Pages: Prev 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 ... 138 139 140 Next

Regierungskrise

by Christian on 5 April, 2016

Die Regierungskrise in Island beruhigt sich nicht – sie wird möglicherweise mit dem Ende der aktuellen Regierungskoalition kulminieren. Gestern protestierten nach Angaben der isländischen Polizei ungefähr 22.000 Menschen auf dem Platz vor dem Parlament und in den Strassen darumherum. Das ist eine historische Zahl, die die Zahl der Demonstranten nach der Finanzkrise weit übertrifft (damals waren regelmässig so 10 – 12.000 Demonstranten auf dem Platz) und möglicherweise die grösste Demonstration in der Geschichte des Landes ist. Weitere Proteste gab es auch in Akureyri.

Die Zahl der Demonstranten ist auch im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung (gut 330.000) gewaltig und zeigt gut den Ärger und die Frustration über die aktuelle Regierung. Diese war im letzten Wahlkampf mit großen Versprechen angetreten, hat diese aber reihenweise nicht (oder noch nicht) erfüllt. Dem ganzen die Krone aufgesetzt hat aber das Verhalten des Ministerpräsidenten gestern in einem Fernsehinterview.

Dort sagte er wörtlich, das er nicht daran denke, zurückzutreten, und wenn die Bevölkerung unzufrieden mit ihm wäre, sollte sie bei den nächsten Wahlen jemand anders wählen. Regulär wären die nächsten Wahlen erst 2017, im Moment sieht es aber durchaus so aus, als könnte es noch in diesem Jahr vorgezogene Neuwahlen geben. Der Parteichef der konservativen Partei Bjarni Benediktsson (der zur Zeit Urlaub macht), weigerte sich in einem Telefoninterview mit der Zeitung Morgunbladid (die den Konservativen nahesteht) Fragen zum Abstimmungsverhalten der Partei im Mißtrauensvotum der Opposition und zur Zukunft von Sigmundur David Gunnlaugsson als Ministerpräsident zu beantworten. Er bezeichnete die neu bekanntgewordenen Tatsachen zu den Offshorefirmen als schweren Schlag für die Regierung.
Die Jugendorganisation der konservativen Partei forderte ein Ende der Regierungskoalition, auch Ratsmitglieder der Fortschrittspartei des Ministerpräsidenten aus Akureyri forderten offen seinen Rücktritt.

Wenn die Koalition zerbricht, gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum einen kann es zu vorgezogenen Neuwahlen kommen, desweiteren wäre eine neue Koalition aus Konservativen, Sozialdemokraten und Links-Grünen möglich, aber wohl eher unwahrscheinlich. Theoretisch denkbar ist auch eine Minderheitsregierung der Fortschrittspartei, bei der aktuell nicht vorhandenen für die Partei aber wohl ebenso unwahrscheinlich. Wie es in Island weitergeht bleibt also spannend, für heute sind weitere Proteste angekündigt.

{ 0 comments }

Briefkastenfirmen und die Regierung

by Christian on 4 April, 2016

Bereits seit einigen Wochen schwelt ein Skandal um eine ausländische Finanzgesellschaft des isländischen Ministerpräsidenten Sigmundur Gunnlaugsson. Damals war bekanntgeworden, das Sigmundur und seine Frau Anna Sigurlaug Palsdottir die Inhaber der Offshore-Gesellschaft Wintris in Panama sind, die Anteile an den drei während der Finanzkrise abgestürzten isländischen Banken Landsbankinn, Kaupthing und Glitnir haben.

Das ist an sich noch kein Problem, allerdings ging Sigmundur in die Politik und wurde Vorsitzender der liberalen Fortschrittspartei. Als das Parlament 2009 eine Transparenzregel beschloß, nach der Politiker angeben müssen, wenn sie mehr als 25% einer Firma besitzen, meldete er keine Anteile, sondern verkaufte den millionenschweren Anteil am 31.12.2009 für einen Dollar an seine Frau. Auch als er 2013 Ministerpräsident wurde, teilte er keine Interessenskonflikte oder Beteiligungen mit.

Mit der Veröffentlichung der „Panama Papers“ gestern rückte diese Firma jetzt wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Zudem wurde bekannt, das zwei weitere aktuelle Kabinettsmitglieder ebenfalls Offshorefirmen in Panama unterhalten, dieses aber nicht mitgeteilt haben. Es sind der stellvertretende Ministerpräsident, Finanzminister und Parteivorsitzende der konservativen Partei Bjarni Benediktsson und die Innenministerin Ólöf Nordal. Während Sigmundur bereits ein Interview abbrach, in dem er zu den Vorwürfen befragt wurde, ist von den anderen beiden Beschuldigten kein Kommentar verfügbar. Eine ausführliche Zusammenfassung ist hier zu finden. Das Video mit dem Interview habe ich unten eingebunden.

