isländisches Walfleisch auf Irrwegen

by Christian on 11 Juli, 2013

Letzte Woche sind sechs Container mit isländischem Walfleisch von einem Containerfrachter in Hamburg entladen worden. Zuvor hatte es Proteste der Umweltschutzorganisation Greenpeace gegen den Transport gegeben, die auch den Zoll informiert hatten.

Der deutsche Zoll hatte dann die entsprechenden Zollbegleitpapiere kontrolliert und dann die Reederei der „Cosco Pride“ aufgefordert, die Container in Hamburg entladen zu lassen, bis der Fall überprüft ist. Nach einer Überprüfung und Freigabe wurden die Container dann aber nicht wieder an Bord genommen, das Schiff hat Hamburg ohne sie verlassen.

Mittlerweile wurde bekannt, das zumindest ein Teil des Walfleischs als „gefrorener Fisch“ deklariert war, bei einem anderen Teil wurde die Herkunft verschleiert. Dort war „essbares Produkt (Balaenoptera Physalus)“ eingetragen, in Klammern der lateinische Name für Finnwal.

Die Reederei, die zunächst den Transport übernommen hatte, hat nach eigenen Angaben erst nach dem Verlassen des Rotterdamer Hafens (den das Schiff zuvor angefahren hatte) erfahren, worum es sich bei der Ladung handelt. Warum allerdings nicht bereits in Rotterdam gehandelt wurde, wo eine Selbstverpflichtung des Hafens vorliegt, keinen Transit oder Handel mit geschützten Tierarten zuzulassen, bleibt unklar.

Greenpeace forderte den deutschen Umweltminister auf, die Ladung beschlagnahmen und dann vernichten zu lassen, was aber voraussichtlich nicht passieren wird. Berichten zufolge werden die Container mit dem Walfleisch durch Samskip nach Island zurücktransportiert werden. Samskip kündigte mittlerweile an, kein Walfleisch mehr nach Europa transportieren zu wollen.

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Torsten Juli 12, 2013 um 08:21 Uhr

“ Samskip kündigte mittlerweile an, kein Walfleisch mehr nach Europa transportieren zu wollen.“ Find ich gut, dass die bösen Isländer das Leben der armen, armen Wale nicht in Profit umwandeln dürfen. So können die lieben Ökobauern von hier mehr Umsatz machen.
Oder geht’s dabei um was anderes?

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Christian Juli 12, 2013 um 09:57 Uhr

Es geht nicht um böse oder öko, sondern darum, das man Island dazu bekommt, den Walfang einzustellen. Und da das offensichtlich nicht funktioniert, hat man sich jetzt andere Verfahrensweisen überlegt, die anscheinend besser greifen. Wenn es nur noch Geld kostet und keins mehr einbringt, das beendet sich das ganze schnell von alleine.

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Lundi Juli 12, 2013 um 16:04 Uhr

Die Transportwege nach dem „Allesfresser“ Asien zu unterbinden ist wohl der sinnvollste Weg den Walfang in IS zum Erliegen zu bringen.
Beschlagnahme und zurück nach IS ist ok.
Vernichten nicht, denn auch in deutschen Zoo´s werden überzählige, geschützte Pflanzenfresser geschlachtet um die Raubtiere zu füttern.
Die natürliche Jagd wird nicht zugelassen.

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Leon Juli 14, 2013 um 14:07 Uhr

Hallo
Island hat mit der Jagd auf Finnwale eine empfindliche Grenze ueberschritten. Anders als die Jagd auf Schweinswale gelten die Finnwale als gefaehrdete Art (und zwar auch die noerdliche Art).
http://www.iucnredlist.org/details/2478/0
Islaendische Wissenschaftler behaupten (einfach) das Gegenteil – das ist der wesentliche Punkt der ganzen Geschichte. Leider haben sich islaendische Wissenschaftler und Verantwortliche trotz eindringlicher Warnungen sowohl aus dem Ausland als auch aus Island selbst schon einmal getaeuscht: Der Fischbestand im islaendischen Binnensee Lagafljót sei nur gering beeintraechtigt durch den Betrieb vom Kraftwerk Kárahnjúkur (es wird in den Frischwassersee durch den Betrieb des Kraftwerkes truebes Gletscherwasser eingeleitet). Nach ein paar Jahren hat sich nun herausgestellt dass der See absolut tot ist. Neben den islaendischen Binnenfischern finden auch die Voegel keinen Fisch mehr. Eine beispiellose ökologische Katastrophe. Was hat das nun mit dem Walfang zu tun? Nach meiner Meinung ist die Arroganz islaendischer Wissenschaftler und Islands unertraeglich – das Beispiel Lagarfljót zeigt wie sehr Vorsicht angebracht ist aber sie scheinen nichts gelernt zu haben. Das Brisante ist: Nichts beim Lagarfljót war weltweit gefaehrdet – aber die Finnwale sind es. Haben die Islaender wirklich die Kompetenz und Verantwortung – man mag ja schon fragen, die Reife – zu entscheiden was mit einer gefaehrdeten Art passieren soll?
viele Gruesse
Leon

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Stefan Juli 19, 2013 um 16:24 Uhr

Leon, vielleicht solltest du mal überlegen, ob dein Beitrag nicht genau so Arrogant ist, wie du es den Isländern vorwirfst. Ich finde es nicht angemessen derart alle Isländern belehren zu wollen.

Derartige Sünden findest du doch in der ganzen Welt. Schau mal was hier in Deutschland alles so abgeht, zum Beispiel Braunkohletagebau oder die Einleitung in Flüsse aus dem Kalibergbau.

Man kann also gegen solches Fehlverhalten richten, aber nicht in dem man gleich die Isländer als gesamte Gesellschaft verdammt.

