Isländische Naturschätze in Gefahr

by Christian on 24 November, 2010

Die isländische Umweltagentur hat einen Bericht über den Zustand der isländischen Naturschutzgebiete vorgelegt. Dieser Bericht gibt Anlaß zur Sorge, da einige der am meisten geschätzten Regionen in schlechtem Zustand sind.

gullfoss

In neun geschützten Geibeten sollen nun sehr schnell Schutzmaßnahmen ergriffen werden, damit sie ihren Schutzstatus nicht verlieren. Besonders betroffen sind neben der Region um Geysir und Gullfoss, das südliche Hochland (südliches Fjallabak), Landmannalaugar und die populäre Wanderroute Laugarvegur.

Problematisch für diese Gebiete sind ihre hohe Popularität und eine relativ gute Erreichbarkeit. Geysir und Gullfoss gehören auf dem „Golden Circle“ zu den Standardzielen wohl fast aller Touristen. Wer dort in den letzten Jahren mehrfach war, dem wird aufgefallen sein, das es immer mehr Absperrungen gibt, auch wenn diese häufig nicht beachtet werden.

So kann man am Gullfoss häufig Leute sehen, die über die Absperrungen klettern und sich dann in vermeintlich bessere Fotopositionen bringen. Auch in den Geothermalgebieten sieht man immer wieder, das Leute unbedingt zwischen den Quellen durchgehen müssen. So kommt es immer wieder zu mehr oder weniger schweren Verletzungen, die durchaus vermeidbar werden.

In Landmannalaugar kommt es durch die grosse Menge an Besuchern zu erheblichen Belastungen der heissen Quellen, die schon länger mit Bakterien belastet sind. Gerade das Hochland ist besonders empfindlich gegen Störungen, da die Vegetation hier nur sehr langsam nachwächst und Schäden in der Pflanzendecke häufig nach Jahren oder Jahrzehnten noch sichtbar sind.

Geplant sind nun bessere Absperrungen und Hinweisschilder, allerdings sind auch die Besucher gefordert, denn solange die sich nicht vernünftig benehmen, nutzen alle Schilder nichts.

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Elkü November 24, 2010 um 17:04 Uhr

Ja, über dieses Thema wird wohl noch viel diskutiert werden. Es ist diese Diskrepanz zwischen Ermöglichen der Erreichbarkeit (verstärkt befestigte Wege ins Hochland etc.) und dem Schutz vor zu viel Traffic. Das eine bedingt das andere, mir tut diese Entwicklung schon lange weh. Aber eine bessere Alternative als den Mittelweg zu finden, wird es wohl nicht geben. Ich hoffe nur, dass alle Besucher dieser Gegenden diese „Regeln“ achten und begreifen (mich eingeschlossen), damit nicht noch drastischere Maßnahmen nötig werden.

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Christian November 25, 2010 um 09:17 Uhr

Da hat man dann aber wieder ein anderes Problem: Befestigt man Wege, um die Landschaft zu schützen, ermöglicht man wieder mehr Leuten, bestimmte Bereiche zu besuchen. Was wiederum die Situation nicht besser macht. Und es geht auch nicht überall – das die Hochlandstrassen nicht asphaltiert sind, hat durchaus auch praktische Gründe. Die verwandeln sich im Winter gerne mal in Flußbetten, Asphalt würde wohl unterspült werden und die Reparaturen erheblich aufwändiger machen. So braucht man nur Kies zum auffüllen von Löchern und eine Planierraupe. Vereinfacht gesagt.
Die Frage nach den gewollten Besuchermengen ist eine politische. Aktuell boomt der Islandtourismus, es kommen jedes Jahr mehr Touristen auf die Insel. Das ist durchaus nicht ungewollt, kommt so doch eine Menge Geld ins Land. Das einsame, exotische Reiseziel ist Island so schon lange nicht mehr. Aber man wird wohl nicht umhin kommen, das ganze zu lenken – das ist etwas, was in meiner Wahrnehmung nicht oder fast nicht stattfindet.

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Wini November 25, 2010 um 12:43 Uhr

macht mich etwas traurig, bei uns im berner oberland, ein sehr touristischer teil der schweiz kennt man das ja auch. es gibt berghütten, da musste man die heizung entfernen, da die besucher nichts besseres wussten als das mobiliar zu verbrennen als 100 m im unterstand das brennholz zu holen das mit dem heli eingeflogen wird. während unserer planung für unsere fotoreise nächsten herbst habe ich bei keinem anbieter von islandreisen einen hinweis auf die empfindlichkeit der natur oder irgendwelche verhaltensregeln in den nationalparks gelesen. es wird eher der eindruck der alles erkaubten und machberen outdoor erlebnis insel vermittelt. denke aber ganau da sollte islandtourismus ansetzen. die sensibilisietung beginnt schon im reiseprospekt. alle anderen die das nicht begreifen sollen nach mallirca da ist schon alles kapputt.
trotzdem ich freue mich auf die insel

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Michael November 25, 2010 um 13:32 Uhr

Jeder, der schon einmal eine 5 Jahre alte 4×4-Spur im Hochland gesehen hat, weiß, wie empfindlich die isländische Natur ist.

