Fähre kann neuen Hafen nicht anlaufen

by Christian on 7 September, 2010

Der neue Hafen in Landeyarhöfn bereitet bereits nach wenigen Wochen erste Probleme. Grund dafür ist, das er im Moment nicht von der Fähre Herjólfur angefahren werden kann, weil er zu flach ist.

Bereits vorgestern konnte die Fähre deshalb nur sehr langsam in den Hafen ein- und ausfahren, heute wurde der Betrieb dorthin vorläufig auf unbestimmte Zeit eingestellt.

Grund für die Probleme sind anscheinend Asche und Sand, die sich im Hafenbecken abgelagert haben. Da das Pumpschiff, das während der Bauphase den Sand aus dem Hafen gepumpt hat im Moment anderweitig unter Vertrag steht, ist auch unklar, ab wann der Hafen wieder tiefer sein kann.

Experten kritisierten die Lage des Hafens, da alleine durch die Mündung des benachbarten Markarfjlótt pro Jahr rund 150.000m³ Sand und loses Material ins Meer befördert werden, nach Schätzungen des Meeresforschungsinstitutes entlang der Südküste 300 – 400.000 Kubikmeter. Zudem liegen im Einzugsgebiet des Hafens mehrere Vulkane (Eyjafjallajökull und Katla), bei deren Gletscherläufen jedes Mal sehr viel Material ins Meer getragen wurde. So schätzt man, das die Küstenlinie vor dem Ausbruch der Katla von 1918 bis zu 2,5km weiter landeinwärts lag. Der Hafen wirkt an dieser Stelle wie ein grosser Trichter und wird vermutlich permanent Probleme mit Versandung haben – oder wie es einer der Experten ausdrückte: Warum spricht eigentlich niemand von einem Kampf gegen Windmühlen?

Die Küste in Südisland ist generell ziemlich flach und sandig, so das es zwischen Thorlákshöfn und Höfn (auf einer Strecke von gut 400km) keinen Hafen gibt. Bei Vík gab es früher in einer Bucht einen Hafen, der von örtlichen Fischer genutzt wurde, aber auch dieser musste aufgegeben werden, nachdem die Bucht verlandet war.

Die Lage des Hafens ist natürlich verlockend – verkürzt sich doch so die Fährzeit zu den Westmännerinseln von 3,5 Stunden auf 30 Minuten, was auch den Inselbewohnern Besuche auf dem Festland ermöglicht, ohne jedesmal irgendwo übernachten zu müssen.

Nachtrag: Der ganze Vorgang wird noch absurder, wenn man weiss, das der Hafen von Thorlákshöfn als Ausweichhafen für schlechtes Wetter geplant war, aktuell aber noch keine Vereinbarung mit den dortigen Hafenbehörden existiert. Herjolfur läuft im Moment anscheinend noch einmal täglich den Hafen Landeyarhöfn an, Passagiere sollten unbedingt Eimskip, der Reederei, die die Fähre betreibt, kontaktieren.

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Michael September 7, 2010 um 19:40 Uhr

Hallo Christian,

wo genau liegt eigentlich Landeyarhöfn? Ich kann es auf mehreren Karten leider nicht finden.

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Christian September 7, 2010 um 21:21 Uhr

Der Hafen liegt genau südlich des Seljalandsfoss. Das du den nicht findest, wundert mich nicht, Hafen und Verbindungsstrasse sind ganz neu.

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eule70 September 7, 2010 um 22:41 Uhr

Das haben doch schon die alten Wikinger bei der Landnahme festgestellt, dass man im Süden, besonders in der Gegend, nicht gut landen kann.
Dass die Menschen heutzutage immer meinen, man könnte die Natur in jedem Fall überwinden, und superkostspielige und prekäre Klimmzüge machen, nur um ein bisschen Transportzeit zu sparen! Idiotisch. Die Isländer sollten ihre Natur doch kennen.

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Elkü September 8, 2010 um 00:22 Uhr

Naja, das war wohl eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Man spart auf der einen Seite und investiert auf der anderen, die berühmten „zwei Seiten“. Man ist wohl davon ausgegangen, das hier der Nutzen überwiegt. Und wie das dann in der Realität aussieht, kann man wohl nie ohne Restrisiko sagen… Ich als „Víkingur“ habe mich natürlich über den neuen Hafen gefreut und ihn auch gleich genutzt… ;-)

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FR September 8, 2010 um 04:20 Uhr

Lage des Hafens: http://tinyurl.com/37ufnww

Südwestlich vom Seljalandsfossen, Westseite des Markarfjlótt.
Im Bild sieht man deutlich, welche Sedimentmenge da praktisch neben und sicher auch vor dem Hafen „steht“. Ungünstiger Platz, eindeutig.

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