Wahlergebnisse

by Christian on 26 April, 2009

Die Parlamentswahl, die gestern gegen 22 Uhr endete, ist entschieden. Im aktuellen Ergebnis tauchen bisher zwar „nur“ 85% der Stimmen auf, das es im Wahlbezirk Süd-Ost zu Problemen bei der Auszählung gekommen ist, am Ergebnis wird das aber vermutlich nicht mehr viel ändern (wenn überhaupt).

Vom Ergebnis her haben die Sozialdemokraten mit 29,8% (+3%) der Stimmen gewonnen und stellen damit die größte Fraktion im neuen Parlament. Ebenfalls dazugewonnen haben die Fortschrittspartei mit 14,8% (+3,1%) und die Links-Grünen mit 21,7% (+7,4%). Letztere stellen von den dazugewonnen Stimmen den Hauptgewinner der Wahl dar, auch wenn der Zuwachs nicht ganz so groß geworden ist, wie die letzten Vorhersagen vermuten liessen. Kommentare vermuteten den Grund dafür in dem strikten Anti-Europäischen Kurs der Partei in den letzten Tagen.

Überraschungsgewinner der Wahl ist die Bürgerbewegung, die aus den Protesten des Januars entstanden ist und erst vor gut 10 Wochen als Partei gegründet wurde. Sie verbuchte aus dem Stand 7,2% der Stimmen für sich.

Verlierer der Wahl ist klar die konservative Unabhängigkeitspartei. Sie kommt nach der Wahl nur noch auf 23,7% der Stimmen (-12,9%). Ebenfalls Wahlverlierer ist die Liberale Partei mit 2,2% (-5,1%), die im neuen Parlament nicht mehr verteten sein wird.

Das die Konservativen, denen die Hauptschuld an der aktuellen Wirtschaftskrise gegeben wird, überhaupt noch so „gut“ abgeschnitten haben, liegt vermutlich an einem Phänomen, das man als „geerbte“ Stimmen bezeichnen könnte – die Partei wird schon immer gewählt, also macht man das auch weiter.


Stimmen

%

+/-

Sitze

Summe

Fortschrittspartei 27.699 14,8 +3,1 9 +2
Unabhängigkeitspartei 44.369 23,7 -12,9 16 -9
´Liberale Partei 4.148 2,2 -5,1 0 -4
Bürgerbewegung 13.519 7,2 +7,2 4 +4
Demokratische Bewegung 1.107 0,6 0,6 0 0
Sozialdemokraten 55.758 29,8 +3,0 20 +2
Links-Grüne 40.580 21,7 +7,4 14 +5
Wahlberechtigte: 227.896
Stimmen gezählt: 193.934 (85,1%)

Nach diese Zahlen hat eine linke Koalition erstmals in der Geschichte Islands eine klare Mehrheit, diese kommt zusammen auf 34 Stimmen, für die Mehrheit im Parlament werden 32 benötigt.

Theoretisch denkbar wäre auch noch eine Koalition aus Sozialdemokraten und Unabhängigkeitspartei, diese ist aber bereits vor der Wahl von den Sozialdemokraten ausgeschlossen worden.

Was der Ausgang der Wahl für einen möglichen Beitritt Islands zu EU und zu anderen Themen bedeutet, werden die Koalitionsverhandlungen zeigen müssen. Die Links-Grünen, eigentlich ein Gegner eines Beitritts, zeigten sich gestern abend flexibel, werden aber wohl eine Volksabstimmung dazu anstreben.

Interessantes Detail am Rande: Bei Wahlen in Island ist es erlaubt, Kandidaten auf den Wahlzetteln durchzustreichen und sie damit abzulehnen. Wird das von genügend Leuten getan, rutschen diese Kandidaten auf den Wahllisten weiter nach hinten. Berichten zufolge ist das bei ca. 20% der Kandidaten der Unabhängigkeitspartei und bei ca. 5% der Kandidaten der Sozialdemokraten passiert. Betroffen waren hier Kandidaten, die im Vorfeld der Wahl mit Geldgeschenken der Banken in Verbindung gebracht worden waren. Welche Auswirkungen das letztendlich auf die Abgeordneten haben wird, die im Parlament sitzen, muß sich erst noch zeigen.

Und noch eine Kleinigkeit: Die Wahlbeteiligung lag bei etwa 85%, ein Ergebnis, über das viele Länder froh wären. In Island, wo die Beteiligung sonst bei über 90% liegt, ist dieses Ergebnis relativ schlecht.

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Rainer April 27, 2009 um 06:33 Uhr

Las es gerade in der kleinen Zeitung am Bodensee…. Grüße

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