Was kann am Bárðarbunga passieren?

by Christian on 10 September, 2014

Dieser Artikel beschäftigt sich mit möglichen Szenarien, die die isländischen Geologen im Bereich der Caldera des Bárðarbunga für möglich halten. Eine derartige Situation (Caldera unter Gletscher, Absinken derselben etc.) ist bisher noch nicht beobachtet worden und stellt für die Wissenschaftler spannendes Neuland dar. Eine Aussage dazu ob überhaupt etwas passiert und welches der möglichen Szenarien eintritt, kann niemand machen.

Ebenso sind die Folgen unklar, ich bitte also von weiteren Fragen, ob es zu Ascheausbrüchen oder der Beeinträchtigung des Flugverkehrs kommen wird, abzusehen. Zudem haben sich seit 2010 die Regularien, wie bei Asche in der Luft zu verfahren ist bzw. auch welche Grenzkonzentrationen an Partikeln in der Luft vorhanden sein dürfen, um einen gefahrlosen Flugbetrieb zu gewährleisten, geändert. Bereits der Ausbruch des Grímsvötn 2011 (der mehr als doppelt soviel Asche in die Luft schleuderte wie der Eyjafjallajökull) hat den Flugbetrieb kaum beeinflusst.

In den letzten Tagen kam es ja, wie ich schon mehrfach berichtet habe, zu einer grösseren Absenkung des Calderabodens des Bárðarbunga und damit verbunden zu Einsenkungen im Eis des darüberliegenden Gletschers. Den Geologen macht diese Einsenkung einiges an Sorgen, da sie nicht wissen, wie sich diese Veränderungen auswirken werden. Auf Basis der vorhandenen Daten haben sie drei Modelle erstellt, die sie für möglich halten, die aber (ich wiederhole mich hier) nicht eintreten müssen. Die Modelle und Graphiken sind von Magnús Tumi Guðmundsson und Páll Einarsson von der Universität von Island erstellt.

Im ersten Fall kommt es zu weiteren Absenkungen im Bereich der Caldera durch die weitere Entleerung der Magmakammer des Bárðarbunga. Die Magma tritt weiterhin ohne Komplikationen im Bereich Holuhraun aus und kommt irgendwann zum erliegen. Es gibt keine weiteren Komplikationen. Die Graphik zeigt den sich bewegenden Calderaboden und die Magmakammer sowie den Abfluß der Magma in Richtung Holuhraun.

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Graphik von Magnús Tumi Guðmundsson und Páll Einarsson von der Universität von Island. Original hier.

Szenario B ähnelt Szenario A sehr stark, es kommt aber zu einer erheblich stärkeren Absenkung des Calderabodens. Es tritt zudem bei Holuhraun erheblich mehr Lava aus und die Eruption ist möglicherweise sehr viel langlebiger als im ersten Szenario.

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Graphik von Magnús Tumi Guðmundsson und Páll Einarsson von der Universität von Island. Original hier.

In Szenario C kommt es zu einer starken Absenkung des Calderabodens und infolgedessen kollabiert dieser entweder oder wird an einer der Bruchkanten entlang der Bewegungsrichtung „undicht“ und Magma steigt auf. Diese kommt dann in Kontakt mit Eis (und Wasser) was zur Entwicklung grosser Mengen an Wasserdampf, dem schmelzen des Gletscher und möglicherweise der Entwicklung grosser Aschemengen führt. Es ist auch wahrscheinlich, das in diesem Szenario die aktuelle Holuhraun Eruption stoppt und die Lava am Bárðarbunga ausbricht. In diesem Szenario entsteht mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine grosse Menge an Schmelzwasser, die zu einem Gletscherlauf führen wird. Weitere Informationen hierzu sind (auf Englisch) im Blog von David McGarvie zu finden.

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Graphik von Magnús Tumi Guðmundsson und Páll Einarsson von der Universität von Island. Original hier.

