Der amtierende isländische Präsident Ólafur Ragnar Grímsson hat angekündigt, sich bei den Präsidentschaftswahlen im Sommer ein fünftes Mal zur Wahl stellen zu wollen. Er fügte allerdings hinzu, das er die Amtszeit möglicherweise nicht voll wahrnehmen wolle, so er denn gewählt würde.
Diese Äußerung klären ein längeres Rätselraten um seine mögliche Kandidatur. Ólafur Ragnar Grímsson hatte in früheren Interviews betont, das er gerne mehr persönliche Freiheiten hätte, sich um Dinge zu kümmern, die ihm persönlich am Herzen liegen. Auch wenn es keine direkte Absage an eine erneute Kandidatur war, wurde es in diese Richtung gedeutet.
Nach seiner Aussage hatte er bereits die Absicht, mit dem Ende dieser Amtsperiode (der vierten) aufzuhören, sei dann aber von der starken Zustimmung aus der Bevölkerung umgestimmt worden, erneut zu kandidieren. Diese Zustimmung beruht in guten Teilen auf einer Petition, die 30.000 Unterschriften gesammelt hat.
Kritiker bezeichneten dieses Manöver überwiegend als Stimmungstest um herauszufinden, ob Ólafur Ragnar Grímsson überhaupt noch eine ausreichend grosse Anzahl an Stimmen bekommen würde. Speziell die Petition wird in diesem Zusammenhang kritisiert, da diese lediglich online abgelaufen ist und dort jeder ohne weitere Prüfung eingetragen werden konnte.
Trotz dieser Kritikpunkte wird Ólafur Ragnar Grímsson vermutlich wiedergewählt werden, da keine ernstzunehmenden Kandidaten gegen ihn antreten werden – eine Reihe davon haben bereits abgewunken.
Das Verfahren gegen den ehemaligen isländischen Regierungschef Geir Haarde kann heute weitergehen. In dem Verfahren geht es um das Verhalten des Regierungschefs im Zusammenhang mit der Finanzkrise im Herbst 2008 – ihm wird hier ungenügende Amtsführung vorgeworfen. Das Verfahren ist nicht unumstritten, da eine Anklage gegen weitere führende Mitglieder der ehemaligen Regierung abgelehnt wurde.
Die konservative Unabhängigkeitspartei hat so im letzten Herbst einen Antrag in das isländische Parlament eingebracht, das Verfahren zu beenden. Über diesen Antrag wurde nun abgestimmt – mit 33 Stimmen für die Fortsetzung, 27 dagegen, bei 1 Enthaltung und zwei abwesenden Parlamentariern.
Der Vorsitzende der Konservativen, Bjarni Benediktsson, der auch den Antrag eingebracht hatte, sagte hinterher der Presse, das er das Ergebnis nicht als persönliche Niederlage, sondern als “Niederlage für den Anklagebehörde und den Respekt vor den Menschenrechten” sieht. Es gibt allerdings auch Stimmen in Island, die die Konservativen, die maßgeblich für den neoliberalen Wirtschaftskurs verantwortlich sind, der später in die Krise führte, mit einem Ende des Verfahrens verhindern wollten, das Akten über ihre Regierungsführung an die Öffentlichkeit kommen.
Nachtrag: Im britischen Guardian ist dazu ein interessanter Artikel von Alda Sigmundsdóttir erschienen, der die Bedeutung des Verfahrens für die Isländer darlegt.
Der kanadische Botschafter in Island hat bestätigt, das die Zentralbank Kanadas bereit ist, mit Island Verhandlungen über die Annahme des kanadischen Dollars als Währung zu führen. Gerüchte dazu gibt es schon seit dem Sommer 2011, als damals kanadische Vertreter in Island eingetroffen seien, um diese Idee ernsthaft zu diskutieren.
Bei den Vertretern der Fortschrittspartei ist dieses Gerücht damals begrüsst worden, sehr viel mehr öffentliche Unterstützung gab es damals aber nicht. Anfang 2011 hatten sich Vertreter der isländischen und der kanadischen Zentralbank getroffen, um informelle Gespräche über dieses Thema zu führen.
Die Thematik der Annahme des kanadischen Dollars scheint sich jetzt aus dem Bereich der Gerüchte herauszubewegen, nachdem der kanadische Botschafter in Island, Alan Bones, die Gesprächsbereitschaft der Zentralbank seines Landes offiziell bestätigte. Demnach ist Kanada bereit Verhandlungen zu führen und betrachtet diese Angelegenheit wohlwollend.
Forderungen nach der Aufgabe der isländischen Krone als Zahlungsmittel im Land gibt es seit der Finanzkrise immer mal wieder, hauptsächlich kommen diese aus der Wirtschaft. Das Hauptproblem Islands mit seiner Währung ist, das das Land eigentlich nicht gross genug ist um eine stabile Währung zu garantieren – der aktuelle Wechselkurs wird immer noch durch eine massive Abschottung des isländischen Finanzmarktes erreicht.
Besonders Währungsspekulanten können hier ein Problem sein, die auch erheblich grössere Währungen schon zum Absturz gebracht haben. Bisher wurde in diesem Zusammenhang allerdings eher über eine Annahme des Euro spekuliert, da Island Europa wirtschaftlich näher steht. Was nun wirklich kommt, werden wir sehen müssen.
In der letzten Nacht ist Island wieder von zahlreichen, teilweise gut spürbaren Erdbeben erschüttert worden. Den Anfang machte gestern das südliche Ende der Tjörnesteilungszone (Tjörnes Facture Zone) in Nordisland. Dort ereigneten sich gegen 22 Uhr zwei Beben der Stärke 3.4 und 3.1, sowie weitere, schwächere Beben.
