Ende des Gletscherlaufs

by Christian on 7 October, 2015

Das aus dem Gletschersee abgelaufene Wasser ist mittlerweile im wesentlichen abgelaufen, hier noch einige Nachträge und Graphiken dazu. Der Vatnajökull hat sich über dem östlichen Gletschersee noch ein klein wenig weiter abgesenkt, allerdings hat sich die Geschwindigkeit doch stark verlangsamt. Mit der Zeit wird er sich hier wieder heben, bis der See erneut überläuft.

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Absenkung des Vatnajökull über dem östlichen Gletschersee, Graphik vom isländischen Wetterdienst.

Die maximal abgeflossene Wassermenge in der Skaftá wird von den Geologen mit etwa 3000 m³/sec angegeben, das ist der grösste bisher gemessene Gletscherlauf in diesem Fluss. Auf den Meßstationen sind die Stände niedriger, das liegt daran, das ein Teil des Wassers über andere Wege unter dem Gletscher hervorgekommen ist und erst später in den Fluss gekommen ist. An den Pegelständen sieht man aber auch sehr schön den Durchlauf der Flutwelle. Die Meßstation “Skaftá við Sveinstind” liegt dabei weiter stromaufwärts als die Station “Eldvatn við Ása”:

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Meßdaten der Station “Skaftá við Sveinstind”, Daten vom isländischen Wetterdienst.

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Meßdaten der Station “Eldvatn við Ása”, Daten vom isländischen Wetterdienst.

Der Gletscherlauf hat durchaus einiges an Schäden angerichtet, so berichten Bauern von überfluteten Felder und Wiesen, auch die Strassenbrücke am Eldvatn wurde möglicherweise beschädigt, als eine Böschung weggespült wurde. Hier gibt es dazu auch Fotos.

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Gletscherlauf verstärkt sich

by Christian on 1 October, 2015

Seit gestern hat sich der Vatnajökull über dem östlichen Gletschersee weiter abgesenkt, mittlerweile auf ca. 60m.

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Absenkung des Gletschers über dem östlichen See, Graphik vom isländischen Wetterdienst.

Das abfliessende Wasser verlässt mittlerweile auch den Gletscher und ist an der Meßstation “Skaftá við Sveinstind” angekommen. Hier hat die Wassertiefe auf über 5,50m zugenommen (von sonst ca. 2,30m), der Durchfluß hat sich auf über 1000 m³/sec erhöht (das ist gut das 10 fache des Normalwertes) und die Wassertemperatur ist deutlich abgesunken (mittlerweile nur noch gut 1,2°C statt 3,6°C). Geologen des isländischen Wetterdienstes erwarten ein anschwellen der Flut bis auf gut 2000 m³/sec und dadurch Überflutungen entlang des Flusses. Weitere Beeinträchtigungen werden aktuell nicht erwartet.

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Meßwerte der Station “Skaftá við Sveinstind”, Meßdaten vom isländischen Wetterdienst.

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Gletscherlauf am Vatnajökull

by Christian on 30 September, 2015

Am Vatnajökull kommt es wieder einmal zu einem Gletscherlauf, das ist der Ausbruch von Schmelzwasser unter dem Gletscher heraus in die ableitenden Flüsse. Erzeugt wird das Schmelzwasser durch die subglaziale geothermale Aktivität. Es sammelt sich normalerweise in zwei Seen unterhalb des Gletschers (einem östlichen und einem westlichen, siehe auch die Karte), die regelmässig überlaufen. Dann kommt es zu einem Abfluß des Schmelzwassers und die Flüsse unterhalb des Vatnajökull steigen stark an.

150930_CQJ8e5jWEAASMatKarte der Vatnajökullregion mit den beiden Schmelzwasserseen. Karte vom isländischen Wetterdienst.

Das ist an sich ein relativ ungefährliches Ereignis (in der Region wohnen keine Menschen und die Flutwelle ist in der Regel nicht so hoch wie nach dem Ausbruch des Grímsvötn 1996), Reisende sind aber trotzdem aufgefordert, sich nicht unnötig lange an den Flüssen Skaftá und Hverfisfljót sowie der Gletscherkante der Gletscher Skaftárjökull, Tungnárjökull und Síðujökull aufzuhalten. Hier kann es durch das Flutwasser zu erhöhten Schwefelwasserstoffkonzentrationen kommen. Das Gas ist in höheren Konzentrationen giftig.