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Ulla September 10, 2014 um 21:06 Uhr

Danke für die immer tollen Informationen und links. Habe gerade ein bisschen bei David McGarvie gelesen.
Obwohl ich totaler Laie bin, finde ich es sehr interessant über die Zusammenhänge zu lesen, tolle Fotos gibt es noch dazu zu sehen.
Gruß Ulla

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Serian T. Kallweit September 11, 2014 um 05:56 Uhr

Mein rein theoretisch: wenn Szenario 3 passieren würde, ist es wirklich sehr wahrscheinlich, dass es dann zu Gletscherläufen kommt? Könnte das Wasser, selbst wenn es sehr viel wäre, nicht im Becken der Caldera gefangen bleiben ähnlich wie im Öskjuvatn der Askja?

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Christian September 11, 2014 um 08:11 Uhr

Das hängt stark von der Grösse des Ausbruchs ab. Die Geologen gehen mittlerweile davon aus, das alle neuen Eiskrater durch kurzlebige, kleine Eruptionen verursacht worden sind. Weitere Anzeichen ausser diesen Veränderungen der Gletscheroberfläche gibt es nicht, das zeigt also ganz gut die mögliche Bandbreite. Dave McGarvie schreibt im verlinkten Blogbeitrag, das austretende Lava bis zum 14 fachen des Eigenvolumens an Eis schmelzen kann, wobei er eher vom 5-10x ausgeht. Dann hängts auch noch davon ab, wo der Ausbruch stattfindet und in welche Richtung das Wasser abläuft. Der Ausbruch 1996 (der ja danach von einem gewaltigen Gletscherlauf begleitet wurde) hatte ein Volumen von geschätzten 3,4 Kubikkilometern.

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christian siegel September 11, 2014 um 09:46 Uhr

im Moment wird das Gebiet gerade überflogen (webcam bardarbunga2) , wobei , vor kurzer Zeit war auch die linke , mächtigste Lavafontäne gut zu sehen , seit einiger Zeit aber bleibt sie hinter einem Dampf/Gasvorhang versteckt . Woher kommt dies ? Wurde villeicht ein Gletscherbach verlegt und verdampft nun ? Auch gestern war meist nichts zu sehen ausser Dampf . Gibt es eigentlich schon ein weiteres update zur Ausdehnung des Lavafeldes ?

Gruss Chri

christian siegel September 11, 2014 um 06:10 Uhr

Hallo allseits ! Wirklich spannend und der blog entspricht genau meinem Wunschtraum , vorzüglichsten Dank Christian !

Kurioserweise decken sich meine Überlegungen immer wieder dem was später hier zu lesen ist , so hatte ich mir gestern etwas vorgestellt , das ich heute haargenau im Scenario C wiederfinde . Dass Wasser zurückbleibt glaube ich nicht , denn bei solch einem Einsturz entsteht ja auch gewaltig Scherwärme , also zusätzliche Reibungswärme und das in Gegenwart von Hausgrossen Eisblöcken . Ich würde eine lange Folge von phreatischen Explosionen erwarten . Nicht klar ist mir ob und wieviel Schmelzwasser unter dem Eis ist , kann mir eigentlich nicht vorstellen , dass es im Zuge der Absenkung NICHT zu erheblichen Aufschmelzungen kommt . Was aber , wenn dann noch ein Gletscherlauf über das Lavafeld läuft , ist ja immerhin eine etliche qkm grosse Kochplatte …..

besste Grüsse aus Westösterreich
Chri

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Martin September 11, 2014 um 10:12 Uhr

Hallo Christian,

deinen Blog verfolge ich seit Beginn der Eruptionen am Bardarbunga und möchte an dieser Stelle ein großes Lob für deine sachliche Berichterstattung loswerden, die auch für interessierte Laien wie mich verständlich ist. Die Abgrenzung zum Sensationsjournalismus in den meisten der deutschen Nachrichtenseiten ist der Grund dafür, warum ich täglich wiederkomme und mich freue, wenn ein neuer Beitrag zu lesen ist. Die Ironie, dass ich eben wegen der „Sensation Vulkanausbruch“ hier bin und damit genau der Zielperson des angeprangerten Sensationsjournalismus entspreche, ist mir bewusst. ;)

