Sturm und Asche

by Christian on 19 September, 2013

Das Stürme in Südisland auch immer wieder die Vulkanasche der Ausbrüche von 2010 und 2011 in die Luft bringen, hatte ich ja schon häufiger thematisiert – teilweise reicht das bis nach Reykjavik. So ist das auch vorgestern (am 17.09.2013) passiert, da war das Phänomen dank der Windrichtung aber auf Südisland (und die Westmännerinseln) beschränkt, wie dieses Satellitenbild zeigt.

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Satellitenbild von Südisland, Original bei der NASA. Hochaufgelöste Version bei Klick aufs Bild.

Links oberhalb der Bildmitte sieht man schön Myrdals- und Eyjafjallajökull, auf beiden Seiten der Gletscher sieht man die Staubfahnen über dem Wasser. Das dieser Staub in Verbindung mit dem Sturm nicht nur lästig, sondern auch gefährlich werden kann, haben jetzt eine Reihe von Touristen erfahren, zwei Franzosen haben es damit bis auf die Titelseite des „Frettabladid“ geschafft.

Sie waren trotz Warnungen auf den grossen Sanderflächen des Skaftafell unterwegs, als sie dort in einen Sandsturm gerieten. Dabei war nach kurzer Zeit die Sicht komplett blockiert, mitfliegende Steine zerstörten eine Seitenscheibe des Autos. Der Rettungsdienst sammelte die Touristen dann auf, was bleibt sind aber die Schäden am Mietwagen.

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Auto nach Sandsturm – die Originalfarbe vorher war weiß! Bild vom Frettabladid.

Die sind erheblich, neben der zerstörten Scheibe bschädigte der feine Sand auch die Lackierung des Autos erheblich, das stellenweise aussieht, als wäre es gesandstrahlt worden. Die Kosten in Höhe von gut 1 Mio Kronen (etwa 6000 Euro) werden die Touristen selber tragen müssen, da sie keine entsprechende Versicherung hatten.

Der isländische Tourismusverband kritisierte nach den Vorfällen die Autovermieter dafür ihre Autos ohne entsprechende Versicherung anzubieten. Der Sprecher sagte wörtlich, das Touristen die Kraft von Stürmen im Land nicht gewohnt wären und daher häufig nicht abschätzen könnten, wie gefährlich das Wetter wirklich ist.

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Silke September 21, 2013 um 10:29 Uhr

Das muss für die Leute ein Alptraum gewesen sein – mit Glück, dass sie körperlich heil geblieben sind, aber schweren finanziellen Folgen.

Was der Sprecher des Tourismusverbandes sagt, ist glaube ich der springende Punkt: diese Naturgewalten/ Gewalt des Sturmes kennen wir auf dem europäischen Festland praktisch nicht. Da fehlt uns jeder Erfahrungswert, um eine Gefahr realistisch einzuschätzen.

Dazu kommt in diesem Fall wohl noch, so habe ich es zumindest gehört, dass die Warnung/ Sperrung der Straße nur auf Isländisch erfolgt ist. Und der Durchschnittstourist kann nun mal mit dem Wort „ófært“ nichts anfangen.

In diesem Fall scheint es mir, dass die Touristen da mal nur eine geringe Verantwortung trifft und sie sich nicht leichtsinnig und sehenden Auges in Gefahr gebracht haben.

Hoffentlich ergreifen die Verantwortlichen nach dieser Erfahrung gute Verbesserungsmaßnahmen, auch um Wiederholungen schon im Keim zu ersticken.

