Vulkanausbruch fordert die ersten Todesopfer

by Christian on 7 April, 2010

Nachdem bereits mehrfach von Seiten der Polizei und Rettungsdienste betont wurde, das es nur eine Frage der Zeit ist, bis es erste Opfer gibt, ist genau das nun passiert.

Zwei von drei vermissten Touristen konnten gestern abend nur noch tot geborgen werden, eine weitere Frau konnte rechtzeitig gefunden und mit Unterkühlungen ins Krankenhaus gebracht werden.

Die Gruppe (zwei Frauen und ein Mann) waren in der Nacht von Sonntag zu Montag mit ihrem Honda CRV SUV aufgebrochen um den Vulkanausbruch zu sehen. Dazu sind sie ab Hvollsvöllur die Strasse nach Flótshlíð gefahren, wo man einen recht guten Ausblick hat.

Gegen nachts um 2 Uhr rief der Mann dann den Notruf an und meldete, das er in einem Fluss steckengeblieben wäre. Eine sofort eingeleitete Rettungsaktion wurde dadurch behindert, das die Gruppe nicht genau wusste, wo sie sich befindet, als einzigen Anhaltspunkt konnte sie nur angeben, den Vulkanausbruch zu sehen. Nachdem die ganze Nacht über Kontakt bestand, meldete der Mann gegen 06.30h, das er es jetzt geschafft hätte, sich freizufahren und keine Hilfe mehr benötigen würde.

Als die Gruppe dann am nächsten Tag nicht zurückkehrte, schlugen Angehörige Alarm und es wurde eine neue Suchaktion gestartet. Rund 120 Mitglieder von Landsbjörg mit Hunden, Schneemobilen, Jeeps und unterstützt vom Hubschrauber der Küstenwache machten sich auf die Suche. Sie fanden zunächst die überlebende Frau, dann das leere Auto, dem das Benzin ausgegangen war. 4-5km vom Auto entfernt wurde dann die Leiche der zweiten Frau, einen knappen Kilometer davon entfernt die Leiche des Manns gefunden.

Und das ist leider nicht der erste Vorfall dieser Art im Zusammenhang mit dem Vulkanausbruch. Letzte Woche hat ein französischer Tourist in Husadalur unterkühlt und erschöpft um Hilfe gebeten, nachdem er, um den Vulkanausbruch besser sehen zu können, den Markafljót durchquert hatte und dabei komplett nass wurde. Der Markafljót ist ein Gletscherfluss, der naturgemäß eine niedrige Temperatur hat. Vermutlich kann der Mann von Gück sagen, das er diesen Versuch im Winter gemacht hat, da der Fluss im Sommer erheblich mehr Wasser führt.

Und nicht zuletzt waren dann noch die Touristen, die sich ab Skogar mit Lederjacke und Turnschuhen bekleidet auf die 5-stündige Wanderung (eine Richtung) zum Vulkan gemacht haben und unterkühlt und erschöpft vom Rettungsdienst gerettet werden mussten.

Diese Vorkommnisse illustrieren sehr gut, wie sehr viele Leute die ganze Situation unterschätzen. Markafljót und Krossa (die beiden Flüsse im Tal von Flótshlíð) sind Gletscherflüsse, die üblicherweise gefährlich und schwer zu queren sind. Das das im Moment überhaupt für grosse Mengen an Fahrzeugen möglich ist, liegt an den (bisher) guten Wetterbedingungen – es hat nicht geregnet, die Schneeschmelze hat noch nicht eingesetzt (im Tal liegt ohnehin kein oder nur sehr wenig Schnee) und bei den niedrigen Temperaturen schmilzt auch nicht viel Gletschereis. Diese Bedingungen können sich aber sehr schnell ändern und dann sind beide Flüsse nur noch mit richtig hohen Jeeps sicher zu durchqueren – keinesfalls aber mit den SUV die von den Autovermietungen üblicherweise als Jeeps vermietet werden. Zudem sollte man bereits erfahren sein, wenn man durch Furten fährt.

