Entwicklung am Bárðarbunga [35.]

by Christian on 19 December, 2014

Mal wieder ein kurzes Update von der Lage nördlich des Vatnajökull. Die Region ist fest im Griff des Winters, was die Feldarbeit der Geologen am Lavefeld zur Zeit unmöglich macht. Beobachtungen sind heutzutage aber auch aus der Ferne möglich und aus denen schliessen die Wissenschaftler, das die Eruption weiterhin ungebremst Lava ausspuckt. Wie lange das ganze noch gehen wird, darüber wagt mittlerweile niemand mehr eine Prognose, da die bisherige Dauer und das stabile Verhalten der Eruption alle Fachleute überrascht hat.

Nach neuesten Satellitenbildern ist die Größe des Lavafeldes auf knapp 80 Quadratkilometer angewachsen. Auf dem Bild ist gut zu sehen, das sich die Lava im Moment praktisch nur nach Norden ausbreitet. Zusätzlich ist die “kleine Insel” im Nordwesten des Feldes, die bisher freigeblieben war, auch mit frischer Lava gefüllt.

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Ausbreitung des Nornahraunlavafeldes, Bild vom isländischen Wetterdienst.

Spass hatten die Geowissenschaftler offensichtlich auch bei der Weihnachtsfeier beim isländischen Wetterdienst. Jón Frímann Jónsson veröffentlichte das Bild, das die Kuchen der Feier zeigt. Die beiden Schokoladenkuchen sind Lavafeldkuchen mit passender Dekoration, der weisse in der Mitte stellt den Vatnajökull mit der Einsinkung über der Caldera des Bárðarbunga dar. Die farbigen Zonen stellen die unterschiedlichen Tiefenlinien dar.

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Weihnachtsfeier der isländischen Geologen mit Lavafeldkuchen. Foto von Jón Frímann Jónsson.

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Naturpass Island

by Christian on 13 December, 2014

Nachdem es über den Sommer reichlich Streit in Island über die Einführung von Eintrittsgebühren gab und die Regierung bereits im Frühjahr die Einführung eines “Naturpasses” ab dem 01. Januar 2015 angekündigt hatte, ist erstmal relativ wenig passiert. Bis dann Anfang Dezember doch noch mal Schwung in die Sache kam und die isländische Industrieministerin Ragnheiður Elín Árnadóttir den Plan (der dann vom Parlament beschlossen werden soll) vorstellte.

Er enthält die folgenden Punkte:

  • Jeder der die isländische Natur besuchen will (das ist etwas schwammig, weil bisher nicht definiert ist, was darunter fällt) und über 18 Jahre alt ist, muss zukünftig einen Naturpass für 1500 ISK (etwa 10 Euro) kaufen. Der Pass soll für drei Jahre gültig und nicht übertragbar sein.
  • Diese Maßnahme betrifft Isländer und Touristen gleichermassen und soll für gut 90% der Touristenattraktionen in Island gelten (so die Aussage der Ministerin). Privatpersonen können am Naturpass beteiligt werden (müssen aber nicht). Auch wenn angeblich nur 10% der Touristenattraktionen in privater Hand sind, können das schon einige sein, wie das Beispiel mit dem Jökulsárlon zeigt.
  • Die erwarteten Einnahmen von 4.5-5 Mrd ISK (etwa 30 Mio Euro) sollen in die Verbesserung der Infrastruktur, in die Sicherheit der Touristen und zu einem erheblichen Teil auch dem isländischen Rettungsdienst zugute kommen.
  • Die Maßnahme soll natürlich kontrolliert werden, Personen, die ohne Naturpass erwischt werden, sollen eine Strafe von 15.000 ISK (etwa 100 Euro) zahlen.

Der Start am 01. Januar 2015 ist jetzt natürlich nicht mehr zu halten, angepeilt wird jetzt, die Gebühren ab September 2015 zu erheben.

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Entwicklung des Lavafeldes

by Christian on 12 December, 2014

Auch weiterhin breitet sich das Lavafeld weiter aus, die aktuelle Abschätzung der Fläche geht von etwa 77,5 Quadratkilometern für das neue Lavafeld aus. Vergrössern tut sich das Feld im Norden und Süden, wobei es besonders im Norden immer wieder an unterschiedlichen Stellen unter der etwas älteren Lava hervorbricht. Das ist gut auf dem aktuellen Infrarotsatellitenbild von Landsat 8 zu sehen.

