Kleine Eruption der Katla im Sommer

by Christian on 27 September, 2011

Im Juli kam es unterhalb des Vulkans Katla im Gletscherfluß Múlaksvísl ja zu einer Flutwelle, die die Autobrücke weggerissen hat. Nachfolgend gab es bis zur Freigabe einer Behelfsbrücke einiges an Behinderungen im Reiseverkehr durch Südisland.

Bereits damals wurde spekuliert, welches Ereignis für eine so plötzliche Flutwelle verantwortlich sein könnte, häufig treten solche Gletscherläufe in Verbindung mit Vulkanausbrüchen auf, da hier sehr viel Gletschereis in sehr kurzer Zeit geschmolzen wird. Damals legten sich die Geologen auf eine erhöhte geothermale Aktivität unter dem Eis fest.

Mittlerweile haben sie diese Meinung geändert und vermuten das es im Juli einen kleinen Vulkanausbruch der Katla unterhalb des Mýrdalsjöull gegeben hat. Grund dafür sind nach Aussage des Geologen Einar Kjartansson eine Auswertung aller Daten, die zur Verfügung stehen.

So kam es neben dem massiven und sehr schnellen Abschmelzen des Gletschers von unten her zusätzlich zu einem sehr starken vulkanischen Tremorpuls, der mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit durch Magmabewegungen hervorgerufen wurde. Eine vergleichbare Bildung von Einsturztrichter durch abschmelzen ist bisher nicht bekannt. Der Tremor war stärker als beim Vulkanausbruch des Eyjafjallajökull auf der Fimmvörduháls (der erste Ausbruch) 2010 und es wird deshalb angenommen, das dieser kleine Katlaausbruch auch stärker war.

Einar Kjartansson wies darauf hin, das es trotz des Ausbruchs zu keiner wirklichen Entspannung an der Katla gekommen sei und deshalb ein Ausbruch in naher Zukunft (hier sind geologische Zeiträume gemeint) relativ wahrscheinlich sei.

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Silke September 27, 2011 um 20:30 Uhr

Hoch interessant!
Ich staune, was wissenschaftliche Beobachtungen und Auswertungen von Messergebnissen alles für Schlüsse zulässt….
Für mich als absolute Laiin auf diesem Gebiet klingt das jedenfalls logisch und nachvollziehbar.
Danke für diesen Beitrag, Christian!

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Thomas September 28, 2011 um 05:21 Uhr

Na das wusste wir doch schon vorher :-)
Aber schön, dass es nun auch wissenschaftlich bewiesen ist!

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Christian September 28, 2011 um 09:17 Uhr

Zwischen dem, was man so annimmt und dem, was als erwiesen angesehen wird, gibts ja unter Umständen schon Unterschiede. Und hier wars bisher eben nicht sicher.

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leslie September 28, 2011 um 10:10 Uhr

Hat mal jemand die Temperatur des austretenden Gletscherwassers gemessen??

;-)

Mfg

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Christian September 28, 2011 um 11:30 Uhr

Ja, das wird durch die Pegelstationen permanent mit erfasst. Da war ein kleiner Anstieg vorhanden, aber nichts nennenswertes. Interessanter war ein starker Anstieg der Leitfähigkeit durch gelöste Stoffe – was halt auch durch erhöhte geothermale oder vulkanische Aktivität passiert.

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leslie September 28, 2011 um 15:00 Uhr

Oder halt auch durch viel Wasser das durch den Gletscher sickert und viele Stoffe löst. ;-)

3Saat,ein Fernsehsender hierzulande(einer der besseren)
hat Islandwoche.
http://www.3sat.de/page/?source=/specials/156869/index.html

Mfg

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Christian September 28, 2011 um 15:33 Uhr

Gletschereis sollte nicht besonders viele lösliche Stoffe enthalten, da es aus Schnee entsteht. Ausnahme sind Ascheschichten, die im Eis eingelagert sind. Das Eis an sich ist aber auch nicht so besonders gut wasserdurchlässig. Und im Juli hats in der Zeit sehr wenig geregnet.

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Stefan September 28, 2011 um 18:19 Uhr

Ich bin Mitte / Ende August in der Gegend gewesen – Laugavegur/Fímmvörduháls. Dabei ist mir vor allem in Emstrur der starke Schwefelgruch aufgefallen, der bei Wind aus Südost dort ankam. Heiße Quellen gibt es um die Hütte nicht, also kommt einem der Verdacht nahe es könnte die Katla sein.
Unter diesem Eindruck und auch unter dem einer Nachtwanderung zu der noch glühenden Lava an der Ausbruchsstelle vom März 2010 wurde die Übernachtung auf dem Fímmvörduháls durchaus prickelnd. Blos im Falle eines Falles wäre mir da die Nähe etwas unangenehm!

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