Situation der Bauern

by Christian on 22 Mai, 2010

Im vom Vulkanausbruch betroffenen Gebiet in Südisland sind im wesentlichen zwei Wirtschaftszweige betroffen: Der Tourismus und die Landwirtschaft. Während die Touristen relativ einfach auch andere Gebiete Islands besuchen können, ist das eine Option, die die Landwirte nicht haben.

Der Süden ist traditionell ein Gebiet in dem in Island Landwirtschaft betrieben wird, da es dort relativ warm und geschützt ist und ausreichend Niederschläge fallen. Da sich die Vegetationsperiode verlängert hat, gab es in den letzten Jahren auch einige Experimenten Getreide anzubauen, was früher kaum möglich war. Daneben wird hier viel Viehwirtschaft, d.h. Schaf-, Pferde- und Rinderzucht sowie Milchwirtschaft betrieben.

Alle diese Landwirtschaftszweige leiden jetzt unter den fortgesetzten Aschefällen – Felder bzw. Weiden sind teilweise von einer dicken Ascheschicht zugedeckt, die dann die darunterliegenden Pflanzen erstickt. Nicht besser ist die Lage für die Tierhalter. Normalerweise leben isländische Schafe über den Sommer halbwild und werden erst im Herbst wieder eingefangen und auch Pferde und Kühe leben auf Weiden im Freien.

Da die vulkanische Asche teilweise hohe Anteile an löslichem Fluorid enthält das giftig ist, können die Tiere momentan nicht auf die Weiden und müssen im Stall gehalten werden um sicherzustellen, das sie nicht kontaminiertes Futter und Wasser zu sich nehmen. Neben einem Platzproblem – viele Farmen sind auf eine dauerhafte Stallhaltung nicht ausgelegt – kommt jetzt auch das Problem hinzu, das bei Schafen und Pferden die Jungtiere geboren werden. Eine dauerhafte Stallhaltung ist ohnehin nicht möglich, da die Tiere dazu neigen, dabei krank zu werden – bei Schafen sind beispielsweise Lungenentzündungen aufgrund zu enger Haltung möglich.

Nachdem erste Bauern ihre Herden bereits zeitweise oder komplett aufgegeben haben, transportieren andere ihre Herden zu Höfen von Verwandten, die nicht von dem Ausbruch betroffen sind. Was sich als logische Lösung anhört, hat aber das Problem, das diese Herden dann nicht mehr auf den Hof, wo sie ursprünglich herkommen zurückkehren dürfen. Der Grund dafür liegt in den Quarantäneregeln, mit denen eine Ausbreitung von Krankheiten über entsprechende Gemeindegrenzen verhindert werden soll. Auf den Strassen in Island sind zu diesem Zweck auch die Viehgitter eingebaut, über die man ab und zu fährt. Viele Bauern warten im Moment verständlicherweise aber noch ab, ob sich die Situation noch bessert.

Aus dem Landwirtschaftsministerium gibt es aber auch Stimmen, das man unter diesen Umständen Ausnahmeregelungen finden muss, um die Bauern nicht komplett zu runieren. Alles in allem keine leichte Situation.

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Sylvia Mai 22, 2010 um 15:49 Uhr

Hallo Christian, da wir selber Landwirte sind und in 7 Wochen nach Island fliegen wollen, war dieser Artikel besonders interessant. Vielleicht kannst ab und an mal darüber berichten, wie sich die Lage der Bauern entwickelt hat bzw. zu welchen pol.Entscheidungen man gekommen ist. LG und schöne Pfingsten – Sylvia

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pikarl Mai 22, 2010 um 17:22 Uhr

Und ich habe mich immer gefragt, wozu diese grobmaschigen Gitter gut sind. Wirklich, um zu verhindern, dass eine Herde über die Straße den Ort verlässt!?

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Christian Mai 24, 2010 um 22:53 Uhr

Ja, genau dazu sind diese Gitter da.

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eule70 Mai 23, 2010 um 22:56 Uhr

Diese Landwirtschaftskatastrophe hat den Isländern zu ihrer sonstigen Wirtschaftskrise gerade noch gefehlt. Schlimm.

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