150930_ska2_cauldron_gps_hlaup_klDiagram von der Bewegung des Gletschers über dem östlichen Schmelzwassersee. Original vom isländischen Wetterdienst.

Nach Angaben der Geologen des isländischen Wetterdienstes wird es noch ein wenig dauern, bis das Wasser die Gletscherkante erreicht. Erstaunt waren sie nur darüber, das sich der See so lange nicht entleert hat. Ob das mit reduzierter geothermaler Aktivität zusammenhängt oder ob es dafür andere Gründe gibt, ist nicht bekannt.

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10 Jahre Islandblog

by Christian on 24 September, 2015

Heute vor 10 Jahren habe ich aus einer Spielerei heraus die Blogsoftware auf meinem Webspace installiert und dann das erste Posting veröffentlicht. Anfangs habe ich dann noch zu verschiedenen Themen Beiträge veröffentlicht, das ganze dann aber irgendwann nur noch auf Island ausgerichtet. Je nach Themenlage und Zeit habe ich dann unterschiedlich viele Postings veröffentlicht, zeitweise (während der Vulkanausbrüche), war mein Blog doch eine wichtige Informationsquelle, da das Thema zumindest anfangs von den Medien ignoriert wurde.

Mittlerweile habe ich wohl das älteste deutschsprachige Islandblog (andere Blogs gab und gibt es immer, waren aber nicht so langlebig) und ich habe auch nicht vor das zu ändern. In diesem Sinne: Auf die nächsten 10 Jahre.

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Island qualifiziert sich für die Fußball-EM

by Christian on 17 September, 2015

Ein kurzer Nachtrag zum isländischen Fußball nach einer etwas längeren Sommerpause (keine Sorge, ich habe nicht vor, das Blog einzustellen, manchmal haben aber andere Dinge Vorrang): Island hat sich für die Fußball EM 2016 in Frankreich qualifiziert. Der Mannschaft reichte ein Punkt um sich als momentaner Gruppererster mit einem Unentschieden gegen Kasachstan für das Turnier zu qualifizieren. Es ist das erste Mal überhaupt, das eine isländische Mannschaft die Endrunde eines grossen Fußballturniers erreicht und es ist zudem bisher das kleinste Land, dem das gelungen ist.

Die Begeisterung für Mannschaft und Trainer kennt in Island wenig Grenzen, so titelte beispielsweise das Frettabladid auf seiner Titelseite: “Takk Lars” als Dank an den (schwedischen) Trainer Lars Lagerbäck.

150907-1Titelblatt des Frettabladid vom 07.09.2015.

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Erdbebenschwarm vor Reykjanes

by Christian on 1 July, 2015

Seit gestern gibt es vor der Reykjaneshalbinsel im Meer einen grösseren Erdbebenschwarm. Dieser ist für die Region nicht ungewöhnlich, verläuft hier doch die Bruchkante des mittelatlantischen Rückens auf Island zu. Nach Angaben des isländischen Wetterdienstes sind die Beben aber alle tektonischer Natur und werden nicht durch sich bewegende Magma verursacht. Aktuell wurden gut 460 Beben gemessen, davon 35 stärker als Magnitude 3, die stärksten bis zur Stufe 5. Diese waren im Raum Keflavik gut spürbar.

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Erdbebenkarte des Reykjanes Region. Karte vom isländischen Wetterdienst, aktuelle Version hier.

Auch wenn die Beben tektonisch sind, wurde trotzdem der Flugvekehrswarncode für die Insel Eldey (sie liegt gut 15km südwestlich von Reykjanes) wurde auf gelb – unsicher verändert. Unterseeische Vulkanausbrüche sind für die Region nichts ungewöhnliches, bekannte Ausbrüche ereigneten sich 1211, 1223, 1226, 1231, 1238, 1240, 1340, 1442, 1783, 1830, 1879, 1884 und 1926. Auch Eldey enstand 1211 auf diese Weise.

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Status der isländischen Vulkane, Karte vom isländischen Wetterdienst, aktuelle Version hier.