Es wird vor allem ausserhalb Island nicht wahrgenommen, das es in Island auch viel Kritik an dem Walfang gibt, und das ein erheblicher Teil des Walfleisches in den Restaurants an Touristen verkauft wird. Es gibt eine Vielzahl an Stimmen die meinen, das es gerade auch diese Nachfrage sei, die den Walfang am leben erhalte. Bei den Einheimischen ist der Konsum an Walfleisch schon lange rückläufig. 2012 war sogar die Rede das bis zu 40% des Walfangs an Touristen verkauft wurde…. Also wer ist jetzt hier der Böse? Einerseits empören sich Touristen über die Zerstörung der Natur und fördern selber den Walfang…….

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Christian Juli 24, 2013 um 18:20 Uhr

Ich finde es nicht arrogant, den Isländern unsinnige Umweltpolitik in Reihe vorzuwerfen.
Bezüglich der Zahlen mit den Walen habe ich so meine Zweifel. Die jetzt zurückgeschickten 6 Container enthielten den Berichten zufolge etwa 130 Tonnen Walfleisch von sechs Tieren. Seit Beginn der Walfangsaison in diesem Jahr sind weitere 65 Tiere getötet worden. Geht man von einer ähnlichen Fleischmenge aus, dann sind das weitere gut 1200 Tonnen, die jetzt auf Halde liegen. Mir sind aktuell drei Lokale in Reykjavik bekannt, wo man auch Wal bekommen kann, ich glaube kaum, das hier diese Mengen auch nur annähernd verzehrt werden können. Die Masse dieser Fänge wird im Kühlhaus enden, da sich mittlerweile keine Firma mehr findet, die es nach Asien transportieren will.

Marianne Kramer Juli 18, 2013 um 11:10 Uhr

Ich war im Juni in Island u.a. auch am Lagarflot. Ich habe mich gewundert, wo denn die Enten und Eistaucher geblieben sind, die wir vor zwei Jahren noch zahlreich beobachten konnten.Ihre Information, lieber Leon, ist also wohl „des Pudels Kern“. Unglaublich, ich muss leider sagen, dass Island teilweise!! kein Vorbild in Sachen Naturschutz ist.
Zum Walfang ließe sich manches sagen. Ich habe den Eindruck, sobald einige Isländer glauben, Ausländer mischen sich in ihre inneren Angelegenheiten ein, werden Dinge, wie eben der Walfang, wider besseren Wissens, unbedingt umgesetzt. Ich denke auch, schwindende Absatzmärkte sind die beste Lösung.
Marianne

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Stefan Juli 24, 2013 um 20:33 Uhr

Man kann die Umweltpolitik kritisieren, jedoch meine ich man sollte nicht generalisieren, wenn man von einer unerträglichen Arroganz Islands redet, so kann man das genau so gut auch zum Beispiel über Deutschland sagen. Beispiele führte ich ja schon an, aber man kann ja noch viel mehr finden, Mühlenbergerloch, Flußvertiefungen, Erdölförderung im Nationalpark Wattenmeer und so weiter.

Und viele machen sich nicht bewusst, das es in Deutschland kaum Naturbelassene Flächen gibt. Es ist ja eigentlich fast alles Kulturlandschaft, alles wurde den wirtschaftlichen bzw. agrarwirtschaftlichen Zwängen unterworfen und wird es bis heute.

Wir sitzen da schon irgendwie im Glashaus und sollten aufpassen wenn wir mit Steinen werfen.

Die Zahlen zum Walfleischkonsum stammen direkt von Organisationen die gegen den Walfang sich engagieren, dort ist auch die Rede von Verbrauchergefragungen, die zeigen, das weniger als 5% der Isländer regelmässig Walfleisch Essen würden und über 85% der unter 25 Jährigen gar kein Walfleisch essen würden.

Der IFAW hat ja auch 2012 in Island die Kampagne „Meet us, don’t eat us“ gestartet um die Touristen zu sensibilisieren.

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Christian Juli 25, 2013 um 18:46 Uhr

Naja, die Reihe der Fälle, wo man negative Umweltgutachten und keine positive Entwicklung allgemein ignoriert hat, ist lang. Da sind beispielsweise der Karahnjukurdamm drauf, die beschriebene Entwicklung im Lagarfjlot und weitere. Und es sieht aktuell leider nicht so aus, als würde sich irgendetwas ändern.

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Lundi Juli 27, 2013 um 12:20 Uhr

Das Thema Karahnjukar taucht immer wieder auf. Es ist wirklich eine ökologische Katastrophe neueren Datums. Den Austrittskanal an der Fljotsdalstöð mit diesem Betonschiff auch noch als Sehenswürdigkeit zu bezeichnen fand ich besonders räudig!

Stefan in DE ist man lernfähig was Berg-und Landschaftsschäden aus Braunkohlen- und Kaliabbau betrifft. Das sind die Isen offensichtlich noch nicht.

Die Salzbelastung der Flüsse im Werra-Fulda Gebiet ist rückläufig, und Verarbeitungsrückstände des Werkes Zielitz werden zur bergmännischen Sicherung und Versiegelung der Endlagerstätte in Morsleben verwendet.

Andererseits sind in den Deichachten viele Bauern gegen Vogelschutz!
Warum verzichten Atomkraftgegner nicht auf eine 24h Versorgung mit Strom? Nur wenn die Sonne scheint oder der Wind weht sollten sie versorgt werden!

Technologischen Fortschritt und ein leichtes Leben in den Einklang mit der Natur zu bringen ist schwierig.
Aber man muss der Natur die Möglichkeit geben, sich zu regenrieren!!!

In De ist ein entsprechender öffentlicher Druck vorhanden, der in vielen Ländern fehlt!!!

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