Erdbeben in der Tjörneszone.
Noch stärker waren die drei Erdbeben die gegen 0.29h, 01.03h und 01.04h den Südwesten Islands erschütterten. Die Beben, die ihr Epizentrum unterhalb des Helgafell in der Nähe von Hafnarfjördur hatten, wurden mit 3.6, 4.2 und 3.1 gemessen und waren bis nach Reykjavik, Selfoss, Hveragerði und Akranes gut spürbar.
Nach Aussage der zuständigen Geologen handelt es sich um tektonische Erdbeben, die durch Bewegungen der Erdplatten hervorgerufen würden. Das Zusammentreffen der Beben in Nord- und Südisland ist ihren Aussagen zufolge zufällig.
In Island kommt langsam auch die strafrechtliche Aufarbeitung der Wirtschaftskrise von 2008 voran. Der oberste Gerichtshof Islands hat jetzt die Strafe wegen Insiderhandels gegen einen früheren Angestellten des Finanzminsteriums bestätigt.
Der Abteilungsleiter im Finanzministerium Baldur Guðlaugsson war vom Reykjaviker Bezirksgericht 2011 wegen Insiderhandels zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Dabei ging es um den Zugang zu Informationen, die er aufgrund seiner Position im Ministerium erhalten hatte, die der allgemeinen Öffentlichkeit aber nicht zur Verfügung standen.
Konkret hatte Baldur Guðlaugsson am 02. September 2008 an einer Sitzung im britischen Finanzministerium teilgenommen, wo der Stand der Icesaveanlagen und mögliche Folgen daraus diskutiert worden. Am 17. und 18. September verkaufte er dann seine Anteile an der Landsbank für 192 Millionen Kronen. Dieser Schritt zog nach dem Crash sehr schnell Aufmerksamkeit auf sich, eine Untersuchung wurde eingeleitet, das Geld zunächst gesperrt.
Mit dem Urteil des obersten Gerichts wird Baldur Guðlaugsson nun als erster Isländer wegen Insiderhandels eine Gefängnisstrafe antreten müssen, zudem wurde der Erlös aus dem Geschäft beschlagnahmt.
Island sieht nicht vom Boden aus spannend aus, wer schonmal drüber weggeflogen ist, weiss, das auch die Blick aus der Luft neue und spannende Perspektiven bietet.
In die Luft gegangen ist auch der italienische Fotograf Sandro Santioli und er hat dabei phantastische Bilder mitgebracht. Einige davon gibt es bei der Huffington Post zu sehen.
Island ist wieder einmal hochgestuft worden – diesesmal von der Ratingagentur Fitch. Die Bewertung für langfristige Anleihen wurde von BB+ auf BBB- angehoben, die für kurzfristige Anleihen von B nach F3 (eine Übersicht über die Ratingstufen findet sich hier).
Diese Entscheidung ist bedeutsamer, als es zunächst erscheint, da isländische Staatsanleihen damit aus dem Bewertungsbereich hochspekulativer (“junk investment grade”) in den Bereich der sicheren (“investment grade”) hochgestuft werden. Nur Anleihen dieser Stufe dürfen von bestimmten langfristigen Anlegern wie Pensionsfonds erworben werden, was es möglicherweise für Island leichter macht, sich Geld zu leihen.
In einer Stellungnahme teilte Fitch mit, das die Isländer den Rettungsplan des IWF erfolgreich abgeschlossen hätten und sich das Land so seinen Zugang zu den internationalen Finanzmärkten wieder geöffnet hätte. Die ökonomische Erholung des Landes sei auf dem Weg und die Neustrukturierung des Finanzsektors erfolgreich.
Vor einigen Tagen hat die NASA eine neue Version des Bildes “The blue marble” (die blaue Kugel) veröffentlicht – sie zeigt ein aus Satellitenaufnahmen zusammengesetztes Bild der gesamten Erde. So eindrucksvoll diese Bilder in der Regel sind, der Nachteil ist, das sie auf die Mitte der Kugel zentriert sind und daher Island schlecht oder gar nicht zu sehen sind.
Es gibt allerdings ein Bild der Erdkugel auf dem man Island ziemlich gut erkennen kann. Veröffentlicht im Jahre 2007, sieht man Island unter leichten Wolken neben Grönland liegen. Am rechten Rand in Europa erkennt man bereits die Lichter der Städte. Das Bild stammt aus dem Flickrstream der NASA, steht unter einer freien Lizenz und ist dort auch in hoher Auflösung verfügbar. Auch sonst lohnt mal ein ausgiebiger Blick in diesen Flickrstream, dort gibt es noch mehr interessante Fotos.
Bilder von der Lichtinstallation von Marcos Zotes am letzten Wochenende hatte ich ja schon gezeigt. Ich habe bei der Gelegenheit aber sehr viel mehr Fotos aufgenommen und sie in ein Zeitraffervideo montiert. So kann man auch die Bewegungen der Projektion auf der Kirche sehen – allerdings deutlich schneller, als sie in Wirklichkeit waren.
Bei Youtube gibt es das Video auch noch in höherer Auflösung zu sehen.
In der letzten Zeit haben sich bei mir einige Artikel angesammelt, die sich mit der Bankenkrise und deren Folgen für Island und der Icesavekrise beschäftigen. Da ich im Moment nicht dazu komme, das in einen vernünftigen Artikel zu packen, hier mal die Links zu den einzelnen Artikeln, wer sich dafür interessiert, sollte da mal vorbeischauen.