Der Gruppe im Auto wurde zudem zum Verhängnis, das sie nicht nur falsch ausgerüstet waren, sondern auch schlicht nicht wussten, wo sie sich befanden. Hinweise dieser Art hätten eine Suchaktion sicher beschleunigt. Hilfreich wäre es verutlich auch gewesen, Angehörige genau zu unterrichten, wann man wohin will und wann man wieder zurücksein möchte, damit im Zweifelsfall eine Rettungsaktion ausgelöst werden kann. Und nicht zuletzt haben sie ihre Situation auch unterschätzt, sonst wären sie wohl besser ausgerüstet unterwegs gewesen. Nachdem sie sich befreit hatten, wollten sie in Richtung Hvollsvöllur zurückfahren, wählten allerdings die falsche Richtung und fuhren weiter in Richtung Hochland, bis ihnen auf Höhe der Hütte Ermstrur das Benzin ausging. Mitglieder von Landsbjörg zeigten sich überrascht, das sie mit einem SUV auf dieser Strecke soweit gekommen waren. Das Auto zu verlassen (das immer noch Schutz bietet und leichter zu finden ist) war wohl ein fataler Fehler.

Ich kann nur alle Leute, die ähnliches vorhaben, dringend warnen und dazu raten, ihre Pläne zu überdenken. Es lohnt sich schlicht nicht, sich für einen Vulkanausbruch (sei er noch so spannend) in Gefahr zu begeben. Es ist dann besser, die Hilfe von erfahrenen (und für die Situation ausgerüsteten) Tourveranstaltern in Hilfe zu nehmen, auch wenn diese Dienstleistung Geld kostet. Diese kennen die Gegend in die sie fahren, können Sicherheitshinweise geben, berücksichtigen die Wettervorhersage und bringen ihre Kunden sicher wieder zurück.

Nachtrag 08.04.2010: Mittlerweile ist bekanntgeworden, das die Gruppe keine Touristen, sondern Isländer waren. Das macht das ganze nicht wirklich besser, denn sie hätten die Bedingungen im Land kennen müssen.

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a.more.s April 7, 2010 um 19:09 Uhr

Wer sich mit Island und den Verhältnissen dort nicht so auskennt, kennt auch die Gefahren nicht; kein „normaler“ Mensch will sich ja vorsätzlich und bewusst in Gefahr begeben und wägt deshalb gar nicht erst ab, ob es sich lohnt oder nicht, weil er die Gefahren an sich (wie gesagt) gar nicht sieht… der will ja einfach nur zum Vulkan und ihn sehen, sonst nichts… Gefahren – wo denn?! – es ist ja grundsätzlich und vorläufig immer noch ein ganz angenehmer, gutmütiger Bilderbuch-Vulkan, nicht? Schadet niemandem, die Eruption verläuft relativ kontrolliert, zudem suggerieren die Autovermieter diese penetrante 4×4-Sicherheit: wenn man mit 4×4 unterwegs ist, darf man überall durchfahren, und kommt wohl auch überall durch… das ist so falsch wie trügerisch. Ich bin im Oktober mal mit einem Allradantriebswagen auf der 643 in den Westfjorden, auf welcher sonst ganz normale PWs fahren dürfen, einfach nicht weitergekommen… Man lernt viel in Island, und man lernt schnell.
Selbstverständlich will ich den Vulkan sehen – bis Hvolsvöllur oder bis Skógar fahren und mich dann dort nach den Möglichkeiten erkundigen. Und im Seljavallalaug noch schnell ein Bad nehmen, bevor die Katla vielleicht erwacht und das alte, schöne Schwimmbecken unter einem Gletscherlauf und der Lava verschwindet. Na ja, und die Krisuvikkirchenruine besuchen; trotz allem…
Danke für die Berichterstattung übrigens; ich hole mir hier und auf mbl.is die mir dienlichen Informationen und Anregungen.