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Satellitenbild des Eruptionsgebietes. Bild von NASA und der Universität von Island.

Bezüglich der der freigesetzten Lavamenge ist man sich nicht ganz so sicher, das man hier auf Schätzungen angewiesen ist. Als relativ sicher gilt, das meht als 1 Kubikkilometer Lava freigesetzt wurde, die Schätzungen gehen aber bis zu 1.2 oder 1.3 Kubikkilometer. Das ist schon ziemlich viel Material, verglichen mit zwei anderen isländischen Eruptionen (Laki und Eldgjá) ist es aber immer noch wenig.

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Vergleich der Eruptionsmengen der Laki, Eldgjá und Nornahrauneruptionen. Bild von der Universität von Island.

Interessant ist auch die Ausbreitung der Lava. Sie verläuft in mehreren Phasen und ging zunächst überwiegend in nordöstlicher Richtung, später wuchs das Lavafeld dann in die Breite.

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Ausbreitung des Nornahraunlavafeldes, Bild von der Universität von Island.

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Gletscherlagune Jökulsárlon zu verkaufen

by Christian on 10 December, 2014

Das Land östlich der Gletscherlagune Jökulsárlon, das vielen Reisenden wohlbekannt ist (hier steht auch das Cafe) soll am 04. März 2015 versteigert werden. Darüber berichten isländische Medien (beispielsweise hier) und auch die Facebookseite der Gletscherlagune beschreibt es als “großartige Geschäftsgelegenheit“.

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Die aktuellen Landeigentümer (das in Privatbesitz ist, wie viele Teile Islands) haben es nicht geschafft, sich über eine Regelung oder Teilung zu einigen, so das es jetzt zum Verkauf kommen wird. Exakte Preise wurden bisher nicht genannt, aber Schätzungen liegen zwischen 800 Mio und 1,2 Mrd isländischen Kronen (ungefähr 5-8 Mio Euro).

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100 Tage Holuhrauneruption

by Christian on 9 December, 2014

Am heutigen Dienstag dauert die Holuhraun (oder auch Nornahraun) Eruption 100 Tage. Veränderungen gibt es weiterhin keine, die Ergebnisse des letzten Treffens der Vulkankrisengruppe finden sich hier. Das Lavafeld wächst weiter in nördlicher und südlicher Richtung, und der scheinbare Ausbruch einer neuen Spalte scheint tatsächlich nur ein neuer Weg gewesen zu sein, den sich die Lava gesucht hat und die vom Hauptkrater ausgeht. Die von der frischen Lava bedeckte Fläche beträgt im Moment etwa eine Fläche von 76,2 Quadratkilometern.

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Karte des neuen Lavafeldes, Original von der Universität von Island.

Dann gibt es wieder einmal ein neues Video des Lavasees und der Lavaströme, das ist wie immer faszinierend anzusehen.

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neue Ausbruchsspalte im Nornahraunlavafeld

by Christian on 2 December, 2014

Am Nordrand des neuen Lavafeldes hat sich vermutlich bereits am Sonntag dem 30.11.2014 eine weitere Eruptionsspalte geöffnet (in den Kommentaren kam dazu ja bereits gestern eine Frage). Ein Infrarotbild des Satelliten EO-1 vom 01.12. brachte jetzt Gewissheit. Es zeigt sehr schön die neue Spalte (und auch die etwas ältere Eruptionsspalte). Wie sich die Eruption weiter entwickeln wird, ist unklar und es sind, wie sich jetzt zeigt, auch durchaus Überraschungen möglich.

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Thermalbild der Nornahrauneruption. Bild aufgenommen am 01.12.2014, Bildquelle: NASA und Universität von Island.

Ein weiteres Bild wurde am heutigen 02.12. vom Satelliten Landsat 8 aufgenommen, auch hier ist der neue, weiter nördlich gelegene Ausbruchsort zu sehen.

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Bild der Nornahrauneruption, Bild von Landsat 8. Bildquelle: NASA und Universität von Island.

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Entwicklung am Bárðarbunga [34.]

by Christian on 1 December, 2014

Die Nornahrauneruption (meinetwegen auch Holuhrauneruption) läuft stark weiter, pro Sekunde werden bis zu 130 Kubikmeter Lava freigesetzt. Das Lavafeld hat mittlerweile eine Ausdehnung von über 75 Quadratkilometern. Ob und wann diese Eruption enden wird, ist aktuell völlig unklar.

