ehemaliger Staatssekretär wegen Insiderhandels verurteilt

by Christian on 8 April, 2011

In Island ist gestern Baldur Gudlaugsson, ein ehemaliger Staatssekretär des Finanzministeriums, wegen Insiderhandels zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Die Strafe muss angetreten und kann nicht zur Bewährung ausgesetzt werden. Zusätzlich dazu wird der Gewinn aus dem Geschäft beschlagnahmt. Die Strafe fiel auch deshalb so hart aus, weil er seine öffentliche Position im Ministerium mißbraucht hatte.

Gudlaugsson hatte in seiner Funktion als Staatssekretär im Spätsommer und Herbst 2008 an Sitzungen der Banken teilgenommen, in denen der wahre Zustand und die Probleme offen dargelegt worden sind. Er verkaufte daraufhin am 17. und 18. September 2008, gut zwei Wochen vor dem Bankenzusammenbruch in Island, seine Aktien der Landsbank im Wert von etwa 192 Millionen Kronen.

Vor Gericht hatten verschiedene Zeugen ausgesagt, das die Informationen strikt vertraulich und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen seien. Interessant an diesen Aussagen ist noch eine ganz andere Tatsache: Bisher behaupten alle Minister der zu der Zeit amtierenden Regierung, der damalige Ministerpräsident Geir Haarde und der damalige Zentralbankchef David Oddsson, das die Banken den wahren Zustand ihrer Finanzen und Probleme verborgen hätten, bis es dann zum Zusammenbruch gekommen ist. An dieser Behauptung gibt es schon immer einige Zweifel, diese werden jetzt deutlich verstärkt. Inwiefern das dann auch eine Rolle im Prozess gegen den ehemaligen Regierungschef Geir Haarde wichtig wird, muss sich zeigen.

Der Prozess gegen den ehemaligen Staatssekretär ist der erste Prozess, den der Sonderermittler in der Bankenaffäre Olafur Thor Hauksson vor Gericht gebracht hat. Auch wenn es ein recht eindeutiger Fall gewesen ist, wurde ihm doch einiges an Symbolkraft zugewiesen, was kommende Prozesse angehen wird. Und da wird sicher noch einiges auf die Gerichte in Island zukommen.

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