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Stefan September 21, 2013 um 12:33 Uhr

Die Schilder, die ich gesehen habe, hatten neben „ófært“ immer auch ein „road impassable“ stehen. Ich kenne in dem Bereich auch automatische Warntafeln hinter Vík, bei Freysnes und am Jökulsárlón. Alle zeigen Temperatur und Windgeschwindigkeit, die der Böen zusätzlich in rot an. Nur können die wenigsten mit den Angaben in m/s etwas verbinden, 42 z.B. hört sich harmlos an – es sind aber über 150km/h!
In Europa fliegt bei den Geschwindigkeiten die Botanik und auf Ísland halt die Geologie.
Ob jetzt, wie vom Touriverein angemerkt, eine Versicherung die Lösung der Probleme darstellen könnte, glaube ich nicht! Ein Sander bei Sturm sieht schon beeindruckend erschreckend aus (am Lómagnúpur drehte ich auch schon einmal des Anblicks wegen um), wer dann weiterfährt und niemanden Ortskundigen vorher fragt übernimmt doch einiges an Verantwortung! In Vík, Klaustur und Freysnes gibt es Tankstellen, da kann man ebenso gut nachfragen wie sich der weitere Weg gestaltet, wie bei den Hótels in denen man vorher übernachtet hat!

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Anderer Stefan ;) September 23, 2013 um 13:41 Uhr

Die Tafel hinter Djúpivogur Richtung Höfn zeigt definitiv nur „ófært“ an, kein Englisch und zu dem Zeitpukt (Sonntag mittag) auch keine Windgeschwindigkeiten mehr. Einige andere Touris sind auch dann direkt mal weitergefahren, wurden allerdings zum Glück von den Rettungskräften wieder nach Djúpivogur zurückgeschickt.

Hier könnte sicherlich noch das eine oder andere verbessert werden, generell denke ich aber das man etwas Selbstverantwortung auch von Touristen erwarten darf, die nächste Tourist-Info oder Tankstelle ist ja meistens nicht weit.

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Karsten September 23, 2013 um 16:12 Uhr

Also wir haben 2013 eine Jeeptour in die þorsmörk gemacht und haben gesehen wie ein Land Cruiser in der Crossa steckte mit einer Gruppe Touristen, denen im Innenraum schon das Wasser bis zu den Knien steckte und die verzweifelt versuchten aus der misslichen Lage zu kommen. Unser Guide hat denen gesagt macht den Motor aus und wartet auf den Trekker, der glücklicherweise dann auch nach 2 Minuten kam. Ich kann mir vorstellen dass das für die Gruppe ein recht teurer Spaß wurde.

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Christian September 24, 2013 um 06:51 Uhr

Ich denke schon, dass eine entsprechende Versicherung hier wirklich hilfreich wäre. Man kann zwar von Touristen erwarten, dass sie sich ünber die Wetter- und Wegeverhältnisse informieren und nicht fahren, wenn die Strecken gesperrt sind – haben wir ja auch gemacht. Vegagerdin verrät einem das am Telefon ja auch auf Englisch. Wir waren während des Sturms in der Nähe von Höfn, und unser Auto wurde auf dem Hotelparkplatz von umherfliegenden Steinen beschädigt (waren im Endeffekt ca 4000 €), und anderen Touristen erging es da genauso. Wir hatten keine Chance, die Autos geschützt zu parken oder den Schaden irgendwie zu verhindern, mussten aber trotzdem zahlen. Da wäre eine Versicherung wohl schon angebracht…

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Klaus September 26, 2013 um 16:58 Uhr

Wir sind am 15.9.2013 frueh von Klaustur nach Skaftafell gefahren, und haben da den Beginn des Sandsturm erlebt. Zum Glueck war er da noch nicht so stark und wir sind jetzt mit blauem Auge (2000 Euro Schaden) davongekommen.

Alle Autos, die im Laufe des Tages nach uns kamen, hatten z.T. extreme Beschaedigungen, wir haben bestimmt 3 Jeeps mit komplett zerstoerten Scheiben gesehen. Der Typ von unserer Autovermietung ProCar hat sogar erzaehlt, dass eine Gruppe mit einem nagelneuen Audi Q7 wohl einen Schaden von 3 Millionen Kronen (20000 Euro) verursacht hat.

Eine Versicherung waere also wohl wirklich angebracht, oder zumindest sollten die Autovermietungen deutlicher daraufhinweisen, dass es keine gute Idee ist, in den Sandern bei starkem Wind zu fahren.

PS: Ein Foto von der Strasse hab ich auch noch: http://imageshack.us/photo/my-images/826/xk1i.jpg/

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