Polizei fordert Streikrecht

by Christian on 1 Oktober, 2011

In Islands Polizei ist die Unzufriedenheit aktuell gross. Problem sind, wie in vielen anderen Branchen auch, Gehaltszahlungen, die seit Beginn der Krise vor drei Jahren nichtmal mehr um die Inflationsrate angeglichen wurden, während die Preise teilweise drastisch gestiegen sind.

Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft sagte gestern in einer Pressekonferenz, das innerhalb der Polizei der Ruf nach einem Streikrecht sehr gross sei. Selbst wenn dieses Recht gewährt werden würde, wäre es allerdings nicht eine so starke Drohung wie bei anderen Gewerkschaften, da Polizisten jederzeit befohlen werden kann, wieder zum Dienst anzutreten.

So wurde jetzt auch eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die nach einer Lösung für dieses Problem suchen soll, denn um alle Forderungen zu erfüllen, ist nicht ausreichend Geld vorhanden. Vor dem Hintergrund dieses Streits legten eine Reihe von Beamten, die besonders ausgebildet und ausgerüstet sind, um bei Demonstrationen notfalls einzugreifen, ihre Tätigkeit nieder und sind vorläufig nur als normale Streifenpolizisten tätig.

Die Folgen davon werden sich zeigen müssen, da morgen anlässlich des Beginns der neuen Sitzungsperiode des isländischen Parlaments zu Protesten aufgerufen wurde. die Schätzungen zu möglichen Teilnehmern gehen auseinander, aber es wird für möglich gehalten, das bis zu 20.000 Personen erscheinen. Wobei auch das Wetter eine Rolle spielen wird, für heute ist Regen angesagt. Im letzten Jahr war es anlässlich der Parlamentseröffnung im Herbst zu Eierwürfen auf die Abgeordneten gekommen. Es bleibt zu hoffen, das es morgen friedlich bleibt.

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rainer Oktober 1, 2011 um 10:56 Uhr

seit ich 1977 zur polizei gekommen bin hinkt mein gehalt knapp 19 % hinter der inflationsrate her. da kann ich nur sagen „willkommen in der marktwirtschaft“ … und der realität!
streiken? ist keine alternative und genauso fatal wie im rettungs-und pflegebereich. da müssen islands polizisten einfach durch, auch wenns weh tut!

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Christian Oktober 1, 2011 um 18:39 Uhr

Nur das wir 2008-2009 noch eine Inflationsrate um 15% hatten, seitdem ist es deutlich besser geworden. Viele Preise (Lebensmittel beispielsweise) sind seit der Krise um 50% gestiegen. Da wären gewisse Anpassungen schon ganz nett.

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rainer Oktober 2, 2011 um 16:49 Uhr

.. im sommer 2010 waren die preise allgemein ggnüber der brd in island auf erhöhtem niveau – stimmt! grundnahrungsmittel dagegen auch nicht viel teurer. alkohol , schweinefleisch und obst (alles was in island nicht wächst) wesntlich teurer. dagegen schwimmbäder, camping, busfahren, eintrittspreise spottbillig. in der gemengelage waren die 6 wochen lebenshaltung in island nicht viel teurer als ein urlaub in deutschland.
über die polizeivereinigung ipa erfuhr ich im rahmen meiner damalgien urlaubsvorbereitungen, dass das einkommen der polizisten in island im wesentlichen das gleiche ist als in deutschland. aber was solls – bitter allemal, wenn man sein erarbeitetes lebensniveau neu überdenken muß.
*
…und danke christian für deine tollen beiträge!!!

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Christian Oktober 2, 2011 um 20:19 Uhr

Das ist schon richtig, du darfst nur nicht vergessen, das man jetzt durch den stark gesunkenen Kurs der Krone erheblich mehr Kronen pro Euro bekommt. Für Island gilt aber: Die Löhne sind stabil geblieben, Inflation und Preise sind gestiegen. Da bleibt finanziell erheblich weniger Spielraum übrig. Und was ganz besonders heftig gestiegen sind, sind die Kosten für (Haus)darlehen. Die sind in der Regel nämlich an den Preisindex gekoppelt…

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