Finanzkrise [2.]

by Christian on 24 Oktober, 2008

Nun auch mal wieder Neuigkeiten aus Island: Wie die Regierung heute nachmittag bekanntgab, ist eine Einigung mit dem IWF über einen Kredit in Höhe von 2 Milliarden US-$ erzielt worden. Eine erste Rate des Geldes soll sofort gezahlt werden, wenn die Übereinkunft durch den IWF akzeptiert worden ist.

Die aktuelle Lage hier ist nicht so schlecht, wie man meinen könnte, wenn man deutsche und internationale Medien liest.

Die Regale der Supermärkte sind gut gefüllt (keine Spur von Hamsterkäufen), das Benzin wird aktuell billiger und die Menschen hier haben ihren Sinn für Humor auch noch nicht verloren. Wer aktuell hofft, das sich die Insel aufgrund der schwachen Krone zu einem Billigreiseziel entwickelt, den muss ich enttäuschen. Durch die schwache Währung werden die Importe teurer und die Preise steigen. Zudem sind einige Hotels bereits dazu übergegangen, ihre Zimmerpreise in Euro zu kalkulieren.

Und auch die phantastischen Wechselkurse von bis zu 1:300 und darüber (im Verhältnis Euro:Krone), von denen man immer wieder liest, wird man nicht bekommen. Gehandelt wird die isländische Krone aktuell nur in Island (und durch die isländische Staatsbank), dort ist der Kurs auf 1:150 festgesetzt (wieder zum Euro).

Aktuell führt die Lage noch dazu, das wir weder Geld aus dem Land transferieren, noch Geld ins Land überweisen können. Wer Geld für eine Auslandsreise benötigt, muss sich das unter Vorlage eines Flugtickets bei den Banken holen. Grund dafür sind die geringen Devisenreserven des Landes, die aktuell für wichtige Güter wie Lebensmittel und Medikamente verwendet werden. Das ist natürlich für viele Firmen ausgesprochen gefährlich, da sie Lieferungen nicht bezahlen, bzw. nicht neu odern können. Aber das ist ein Zustand, der sich jetzt hoffentlich lösen wird.

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Bjoern Oktober 26, 2008 um 15:17 Uhr

Island hat doch viel Geld im Ausland angelegt, oder?
Wenn der IWF-Kredit den nötigen Spielraum gibt, müsste sich das Problem durch den allmählichen Verkauf der Auslandsguthaben lösen lassen.

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Maria Dezember 7, 2008 um 01:27 Uhr

Hm, das hängt wohl davon ab ob die Auslandsguthaben dem Isländischen Staat oder den Bürgern gehören?

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Tagebuch Dezember 7, 2008 um 22:47 Uhr

Besonders Nationen, deren Finanzmarkt einen hohen Anteil am Wirtschaftswachstum aus macht, sind vom Bankrott bedroht. Diese Nationen sind besonders verletzlich und gefährdet, wenn es zu einem Crash der Finanzmärkte kommt. Unter die Kandidaten, welche verstärkt von einem Staatsbankrott bedroht sind, gehört ganz klar auch die Schweiz. Bereits deutsche „Wirtschaftsexperten“ haben für die Schweiz das gleiche Schicksal wie für Island vorhergesagt, wenn der Staat nicht rechtzeitig regulierend eingreift. Doch wie soll ein Staat, dessen BIP sich auf ca. 400 Milliarden CHF pro Jahr berechnet, die gigantischen Summen des in den Derivaten geplatzten Kapitals ausgleichen können? Selbst das 68 Milliarden schwere Rettungspaket für die UBS wird da keine Abhilfe schaffen können. Es handelt sich gar um einen lächerlichen Betrag im Vergleich zu den geplatzten Krediten. Geschweige denn, dass immer noch unklar ist wie viel mehr dieser 600‘000 Milliarden Dollar, die in Form von Derivaten vorhanden sind, sich als faul entpuppen.

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Tagebuch Dezember 11, 2008 um 16:21 Uhr

Ein Kredit im Wert von 2 Milliarden Dollar ist ein schlechter Witz. Nur mal als Veranschaulichung: In den Derivaten, welche die faulen Kredite enthalten, sind bis zu 600’000 Millarden Dollar an fiktivem Kapital enthalten. Es können theoretisch also bis zu 600’000 Milliarden Dollar platzen, wenns ganz übel kommt. Wie fest Island an dem Derivatenhandel beteiligt war weiss ich nicht, doch da die Derivate so wieso x-beliebig und unzählige Male untereinander getauscht und hin und her geschoben wurden, nehme ich an, dass das unmengen von Summen sind. Da wirkt ein Kredit von 2 Milliarden Dollar lächerlich dagegen und wird nicht mal das schlimmste abfedern können.

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