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Ausbreitungskarte der Nornahrauneruption vom 30.11.2014, Original von der Universität von Island.

Was man auf der Karte schön sieht, ist das die Ausbreitung im wesentlichen nach Süden erfolgt und sich dieLava in die im Winter wenig Wasser führende Jökulsá á Fjöllum ausbreitet.

An der Bárðarbunga geht die Absenkung weiter, wie die untenstehende Graphik der isländischen Geologen zeigt. Interessant zu sehen ist, das die Absenkung des Calderabodens nicht gleichmässig erfolgt, sondern im Norden der Caldera stärker ist. Hier waren in den letzten Wochen auch die Erdbeben konzentriert.

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Absenkung des Gletschers über der Bárðarbungacaldera. Graphik von der Universität von Island, Original hier.

Für weitere Probleme (allerdings nur für die Wissenschaftler) sorgt aktuell das Wetter. So hat am Wochenende ein starker Sturm die Messung kleiner Erdbeben (die gehen quasi im Lärm unter) unmöglich gemacht. Und auch die Messung der emittierten Schwefeldioxidmessungen aus grösserer Entfernung ist durch die kurze Taglänge erschwert. Für die Messung wird UV-Licht (als Anteil am normalen Licht) benötigt, was im Moment nicht in grossen Mengen zur Verfügung steht, da es zu früh dunkel wird.

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Entwicklung am Bárðarbunga [33.]

by Christian on 24 November, 2014

Ein kurzes Update zur Aktivität am Bárðarbunga, kurz zusammengefasst: Es gibt keine wesentlichen Veränderungen. Die Menge an ausgeworfener Lava und emitiertem Schwefeldioxid schwankt über den Tag, die Spalteneruption ist aber weiterhin sehr aktiv, nach Angaben des Universität von Island beträgt die Größe des Lavafeldes mittlerweile etwa 72,5 Quadratkilometer.

Auch am Bárðarbunga selber ist die Aktivität weiterhin vorhanden, es kommt auch immer noch zu stärkeren Erdbeben. Das stärkste heute morgen wurde mit Stärke 5.4 gemessen und was nach Medienberichten in Akureyri gut spürbar.

Zunehmend Sorge bereitet den isländischen Wissenschaftlern die nach wie vor hohe Schwefeldioxidbelastung. Sie sorgt für sauren Schnee und Regen und könnte bei einer längeren Einwirkdauer auch die empfindliche isländische Pflanzenwelt schädigen. Auch die Langzeitwirkungen auf Mensch und Tiert sind unbekannt.

Zum Abschluß noch neue Bilder von einem Rundflug über dem Vulkan, die weiterhin ausgesprochen faszinierend sind.

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Schlammgeysir auf Reykjanes

by Christian on 17 November, 2014

Das Aktivität der heissen Quelle Gunnuhver auf Reykjanes hat sich in den letzten Monaten erheblich erhöht. Mittlerweile hat sich dort ein Schlammgeysir gebildet, der regelmässig ausbricht und den Schlamm bis zu 20m hochspritzt.

Nach Angabe der Geologin Auður Agla Óladóttir sind solche Schlammquellen sehr selten und üblicherweise auch kurzlebig. Als Grund für die Veränderung der Quelle gilt eine Erdbebenserie, die im Untergrund Veränderungen ausgelöst hat, weshalb sich der heisse Dampf neue Wege an die Oberfläche suchen musste. Die aktuelle Veränderung der Aktivität wird nicht mit dem Geothermalkraftwerk in der Umgebung der Quelle in Verbindung gebracht.

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Die Veränderung des Mýrdalsjökull

by Christian on 14 November, 2014

Gletscherschmelze ist auch in Island ein Thema, wer über mehrere Jahre aufmerksam das Land besucht hat, dem wird aufgefallen sein, das sich die Gletscher zurückziehen und abschmelzen. Gut sichtbar ist das auf Satellitenbildern, hier zwei Bilder des NASA Earth Observatory. Sie zeigen den Mýrdalsjökull (unweit Vík í Mýrdal) einmal im September 1986 und einmal im September 2014. Die Bewegung des Schiebers zeigt die Veränderungen des Gletscher über die Jahre, ist der Schieber ganz links, zeigt sich das Bild des Jahres 2014, ist er ganz rechts, das des Jahres 1986.

Bild von der NASA, das Original und höher aufgelöste Versionen der Bilder sind hier zu finden.

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