Entwicklung am Bárðarbunga [14.]

by Christian on 6 September, 2014

In den letzten Tagen war immer von neuen Spalten die Rede, die sich geöffnet oder verlängert haben (eine interessante Seitennotiz ist, das die Geologen im englischen dafür das deutsche Wort „Graben“ benutzen). Dazu hat die Universität ein sehr interessantes Foto veröffentlicht, das zumindest für Teile dieser Verwerfungen mal den Maßstab zeigt, Geologie live sozusagen:

140906 new graben

Neue Verwerfungen in Island. Bild veröffentlicht von der Universität von Island, Fotograf Thor Thordarson, Original hier.

Diese aufgrund der im Untergrund stattfindenden Magmaintrusion neuen Verwerfungen (die eindringende Magma drückt quasi die darüberliegende Erde nach oben um sich Platz zu verschaffen) sind auch der Hauptgrund dafür, das die Eruptionszone immer noch gesperrt ist. Und wenn überhaupt, nur mit einer Sondergenehmigung betreten werden kann. Das passiert aus Sicherheitsgründen und wird auch relativ dicht überwacht. So wurden in den letzten Tagen mehrfach Autos erwischt und festgesetzt, die versucht hatten, ohne Genehmigung in die gesperrte Zone einzudringen. Auf sie warten hohe Geldstrafen, hier auch ein Bericht von RÚV zu diesem Thema.

Dann liegt eine weitere chemische Analyse der neuen Lava vor. Diese unterscheidet sich nur unwesentlich von der ersten und ist nach Angaben der Geologen völlig normal für diesen Ausbruchstyp. Die Analyse ist hier zu finden. In den letzten Tagen war auch die Rede davon, das sich im Dyngjujökull in Verlängerung der Eruptionsspalte ein Eiskrater gebildet habe. Dazu wurde gestern ein Bild veröffentlicht, das bei einem Überwachungsflug der isländischen Küstenwache aufgenommen worde.

140906 dyngjujokuls ketill 1sept 2014b

Radarbild des Dyngjujökull, der Eiskrater ist markiert und vergrössert dargestellt. Bild von der isländischen Küstenwache/Universität von Island.

140906 IMG 1240-1024x682

Derselbe Krater gestern. Die Farben entstehen durch unterschiedliche Reflektion der Sonne auf dem Eis. Bild von der isländischen Küstenwache, Original hier.

Für alle nochmal der Hinweis aus den Kommentaren: Wer selber schauen will, wie der Zustand der Atmosphäre in Bezug auf Asche ist, der kann sich die Berichte des Aschewarnzentrums für Europa in London ansehen, die hier zu finden sind. Der aktuellste Bericht steht jeweils ganz oben, im Moment gibt es keine Empfehlungen für Vulkanasche in Europa weil keine in der Luft zu finden ist.

{ 7 comments… read them below or add one }

mami September 6, 2014 um 11:45 Uhr

Danke Chris für deine sehr ausführlichen und für mich als Laien verständlichen Erklärungen!!
Gruß mami

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Melii September 6, 2014 um 16:14 Uhr

Was denkt ihr was in zwei bis drei Wochen passieren wird? Große Aschewolke oder eine Explosion?

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westcoastgringo September 6, 2014 um 19:36 Uhr

Moin, moin Christian,
Sie schreiben hier einen sehr guten und informativen Blog. Gut ist auch Ihre verständliche Darstellung mit wissenschaftlichen Daten und Fakten. Vor allem sind die Bildberichte dann noch zur Verdeutlichung sehr gut.
Interessant sind dann aber die Comments, ob jemand den Fortgang beim Vulkan vorhersagen kann. Ich habe lange an der Nordsee gelebt und sage nur: „Mutmaßungen über Jakob“. Dazu finde ich Ihre Äußerungen/Aussagen gut. Wissenschaftler können oft nur reagieren auf Entwicklungen und nicht agieren.

Der Mensch sollte mal wieder erkennen: Wir leben mit und nicht von der Natur. Und die Natur zeigt uns letztendlich, wohin der Weg geht.

Machen Sie weiter so und schöne Grüße aus dem Norden Deutschlands
Westcoastgringo

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Michael, Diplom-Geologe September 6, 2014 um 21:15 Uhr

Frage an einen Geologen: Was ist 2 mal 2?
Antwort des Geologen: Das Ergebnis liegt irgendwo zwischen 3 und 5, aber nageln sie mich ja nicht fest!
Selbst die Spezialisten in Island können nur vermuten was eventuell alles passieren könnte, siehe den aktuellen Bericht vom Scientific Advisory Board of the Icelandic Civil Protection: http://en.vedur.is/earthquakes-and-volcanism/articles/nr/2947
Was wirklich passieren wird weiß nur der liebe Gott

Gruß, Michael

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Roland A. Mores September 6, 2014 um 22:43 Uhr

Einspruch einer Kreatur von grundsätzlich eher bescheidenem Wesen und Verstand an die Adresse des Diplom-Geologen Michael: Mit Verlaub – der liebe Gott weiss genau so wenig, was wirklich passieren wird – er taugte noch nie als Erklärungshilfe für Vorgänge in der Natur, und seriöse Wisschenschafter berufen sich meines Wissens in der Argumentation auch nie auf ihn – sehr wohl aber auf systematische Beobachtung & Auswertung, auf Analyse & vorsichtige Interpretation.

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andina September 6, 2014 um 21:17 Uhr

Du bist ein Held.Waren im Sommer zwei Wochen inIsland.Wahnsinn!!!!!!!Werden zum Jahreswechsel wieder da sein.Verfolgen Deinen Blog stündlich.Mach weiter so!

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Serian T. Kallweit September 8, 2014 um 08:03 Uhr

Auf der Bardabunga (1) live Cam sieht man inzwischen ab und an schön die Wechselwirkung der Lava mit dem Wasser der Jökulsa. Da steigen dann kräftige Dampfwolken auf (Pfeil):

http://s7.directupload.net/images/140908/qr26ein4.jpg

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