Vermisst in Island

by Christian on 23 August, 2007

Aktuell werden in Island zwei junge Deutsche Touristen vermisst. Die beiden planten Ende Juli am Gletscher Vatnajökull wandern zu gehen, nachdem sie am 17. August ihren Rückflug nicht antraten, wurden die Behörden informiert. Da leider völlig unbekannt ist, wo sie sich genau aufgehalten haben, ist das Suchgebiet, das die Rettungsmannschaften mit Unterstützung eines Hubschraubers der Küstenwache durchkämmen ca. 70 km² gross und es ist nicht einmal sicher, das es das richtige ist. Konzentriert wird die Suche auf den Bereich des Skaftafellnationalparkes, wo das Handy eines der beiden Vermissten zuletzt Netzkontakt hatte. Zu befürchten ist aber leider, das diese Suche kein gutes Ende nehmen wird.

Eine der wichtigsten Regeln für Wanderungen, die über einen kurzen Ausflug hinausgehen ist, seine Route bekanntzugeben (z.B. bei Hütten vorher klar angeben, wann man plant aufzubrechen und wann man eintreffen will) damit man im Ernstfall bereits kurzfristig vermisst und gesucht werden kann. Diese Maßnahme wird auch für vielbegangene Wege wie den Laugarvegur empfohlen, da es auch dort zu Wetterstürzen kommen kann (Ende Juni 2004 ist dort ein amerikanischer Wanderer gut 5km von der nächsten Hütte erforen). Und auch ausreichende Vorbereitung, gutes Ausrüstung und Kartenmaterial sind vonnöten, Island ist, auch wenn es auf den ersten Blick häufig nicht so wirkt, ein Land, was durchaus sehr gefährlich werden kann.

Nachtrag: Gestern sind die Zelte der beiden Vermissten vom Hubschrauber aus am Svinafellsjökull (das ist im Skaftafellnationalpark) entdeckt worden, an Ausrüstung fehlte nur die Kletterausrüstung. Es wird vermutet, das die beiden zu einer Tour auf den Gletscher aufgebrochen sind, Gewissheit gibt es darüber aber nicht.

Die Suche soll jetzt von erfahrenen Bergsteigern und mit Suchhunden in den Spalten des Gletschers fortgesetzt werden, diese Gegend gilt im Sommer als schwierig zu überqueren und durch die Spalten als gefährlich.

2. Nachtrag: Die Suche ist jetzt eingestellt worden, da es nach dem Fund von Ausrüstungsgegenständen (und einer weiteren gründlichen Suche in der betreffenden Gegend) keine weiteren Anhaltspunkte für eine weitere Suche gab. Ausserdem sind die Wetterbedingungen für die Rettungsmannschaften zu gefährlich geworden, im Gebiet hat es zuletzt geschneit. Und auch der Gletscher hat sich in den gut drei Wochen zwischen dem letzten Kontakt und der Aufnahme der Suchmaßnahmen verändert, er ist zwischen 20 und 40m gen Tal gewandert und hat dabei seine Spalten und Oberfläche verändert.

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Claudia August 23, 2007 um 16:46 Uhr

Das ist einer traurige Meldung und ich hoffe, dass sie doch noch ein gutes Ende nimmt.

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Sven | Blog 7 August 24, 2007 um 15:14 Uhr

Wir hatten uns vor rund drei Wochen in Landmannalaugar als wir den Laugarvegur Trail in Angriff nahmen, eingetragen. Unterwegs zur ersten Hütte war es schon sehr nebelig, und wir sind auch auf die Gedenktafel des 25-jährigen gestossen, der dort zu Tode kam. Da war ich schon etwas erschrocken, dass auf dieser doch recht „einfachen“ Tour jemand vor kurzem und dann noch Ende Juni (eigentlich die beste Zeit zum trekken) verstarb …

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Christian August 24, 2007 um 20:13 Uhr

Es ist leider extrem unwahrscheinlich, das das noch passiert. Die beiden sind seit drei Wochen ohne Zelt auf dem Gletscher (zumindest vermutet man das), zwischenzeitlich war dort sehr schlechtes Wetter…

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Christian August 24, 2007 um 20:15 Uhr

Das ist eben genau der Punkt: Das Wetter in Island (und besonders im Hochland) wechselt extrem schnell, Schnee ist in jeder Jahreszeit möglich. Von Bekannten weiss ich, das sie die Hütte neulich im dichten Nebel nur gefunden haben, weil die Position im GPS gespeichert war. Gesehen haben sie sie erst, als sie nahezu dagegengelaufen sind. Garantien gibt es leider nie, man sollte also auf alles vorbereitet sein.

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Claudia August 25, 2007 um 09:16 Uhr

Das hört sich sehr unheimlich an. Als eher ängstlicher Mensch beneide ich Menschen oft, die zum Abenteuer neigen. Aber Leichtsinn kann ich nicht ausstehen.
Die Grenze zwischen Abenteuer und Leichtsinn scheint aber nicht immer leicht so erkennen zu sein. So ähnlich, wie die Hütte im Schnee.

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Ernesto August 26, 2009 um 13:04 Uhr

Wurden sie bereits gefunden?

Hat jemand mehr infos wie der aktuelle stand ist?

Gruß

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Christian August 26, 2009 um 16:47 Uhr

Nein, die beiden sind bisher nicht gefunden worden. Und sie werden es wohl auch auf absehbare Zeit nicht – letztes Jahr hat einer der Gletscher Bruchstücke eines Flugzeugs freigegeben, das dort in den 40er Jahren abgestürzt war. Am Fusse des Svinafellsjökul haben Angehörige dieses Jahr eine Gedenkplatte aufgestellt.

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Mario Juni 2, 2011 um 07:10 Uhr

Es wurden die Kletterseile der beiden gefunden. Das lässt hoffen, dass man sie irgendwann finden wird.

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Christian Juni 2, 2011 um 11:53 Uhr

Irgendwann sicher, wenn der Gletscher weit genug gen Tal gewandert ist und dabei abschmilzt. In den letzten Jahren hat der Gletscher auch ein Flugzeug wieder freigegeben, das dort im 2. Weltkrieg abgestürzt war.
Ich denke, das wird noch Jahrzehnte dauern.

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