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Algenblüte im Nordatlantik

by Christian on 30 June, 2015

Auch im Nordatlantik wird es langsam wärmer und das führt in den Gewässern rund um Island dazu, das die Algen blühen. Das ist kein neues Phänomen (und ich hatte dazu auch schonmal ein Bild), interessant auf der Aufnahme von diesem Jahr ist aber, das die Meeresströmungen mit den Algen gut sichtbar sind. Foto von der NASA, Original (auch in hoher Auflösung) hier.

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Satellitenaufnahme von der Algenblüte um Island. Gut sichtbar sind die Meeresströmungen. Original von der NASA.

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3D Modell der Holuhrauneruption

by Christian on 20 May, 2015

Während das Eruptionsgebiet aufgrund seiner abgelegenen Lage und des Wetters nach wie vor schlecht zugänglich ist, haben Wissenschaftler der Universität von Island und Techniker der Firma Svarmi mehrere hundert mit einer Drohne aufgenommene Fotos verwendet, um ein möglichst detailliertes 3D-Modell des neues Lavagebiets zu erstellen.

Einen kleinen Eindruck gewinnt man im unten verlinkten Film, interessant ist hier, das man die Strukturen besser erkennt als auf Fotos, da hier das Licht quasi kontrolliert ist.

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Aus für den Naturpass

by Christian on 24 April, 2015

Der geplante Naturpass für Island wird nicht verwirklicht werden, das entsprechende Gesetz ist im Parlament gestoppt worden. Der Naturpass sollte eingeführt werden, um die Entwicklung und den Schutz isländischer Sehenswürdigkeiten schützen zu können und sollte für drei Jahre 1500 isländische Kronen (ungefähr 10 Euro) kosten.

Auch wenn das Vorhaben insgesamt positiv begrüsst worden war, gab es an der geplanten Umsetzung und den vielen offenen Fragen massive Kritik. So war unklar, wann und wo die Gebühr kassiert werden sollte und ob sie auch von Isländern gezahlt werden sollte. Ebenso war die Verteilung der Mittel und die Kontrolle des Naturpasses nicht wirklich exakt ausgearbeitet.

Es bleibt abzuwarten, ob das Aus der Pläne wieder dazu führt, das Landbesitzer in Island Kassenhäuschen an den Sehenswürdigkeiten auf ihrem Land aufstellen (das sollte durch den Naturpass verhindert werden) und wie eine von der Industrieministerin Ragnheiður Elín Árnadóttir in Aussicht gestellt andere Lösung zur Finanzierung dieser Pläne aussehen wird.

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Streiks in Island

by Christian on 20 April, 2015

Nachdem der Streik der Ärzte vor einiger Zeit beigelegt werden konnte, sind es jetzt die Mitglieder der “Vereinigung der Akademiker”, einem Dachverband 19 kleinerer Gewerkschaften, deren Mitglieder akademische Berufe haben, die streiken. In ihnen sind unter anderem Veterinäre, Naturwissenschaftler, Röntgen- und OP-Techniker oder Enährungswissenschaftler aber eben auch Teile der Finanzaufsicht des Staates organisiert.

Neben Gehaltserhöhungen ist die wichtigste Forderung die Anhebung des Mindestlohns für Gewerkschaftsmitglieder auf mindestens 300.000 Kronen pro Monat (das sind etwa 2000 Euro) bis zum Jahr 2017, aktuell liegt er bei 214.000 Kronen. Gerade diese Forderung ist umstritten (weil sie den Staat relativ viel Geld kostet), allerdings reicht der Mindestlohn nach den Preissteigerungen der letzten Jahre (gerade auf dem Wohnungsmarkt) eigentlich kaum mehr aus, um davon halbwegs vernünftig leben zu können.

Aktuell streikt nur eine relativ kleine Anzahl an Gewerkschaftsmitglieder, da diese aber bestimmte Schlüsselpositionen besetzen, sind die Auswirkungen trotzdem gut spürbar. So führt der Streik derVeterinäre dazu, das keine Tiere mehr geschlachtet werden dürfen (da das Fleisch entsprechend begutachtet werden muss), so das es vermutlich bereits diese Woche zu Engpässen in der Versorgung kommen wird. Auch im Krankenhaus sind alle nicht dringend notwendigen Operationen abgesagt worden, da notwendiges Personal nicht verfügbar ist. Wie sich hier die Situation entwickelt ist unklar, allerdings treffen sich die Verhandlungsparteien bereits heute zu weiteren Verhandlungen.

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