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Michaela April 8, 2010 um 08:14 Uhr

Hallo,
danke für den Bericht.
Letztlich fordert nicht der Vulkanausbruch die ersten Todesopfer, sondern die „Aa-dabei“-Mentalität derer, die verstandesbefreit und unvorbereitet „Abenteuer“ erleben wollen. Bei diesen Menschen reicht das Vorstellungsvermögen kaum über ihre Nasenspitze hinaus, was Natur und Naturkräfte anbelangt. Ganz zu schweigen davon, wie sie sich selbst in Gefahr bringen, verursachen sie auch noch die Gefährdung von Rettungsmannschaften. Wie gut, dass das Handynetz in Island so gut ausgebaut ist. Hier im Schwarzwald ist es wesentlich harmloser, dennoch sind schon etliche erfroren, weil sie im Dunkeln den Weg nicht gefunden haben und kein Handy-Empfang war.
Beste Grüße
Michaela

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Christel April 8, 2010 um 16:44 Uhr

Gerade zurückgekehrt und noch gar nicht wirklich daheim! Diese Reise nach Island, wenn auch nur kurz hat uns tief beeindruckt.
Wir waren mit unserem Reiseführer am Dienstag Abend in der Nähe des Vulkans. Leider war kaum Sicht und viele Allradfahrzeuge kamen aus von hinten aus dem Tal. Unsere Busfahrer, auch ein Mann der zu diesen „Lebensrettern“ gehört hat mit einem der zurück kehrenden Helfer, der an der Suche und Bergung der Toten beteiligt war, kurz gesprochen. So habe ich diese Schreckensnachricht dort schon erhalten.
Gestern dann hat uns unser Reiseführer noch einmal ins Ausbruchsgebiet begleitet. Eigentlich war es gar nicht vorgesehen, aber der Reiseveranstalter wollte es aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse vom Vortag „gutmachen“. So nahmen wir dieses Angebot gerne noch einmal wahr. Wir wurden mit einem fantastischen „Feuerschauspiel“ belohnt, obwohl es zu Anfang gar nicht den Eindruck machte.
Man glaubt nicht, wie viele geländegängige sich dorthin auf den Weg machen. Wir parkten mit dem Bus an der Stelle des Flusses, wo diese Fahrzeuge das Wasser durchquerten. Nimmer würde ich mir diese Fahrt zutrauen, da muss man schon dem Terrain entsprechenden Fahrkenntnisse vorweisen, um sich dort hin auf den Weg zu machen.

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Margit Mezger April 8, 2010 um 20:04 Uhr

Hai Christel!
Würde euch alle, wirklich liebend gerne mal kennen lernen!
Aber: Was willst du mit deinem comment eigentlich sagen???
Verstehe nicht, was dich nun beeindruckt hat.
Liebe Grüße Margit

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Margit Mezger Mai 15, 2010 um 20:01 Uhr

Hallo nach Island,
Hallo Christian,

vielleicht kannst du mir Auskunft geben über diesen Artikel in den Zeitungen was die käufltiche Vulkanasche anbelangt.
Anfangs war ich richtig begeistert. Ich möchte noch 2 Bilder malen, alle haben mit Island zu tun, so wie überhaupt fast alle meine Bilder. ich wollte herausbekommen, was mit dem Geld passiert – ca. 85 Euro für ein paar Gramm Asche. Weißt du darüber mehr?

Takk und liebe Grüße
Margit

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Christian Mai 16, 2010 um 21:33 Uhr

Wieso 85 Euro? Bei Nammi.is kostet der Spass knapp 4000 Kronen, das sind beim aktuellen Kurs so um 24 Euro. Das Erlös wird dort komplett ICE-SAR, der isländischen Rettungsorganisation gestiftet. Mehr über ICE-SAR findet man hier im Blog: https://blog.snaefell.de/2009/07/07/landsbjorg-ice-sar/

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