Serie von Depressionen im Gletschereis entdeckt

by Christian on 28 August, 2014

Bei einem Überwachungsflug gestern abend haben Geowissenschaftler auf dem nördlichen Vatnajökull nahe Bárðarbunga eine Reihe neu formierter Depressionen (Krater oder Einsinkungen) entdeckt. Diese „Krater“ sind insgesamt zwischen 4-6km lang, etwa 1km breit und haben eine Tiefe zwischen 10 und 15m. Aufgrund von relativ schlechten Sichtbedingungen wollten die Wissenschaftler die Existenz weiterer Krater nicht ausschließen. Auf einem Infrarotbild des Überwachungsfluges ist der Eiskrater gut zu sehen:

Die Karte des isländischen Fernsehsenders RÚV zeigt die ungefähre Lage der Eiskrater („Sigkatlar“):

sigkatlar klukkan 23 52 agust 27 0

Nach Berechnungen sind für das Auftreten dieser Depressionen etwa 30 – 40 Mio Kubikmeter Eis geschmolzen. Nach den Aufregungen vom letzten Wochenende sind die Geowissenschaftler etwas vorsichtiger mit Vorhersagen, solche relativ massiven Gletscherschmelzen in kurzer Zeit sind normalerweise aber immer mit vulkanischer Aktivität (Ausbruch oder Geothermal) assoziiert, so das es hier zu einem subglazialen Ausbruch des Bárðarbunga gekommen sein kann.

Wohin das Schmelzwasser abfliesst, ist im Moment unklar, da sich der Schmelzort in der Nähe der Wasserscheide am Vatnajökull befindet und somit je nach genauer Lage sowohl ein Abfliessen nach Norden als auch nach Süden möglich ist. Genauere Daten zu dieser erneuten Aktivität wird es im Laufe des Tages nach neuen Aufklärungsflügen geben.

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Serian T. Kallweit August 28, 2014 um 07:47 Uhr

Könnte diese Absenkung im Gletscher nicht auch damit zusammenhängen, dass sich die Caldera absenkt? Die stärkeren Beben in diesem Gebiet werden ja auf das Absinken der Caldera des Bardabunga zurückgeführt, weil Magma von der Bardabunga-Magmakammer eventuell nach Nord-Osten abfließt und sich deshalb die Caldera absenkt.
Wenn dem so sein sollte, sind Brüche und Vertiefungen im Eis vielleicht gar kein Anzeichen für eine Eis-Schmelze, sondern nur für ein Absinken des Eisschildes über der Caldera?

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Christian August 28, 2014 um 08:18 Uhr

Die Ausdehnungen durch die einströmende Magma sind im cm-Bereich (aber über eine sehr grosse Fläche, daher sind die damit verbundenen Volumina auch sehr hoch). Diese Absenkungen im Bereich der Caldera des Bárðarbunga werden auch beobachtet (ich kann nachher gerne mal die entsprechenden Daten nachschauen). Die hier abgesunkenen Volumina stehen aber wohl klar in Verbindung mit Schmelzereignissen, einen ähnlichen Effekt hat man ja auch 2011 auf dem Mýdalsjökull gesehen, nachdem die Katla etwas aktiver war. Die Hauptfrage im Moment ist: Lava an der Oberfläche oder geothermale Aktivität.

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Carsten August 28, 2014 um 09:07 Uhr

Danke für die informativen Berichte.
Wenn man die Presse hier in Deutschland liest, denkt man der Vulkan ist schon ausgebrochen. Die verbreiten echt Panik hier, allen voran die Bild Zeitung, für die das in sommerlich ein gefundenes Fressen ist.

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Kim August 28, 2014 um 10:24 Uhr

Hey ….

Ja wirklich vielen Dank für deinen Blog. Fliegen Sonntag mittag nach Island. Bin dauerhaft am zittern wenn sich neue „Schlagzeilen“ offen legen die sich hinterher nur als totaler Quatsch rausstellen.

Bin dauerhaft auf deiner Seite – die echt eine der wenigen ist die eine wirklich gute Berichterstattung hat.

Dickes Lob !

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walther August 28, 2014 um 12:32 Uhr

30 – 40 Milllionen m³ abgeschmolzen… Die Frage ist, wo sind die Wassermassen denn hin? Hätte es da nicht einen gewaltigen Schlag geben müssen, bei so viel Dampf?
Auf jeden Fall bleibts spannend, und danke für diesen Blog!!! Ein wirklicher Lichtblick, gegenüber unserer anderen „Qualitätspresse“.

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Christian August 28, 2014 um 13:13 Uhr

Das ist aktuell eine der offenen Fragen. Das es unter dem Gletscher Seen gibt, weiss man schon länger, diese füllen sich periodisch und wenn sie zu voll werden, gibt es mehr oder weniger grosse Gletscherläufe. Die Theorie im Moment ist, das das Wasser in Richtung des Grímsvötn (in dem Fall der See unter dem Gletscher, die Namensgebung ist hier leider nicht besonders eindeutig) abläuft und sich da sammelt. Wann es wieder an die Oberfläche kommt, wird sich zeigen, bei dem (sehr grossen) Ausbruch 1996 hat es fast vier Wochen gedauert.

