke Luftverschmutzung. In Reydarfjörður war das gestern so schlimm. das die Umweltbehörde vom Aufenthalt im Freien abriet. Mit Höhenwinden werden die Gase auch nach Skandinavien und auf die britischen Inseln verblasen, so gibt es Berichte über Schwefelgeruch aus Norwegen, die auf die Eruption zurückgeführt werden. Details gibt es hier.

Zum Abschluß noch ein kurzes Video, was wieder einmal sehr nette Aufnahmen der Eruption zeigt.

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