Ich bleibe auf den Wegen, nehme meinen Müll wieder mit und benutze wo möglich die öffentlichen Toiletten. (Die gibt es ja wirklich an den entlegensten Ecken). Da sollte mal einer ein Buch drüber schreiben.

Was aber wohl fehlt, um eine weitere Naturzerstörung zu verhindern, sind mehr Absperrungen, Wege und Hinweisschilder.

Klingt jetzt nach typisch deutsch, aber anders wird es nicht gehen.

Dadurch verlieren sicherlich viele Orte einen Teil Ihres Reizes, aber so bleiben sie zumindest für längere Zeit erhalten.

Vielleicht sollten die Isländer sich mal die Galapagos-Inseln ansehen, da gab es doch auch Probleme wegen uns Touris, die hatten sie glaube ich ganz gut gelöst.

Und ich gebe Wini Recht: Solange Island immer noch als größter Abenteuerspielplatz der Welt mit Offroad-Teststrecke ohne Regeln touristisch beworben wird, wird sich die Einstellung der Leute nur schwer ändern…

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rainer November 25, 2010 um 15:04 Uhr

leider haben wir während unseres aufenthalts in island jede menge touristen in rudeln und lärmend (meistens spanier, italiener) gesehen, die sehr gut ausgeschilderte und mit piktogrammen versehene absperrungen überstiegen und z.bsp. in geysir über den erloschenen „alten geysir“ trampelten. angesprochen, zuckten sie meistens nur mit den schultern.
nun – ich denke , respekt vor der natur und disziplin kennen keine nationalen grenzen, allerdings habe ich in den fünf wochen im juli/august dieses jahres leider vorwiegend diesen personenkreis gesehen.
auch wird es so wie mit der anschnallpflicht im auto sein. erst wenns geld und punkte kostet, also die menschen zu verhaltensweisen gezwungen werden, wird sich die situation merklich bessern.
schade!!!

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Christian November 25, 2010 um 16:43 Uhr

Diese Häufung hängt damit zusammen, das im Spätsommer viele Touristen aus Italien und Frankreich in Island sind – dann ist da Hauptferienzeit. Nach meinen Beobachtungen hat das Verhalten aber wenig mit Nationalität zu tun – Leute die meinen, das Regeln für sie nicht gelten, gibt es leider überall.
Natürlich kann man mehr absperren, nur macht das halt auch den Charakter der Landschaft kaputt. Und es hilft nicht gegen Leute, die über Absperrungen steigen.

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Ulla November 25, 2010 um 16:15 Uhr

…. und es sind nicht nur die touris! Auch die Isländer fahren mit allen möglichen Gefährten überall hin (s. Snowmobile usw.) Im Fernsehen wird das dann auch noch großartig als tolles Erlebnis propagiert! Hier könnte man auch als erstes ansetzen.

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Christian November 25, 2010 um 21:41 Uhr

Das betrifft natürlich alle Leute, die in Island unterwegs sind.

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Elkü November 25, 2010 um 19:48 Uhr

Hallo,
wenn ich von Touristen spreche (und mich einschliesse), meine ich natürlich auch die Isländer. Auch sie sind Touristen. Aber es ist wirklich auch eine Frage der Werbung, Wini hat ja ganz gut geschildert, wie das Thema Achtung vor der Natur ausgespart wird.
Vielleicht sollte man eine Aktion wie „Inspired By Iceland“ wiederholen und ganz bewusst das Thema Naturschutz mit einbeziehen. Die Touristen kommen sowieso. Die Frage ist, wie erreiche ich sie am vernünftigsten. Aber wo schlägt man sowas vor???

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wini November 26, 2010 um 12:49 Uhr

ich sehe das thema bewegt. denke aber schon, dass die hauptveantwortung für die sensibilisierung und aufklärung bei den tourismusleuten liegt.
mit einer kampagne wie “Inspired By Iceland” wie @elkü erwähnte, ist sicher machbar. ich werde an eine der grössten ferienmessen der schweiz in bern gehen (hatte ich so oder so vor) und werde alle die island im angebot haben darauf ansprechen. im nachbarort gibts ein trekking und adventur-anbieter der hat island im programm. den kick ich auf alle fälle an.
besonders gefährdete gebiete sollten nur noch mit führer in kleinen gruppen zugänglich gemacht werden. denn abschrankungen sind nicht das was wir fotografen wünschen. da gehe ich mit christian einig. und somit liegt es auf der hand dass die zufahrtswege und pisten nicht fahrbar gemacht werden dürfen. wer etwas besonderes sehen will, soll auch etwas leisten. und sonst gibt es sehr gute filme, die man in den pantoffeln bei einem bier zu hause geniessen kann :-)

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torsten November 27, 2010 um 01:32 Uhr

Beim Lesen des Artikels fällt mir wieder ein, dass es doch schon seit jeher die Schafe waren, die der Natur in Island besonders zu schaffen machen.

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Christian November 27, 2010 um 12:46 Uhr

Das Problem ist meines Wissens nicht so groß, da die Weidewirtschaft ja relativ wenig intensiv betrieben wird. Die Tiere sind ja nicht konzentriert über Wochen auf einer Weide, bevor sie weiterziehen.
Die aktuellen Probleme sind schon durch den Menschen und den teilweise sehr intensiven Tourismus zu beziehen.

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