Walschützer sorgen für Diskussionen

by Christian on 27 Juni, 2011

Walschützern des „International Fund for Animal Welfare“ und sechs Walbeobachtungsunternehmen aus Island haben mit einer Plakatkampagne für einiges an Diskussion gesorgt. Sie haben in der Ankunfshalle des Flughafens in Keflavik eine Plakatwand gemietet und darauf folgendes Motiv anbringen lassen:

IFAW-WHALE-LOGO

Plakatbild der Kampagne, Original auf den Seiten der IFAW.

„Meet us, don’t eat us“ (Triff uns und iß und nicht auf“). Die Firma, die diese Flächen vermietet hat nun kalte Füße bekommen und versucht die Aktivisten davon zu überzeugen, das Plakat entfernen zu lassen. Ebenfalls im Rahmen der Kampagne liefen mit Walkostümen verkleidete Menschen durch die Innenstadt von Reykjavik um für Walbeobachtungstouren Werbung zu machen und gegen den Verzehr von Walfleisch zu protestieren.

Nach Angaben der Organisatoren richtet sich die Kampagne gegen die Unternehmen, die Wale fangen und Restaurants, die Walfleisch anbieten. Der kommerzielle Walfang ist zwar im Moment ausgesetzt, das liegt aber daran, das in Japan alle wesentlichen Fabriken, die dieses Fleisch verarbeiten entweder zerstört oder zumindest beschädigt sind. Ein Teil des Walfleisches wird aber auch in Island verzehrt, das trifft im besonderen auf Minkwalfleisch zu, das überwiegend auf dem nationalen Markt verkauft wird.

Walfang ist in Island ein relativ kontroverses Thema. So betonen die Befürworter, das sie die Bestände nicht gefährden würden, ausserdem wäre das ganze wirtschaftlich wichtig und würde Arbeitsplätze sichern. Die Gegner sehen die Wale immer noch als stark gefährdet an (auch wenn sich einige Arten lokal erholt haben), ausserdem würde der Walfang das Image Islands als Touristennation stark gefährden. Ausserdem nehmen die Walbeobachtungsunternehmen durch ihre Touren mehr Geld ein, als der Walfang insgesamt einbringt.

Nötig zur Ernährung ist der Walfang schon lange nicht mehr, auch ist Walfleisch bei jungen Leuten zunehmend unpopulär. So wird sich zeigen müssen, wie es in der Zukunft in Island weitergehen wird, sollte das Land allerdings der EU beitreten, wäre es mit dem Walfang endgültig vorbei.

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Stefan Juli 2, 2011 um 07:22 Uhr

Das Thema ist ja nicht nur in Island heiß diskutiert. Sehr skuril mag es einem dort schon vorkommen, daß auf dem Weg zum Whalewatching auf der anderen Seite des Piers zwei alte Walfangschiffe zu besichtigen sind, die beiden neueren sind ja auf Tour…
Als ich vor einigen Jahren kurz nach Wiederaufnahme des Walfangs durch Reykjavík gelaufen bin, haben mich dann die Ankündigungen „loksins! súr hvalur!“ an einem Fischgeschäft schon befremdet. Auch nachdem ich ihn mal gekostet habe ist mein Verhältnis zu derlei Delikatessen eher gespalten und ich verstehe um so weniger, warum man sich darauf freuen mag.
Da wundert mich das das störrische Festhalten am Walfang, oder spielt da der „Futterneid“ eine Rolle – es wurde ja schon diskutiert, daß die wiedererstarkten Walbestände um Island auch vermehrt Futter benötigen und damit in Konkurenz zu den Fischbeständen treten. Und die Fischerei spielt bekanntermaßen in Zeiten der Kreppa wieder eine große Rolle.
Ob jetzt whale watching die tierverträglichere Alternative darstellt, wird wiederum heute im mbl deutlich in Frage gestellt, nachdem ein Artikel erschien der eine schottische Studie über Verhaltensänderungen der Wale in Gegenwart von whale watching Booten beschreibt.
Der Zeitpunkt dieser Studie passt ja schon gut zu der Diskussion um das Plakat in Keflavík…
Stefan

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