Sicherheit in Island

by Christian on 16 November, 2011

Durch den Tod des schwedischen Touristen auf dem Solheimajökull letzte Woche gibt es in Island eine neue Diskussion um die Sicherheit im Land. Dabei wurden einige interessante Zahlen veröffentlicht. Seit dem Jahr 2000 sind in Island 138 Reisende ums Leben gekommen.

Mit 105 Todesfällen hat der Strassenverkehr den grössten Anteil an diesen Toten. Die übrigen 33 Toten (durchschnittlich 3 pro Jahr) sind in Verbindung mit Outdooraktivitäten zu beklagen gewesen. Da die Statistik nicht zwischen Isländer und Touristen unterscheidet, lässt sich nicht genau sagen, wie die Verhältnisse hier sind.

Zumindest ein Teil dieser Todesfälle hätte vermutlich vermieden werden können, da immer wieder Überschätzung der eigenen Fähigkeiten und die Unterschätzung der isländischen Natur zu Problemen führt. Diskutiert werden jetzt weitergehende Absperrungen und Schilder, sowie die Möglichkeit, das Mietwagenfirmen Notfallsender in den Autos installieren. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob diese Maßnahmen den gewünschten Erfolg haben werden oder ob sie im Umkehrschluß nicht dazu führen, das zumindest ein Teil der Leute mehr riskiert, weil sie sich vermeintlich sicherer fühlen. Und in der Folge Rettungsmannschaften grössere Risiken eingehen müssen.

Tatsache ist, das Island ein Reiseland ist, was Gefahren birgt, die sich in vielen Ländern nicht finden. Geothermalgebiete, Gletscher und Flüsse sind definitiv nicht zu unterschätzen und kein Abenteuerspielplatz. Wer sich allerdings einigermassen vorbereitet und sich auf seinen gesunden Menschenverstand verlässt (und die durchaus mittlerweile relativ reichlich angebrachten Warnschilder beachtet), sollte nicht in gefährliche Situationen geraten.

Für Touren im Hochland und den Bergen bietet der isländische Rettungsdienst Landsbjörg den Service an, Routen mit den Leuten durchzugehen und Kontroll- und Durchgangspunkte festzulegen, damit keine Wanderer verlorengehen. Auch können hier Empfehlungen ausgegeben werden, welche Gebiete man besser meiden sollte. Zu finden ist das ganze unter safetravel.is und die Benutzung ist dringend anzuraten.

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nico November 17, 2011 um 07:21 Uhr

Aufklären statt Verbote halte ich für sinnvoller. Gerade die Möglichkeit seine Tour anzumelden um bei einem Unfall (Ausbleiben der Rückmeldung) möglichst schnell und gezielt Hilfe erhalten zu können ist doch ein absoluter Mehrgewinn an Sicherheit. Man braucht sich nichts einbilden 100% ige Sicherheit wird es nie geben und zu Hause zu bleiben bringt ja auch nichts. Wir wissen ja alle, die meisten Unfälle passieren in den eigenen vier Wänden. Also: Hirn einschalten ist nach wie vor immer noch die beste Sicherheitsmaßnahme.

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Michael November 17, 2011 um 10:41 Uhr

Wenn man sich anschaut, in welcher Bekleidung mancher Tourist die isländische Landschaft durchwandert, dann kann gelegentlich nur den Kopf schütteln. Flip-Flops zum Wandern, mit Jeans und Lederschuhen auf den Gletscherausläufer, da fragt man sich, was sich die Leute dabei denken.

So leichtsinnig würde bei sich zu Hause vermutlich niemand aufbrechen.

Ich erinnere mich noch sehr gut an die asiatische Touristin, die mich mitten im Lavafeld in Landmannalaugar nach der Bushaltestelle gefragt, hat, an der in 25 Minuten der letzte Bus abgehen würde. In Stoffhose, T-Shirt und Ballerinas… :-(

Über Kleinstwagen auf F-Straßen wollen wir mal gar nicht reden…

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eule70 November 20, 2011 um 01:32 Uhr

Die Zunahme der Unfälle hat doch sicher auch mit der Zunahme an Touristen zu tun, die mit dem Fall der isl. Krone doch erheblich gewesen sein muss. Als Island noch sehr teuer war, leisteten sich Individualtouristen das doch meist nur, wenn sie sich wirklich sehr für das Land interessierten, und die bereiteten sich dann meist ernsthaft vor.
Aber es gab auch recht skrupellose isländische Autovermieter, die ihre Kunden mit miserabel gewarteten Wagen ins Hochland fahren ließen; 2008 hat uns eine Warden von Nýidalur allerhand haarsträubende Stückchen diesbezüglich erzählt! Es wäre zu hoffen, dass den Vermietern jetzt mehr auf die Finger gesehen wird.

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Christian November 20, 2011 um 20:21 Uhr

Nicht so wirklich. Der Tourismus wächst seit einigen Jahren sehr stark – mindestens seit 2006 (ältere Zahlen habe ich gerade nicht zur Hand). Und ein wirkliches Billigreiseland ist Island ja immer noch nicht – Unterkünfte und Transport sind ja nach wie vor recht teuer. Die Unfallzahlen wachsen auch nicht linear – gerade bei den Verkehrsunfalltoten sind sie seit Jahren stark rückläufig.

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