Keine Erweiterung des Aluminiumwerks

by Christian on 3 April, 2007

Wer schon einmal in Island war, dem dürften auf dem Weg vom Flughafen in Keflavik nach Reykjavik in Hafnafjördur die rot-weiß gestrichenen Lagertanks und die langen Hallen des Aluminiumwerkes aufgefallen sein. Dort wird australisches Bauxit (Aluminiumerz) mit Hilfe des billigen isländischen Stromes zu Aluminium verhüttet.

Nun gab es Pläne der Betreiber dieser Fabrik diese so zu vergössern, das die Kapazität von 180.000 Tonnen/Jahr auf nahezu 480.000 Tonnen/Jahr erhöht werden sollte. Dieser Plan war allerdings nicht unumstritten, da sowohl eine erheblich höhere Staubbelastung der Umgebung (auch Reykjavik wäre wohl betroffen gewesen) befürchtet wurde, ausserdem hätte der deutlich höhere Strombedarf weitere Stauprojekte erfordert. Planungen dazu gab es bereits für die þjórsá in Südisland.

Bevor es aber die Erweiterung stattfinden konnte, mussten die Einwohner Hafnafördurs darüber abstimmen, ob sie diese Erweiterung überhaupt wollen. Für diese Wahl wurden dann alle Register der PR gezogen, Alcan (der Betreiber der Fabrik) richtete ein Informationszentrum ein, engagierte sich mit Spenden lokal, schickte Briefe an alle Haushalte im Wahlbezirk und drohte nicht zuletzt damit, das im Falle eines negativen Ausganges das Werk geschlossen würde.

Auf der anderen Seite stand die Organisation „Sól í straumi“, in der sich die Gegner dieser Erweiterung organisierten. Diese waren mit erheblich geringeren Mitteln ausgestattet, nichtsdestoweniger waren auch sie im Vorfeld dieser Entscheidung sehr präsent – das ganze glich dem Kampf David gegen Goliath.

Letzten Samstag wurde nun gewählt und es kam auch zu einer Entscheidung. Diese fiel denkbar knapp aus – 50,3% stimmten mit Nein, 49,7% mit Ja. In Zahlen heisst das, das 88 Wähler mehr mit Nein stimmten…damit ist die Erweiterung also abgelehnt.

Bei Alcan und auch einigen Politikern sorgte diese Entscheidung für Enttäuschung, bei der Gegenseite verständlicherweise für Freude. Und es gibt auch schlechte Verlierer, der Handels- und Industrieminister verkündete bereits, das diese Entscheidung nicht bindend sei. Diese Auffassung sorgte allerdings beim Bürgermeister von Hafnafjördur und auch beim lokalen Vorsitzenden der Unabhängigkeitspartei (der auch der Minister angehört) für Erstaunen und veranlasste den Bürgermeister zu der Äußerung, das er erwartet hätte, das der Minister die Gesetze besser kennen würde. Im Vorfeld der Wahl wäre allen Seiten klar gewesen, das dieses Ergebnis bindend sein würde und das sei auch von allen Seiten so akzeptiert worden.

Wer dazu mehr lesen mag, kann sich im Icelandweatherreport diesen Beitrag zum Wahlkampf und diesen hier zum Ausgang durchlesen – beide sind allerdings auf Englisch.

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