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Oliver August 28, 2014 um 12:37 Uhr

Hi Christian,
super Blog und die Erklärungen! Ich informiere mich wie Kim hier über die Vorgänge in Island. Ich fliege ebenfalls am Sonntag – allerdings in die USA. Also bleiben wir weiterhin gespannt was passieren wird. Ich hätte da aber noch eine Frage: wie ist denn die Windrichtung derzeit über dem Gebiet? Eventuell würde nach einer Eruption und einer Aschewolke alles auch nach Norden oder Richtung Grönland getrieben werden und die ganze Aufregung hier in Deutschland – geschürt von der BILD – wäre damit hinfällig, selbst wenn es zu einem Ausbruch kommt.

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Urlauber August 28, 2014 um 13:08 Uhr

Als nicht Experte bekomme ich so lagst richtig Panik. Nächste Woche Dienstag steht ab Düsseldorf eine lang geplante Reise an. Muss ich mir Sorgen machen, dass ich wegen einer Aschewolke nicht fliegen kann. Danke für eine mögliche kurze Antwort.

PS: Super Blog hier.

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Christian August 28, 2014 um 13:16 Uhr

Da kann ich nur eines sagen: Man weiss es nicht. Wenn es zu einem Ausbruch kommt (was nicht sicher ist und auch nicht zeitnah passieren muss), hängt es von den Gegebenheiten ab. Also wo die Ausbruchsstelle genau ist, wie der Wind steht usw. Der Ausbruch des Grímsvötn (jetzt ist der Vulkan gemeint) 2011 hat erheblich mehr Asche produziert als der des Eyjafjallajökull, davon war im wesentlichen aber nur Island betroffen. Ich würde fliegen (bzw. ich bin neulich geflogen) und schauen, was sich entwickelt. Spekulationen über was sein könnte bringen hier eher wenig. Und nicht von den Medien verrückt machen lassen…

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Hans-Jürgen August 28, 2014 um 14:35 Uhr

Hallo,
ich lese seit einigen Tagen hier auch immer mit. Da wir am 9. September nach den USA fliegen wollen, interessiert schon, ob es da eventuell Flugverbote geben könnte.
Bei all der Suche nach Infos im Internet habe ich festgestellt, dass man bei irgendwelchen Zeitungen (auch den „seriösen) keine ordentlichen Infos bekommt. Nur Panikmache.
Deshalb finde ich diese Seite hier große Klasse, zumal man gleich etwas in Sachen Vulkane dazu lernen kann.
Einzig die FAZ deute mal an, dass die Windrichtung jetzt anders wäre, als damals bei dem großen Flugverbot.
Meine Frage ist, ob man die hier rechts immer angegebene Windrichtung auch für die eventuelle „Ascheabtransportrichtung“ in Erwägung ziehen kann.

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Urlauber Nr. 2 August 28, 2014 um 14:55 Uhr

Also ich fliege auch am 22.09.14 und habe Panik was denken Sie kann es sein das es bis da hin ausbricht.
Wir haben eine große Reise vor uns komme selber aus Nord Deutschland. Oder würde es uns nicht treffen ich Blicke nicht durch habe schon schlaflose Nächte… Ich bedanke mich schon voraus für die Antworten PS die Seite ist Seher Informationen Reich…

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walther August 28, 2014 um 16:54 Uhr

Passieren kann alles und nichts, das weis halt keiner. Dafür ist es Natur, eben nicht berechenbar. Warum schlaflose Nächte? Frei nach Charly Harper: It´s a Problem WHEN it´s a problem. Etwas mehr Gelassenheit und weniger deutsche Tageszeitungen, und man lebt einiges ruhiger… ;-)

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Tomy August 28, 2014 um 15:36 Uhr

Hi, ich will auch am 6 September in die USA fliegen, eine Reise die ich lange geplant habe und mir viel vorgenommen hab, wäre sehr schlimm für mich wenn das alles jetzt scheitern würde da ich dieses Jahr viel Pech hatte und sehr viel verloren hab.
Hoffe wirklich ich hab noch etwas Glück und kann meine Reise machen!
Tolle Infos hier! Bei den „Großen“ liest man ja nur vom neuen ASCHEMONSTER! Ohne jede Grundlage!

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Urlauber Nr 2 August 28, 2014 um 17:20 Uhr

Hi walther

Ich habe so viel Geld gezahlt für Flug und Hotel.habe 2 Jahre gespart.
Und jetzt alles aufgeben ???? das ist echt schade.Ich bin ein Mensch bei mir muss alles Perfekt abgestimmt sein und wenn ich sowas Höre dann bekomme ich Panik:-)
Klar hast Recht Das ist die Natur… Wir stecken nicht drin.

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