Weiter so und vielen Dank!
Martin

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christian siegel September 11, 2014 um 10:39 Uhr

Hallo Martin ,

… eben nicht ! Die Zielpersonen sind einfach unkritisch sensationslüstern , das ist etwas anderes . Unsereins ergötzt sich daran die physikalischen Ereignisse auch ein wenig zu verstehen und das setzt Grübeln voraus …
Habe kürzlich zB auf youtube einen sehr schlechten Yellowstone-Bericht angeschaut , wenig brauchbares und Fiction auf Effekt zugeschnitten , aber daneben auch einen erstklassigen Bericht zu Piton della Fournaise (allerdings auf französisch) . Man muss eben sehr selektiv bleiben …

und lass dir die Freude nicht verderben …

Chri

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christian siegel September 11, 2014 um 10:43 Uhr

sorry , gleich nochmal … schaut mal bei webcam Bardarbunga 2 rein … sieht doch krass aus … eas geht da ab ??? Die Sicht ist ja wieder sehr gut .

Chri

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Urlauber Nr. 2 September 11, 2014 um 12:40 Uhr

Das hört nicht auf wir immer schlimmer Erdbeben 5,4 stark. Jetzt kommt das Gas noch da zu mal gucken wann es so weit ist bis sich eine neue Spalte öffnet? Die Medien spinnen total Rum die setzen sich mit Leuten zusammen schreiben nur Schwachsinn. In Island wird die lange nur schlimmer iPhone denke die wissen ganz genau was passieren wird aber sagen es nicht. Danke an Christian echt schön dein Blog

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Christiane September 11, 2014 um 14:56 Uhr

Christian Siegel, sehr wahre Worte!!!!
Wenn ich auf den Vulkan angesprochen werde, dann beziehen sich die meisten Leute auf die Fernsehberichte (was ja auch schon ein wenig her ist) und nicht fürs Detail, das ist dann wieder etwas zu viel Natur…..

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Heike September 11, 2014 um 16:41 Uhr

Hallo an alle danke für so ein tolles Blog.

Ich möchte Ende diesen Monat eine Reise nach Dubai buchen aber ich habe Angst das ich nicht fliegen kann. Ich wohne in Hamburg jetzt ist die Frage ob der Vulkan bis 20 September ausbricht. Ich weiß mittlerweile das keiner was da zu sagen kann aber ich bitte um die Meinung von euch würdet ihr die Reise buchen oder das sein lassen. Ich spiele seit 3 Tagen mit den Gedanken. Habe Angst. Liebe grüße Heike

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Christian September 11, 2014 um 18:21 Uhr

Ich würde buchen und ausserdem einen Plan B überlegen, falls es nicht klappt.

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Heike September 11, 2014 um 18:31 Uhr

Plan B gibst nicht entweder oder (-:

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Ilka September 11, 2014 um 23:25 Uhr

Ich bin mittlerweile gut im Urlaub angekommen(yay!),schaue aber wie magisch angezogen weiter wie sich die Lage entwickelt…und langsam rückt für mich nicht die Gefährdung meiner Rückreise ( ohje, länger in Schottland bleiben- wie schrecklich😉) sondern eher Sorge um Isländische Bevölkerung und , was es global bedeutet wenn das Ding dann doch explodiert? Naja, andern können wir nix, hoffe aber für alle das sie ihren Urlaub wahrnehmen können und daaaanke für diesen echt informative, unpanicky Blog!

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Christian September 11, 2014 um 10:19 Uhr

Die Eruption setzt selber grosse Mengen an Wasserdampf (und Schwefeldioxid) frei, zusätzlich können es auch Dampfschwaden von der Jökulsá sein. Und durch die grosse Wärme hat das Eruptionsgebiet sein eigenes Mikroklima was von der Umgebung verschieden sein kann. Das betrifft besonders die Windrichtung.

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