In Island weitet sich die Affäre zur Krise aus, so kündigte die isländische Piratenpartei für die für heute Nachmittag geplante Eröffnung der Parlamentssaison nach der Osterpause ein Mißtrauensvotum gegen die Regierung an, dem sich die Sozialdemokraten anschließen wollen. Der isländische Präsident, wird seine private Reise in die USA abbrechen und bereits morgen früh nach Island zurückkehren. Für heute ab 17.00 Uhr wird es vor dem Parlament eine Demonstration geben, bei der die Regierung zum Rücktritt aufgefordert werden soll, die Polizei rechnet mit reger Teilnahme.

Ob und wie die Regierung selber zurücktreten wird ist unklar, zumindest für die Fortschrittspartei von Sigmundur Gunnlaugsson könnte es hier kritisch werden, da sie zuletzt in Umfragen schlecht abgeschnitten hat. Ob das auch die Konservativen trifft, bliebe abzuwarten, möglich wäre dies aber. Wenn aber keine der beiden Parteien die Regierungskoalition aufkündigt, käme es auch nicht zu Neuwahlen. Möglich wäre es noch, das einzelne Abgeordneter der Regierungskoalition für den Mißtrauensantrag stimmen und so die Regierung stürzen. Was passiert bleibt abzuwarten und es bleibt spannend.

{ 3 comments }

Eurovision Song Contest 2016

by Christian on 2 März, 2016

Auch wenn die Entscheidung schon ein klein wenig her ist, will ich es doch nochmal kurz melden: Auch in Island gibt es eine Entscheidung, wer das Land beim Eurovision Song contest 2016 vertreten wird. In der Auswahlshow setzt sich Greta Salóme mit dem Lied „Hear Them Calling“ in der gemischten Wertung aus Jury und Zuschauervoting durch.

Wem der Name Greta Salóme bekannt vorkommt, der irrt nicht, die Sängerin vertrat Island bereits 2012 beim Finale in Baku, damals zusammen mit Jónsi und mit dem Lied „Never Forget„. Damals belegten sie mit 42 Punkten den 20. Platz.

{ 2 comments }

Todesfall am Strand von Reynisfjara

by Christian on 10 Februar, 2016

Am Strand von Reynisfjara ist (wieder einmal) ein Tourist ums Leben gekommen, nachdem er von einer Welle umgerissen wurde und dann in die Brandungszone gezogen wurde. Rettungskräfte konnten den Mann nur noch tot bergen, seine Frau und die Reisegruppe werden psychologisch betreut.

Aus diesem Anlaß (ebenfalls wieder einmal) der Hinweis: An diesen Stränden können plötzlich und unerwartet hohe Wellen auftreten. Das kann gerade bei Sturm, aber eben auch bei relativ ruhigem Wetter passieren. Also haltet viel Abstand zur Brandungskante, behaltet immer die Wellen im Auge (oder habt jemanden, der das für euch tut wenn ihr fotografiert) und seht im Zweifelsfall zu, das ihr sehr schnell vom Wasser weg kommt. Hier ein Bericht in den isländischen Medien zum Vorfall, die beiden untenstehenden Videos zeigen die Gefahr.

{ 6 comments }

Silvester 2015

by Christian on 31 Dezember, 2015

Ich wünsche allen Lesern des Islandblogs einen guten Rutsch und ein frohes neues Jahr 2016. Mit allen guten Wünschen und Vorsätzen (so man denn welche hat), die man so haben kann. Ein etwas ruhigeres Jahr endet, eines mit mehr Aktivität wird starten.

Wer isländisches Feuerwerk sehen will, aber nicht in Island sein kann, für den gibt es auch dieses Jahr wieder die Feuerwerkswebcam von Míla. Und dank der Zeitverschiebung von einer Stunde, kann man dann quasi zweimal den Jahreswechsel feiern. Die Webcam ist hier zu finden.

DSC21820

{ 5 comments }

Gleðileg jól / Frohe Weihnachten

by Christian on 24 Dezember, 2015

Ich wünsche allen Lesern des Islandblogs schöne und besinnliche Weihnachten und ein paar ruhige Tage.

 

weihnachtsbaum

{ 2 comments }

Lavafeld hat einen Namen

by Christian on 21 Dezember, 2015

Der Lavafeld, da ab dem Sommer 2014 in Island nördlich des Vatnajökull entstanden ist, ist vom zuständigen Namenskommitee nun auch endgültig benannt worden und zwar Holuhraun.

Aus der Vielzahl der Namensvorschläge wurden vier Finalisten ausgewählt: Flæðahraun (sinngemäß fliessende Lava), Holuhraun (nach den älteren Lavaströmen in diesem Gebiet), Nornahraun (Hexenhaarlava, nach der speziellen Lava, die dort aufgetreten ist, siehe auch hier) und Urðarbruni (sinngemäß Feuerbrunnen). In den Abstimmung erhielt Nornahraun eine Stimme, Urðarbruni ebenfalls eine Stimme und Holuhraun zwei Stimmen.

Neben den jetzt ausgewählten Möglichkeiten gab es noch eine Reihe weiterer interessanter Ideen: Fjölmiðlahraun, „Medienlava“, nach der ausgedehnten Berichterstattung; Míluhraun nach dem Internetprovider Míla, der vor Ort die Webcams aufgestellt hatte; Góu Hraun and Hraun-Æði nach zwei populären isländischen Süßigkeiten.

{ 1 comment }

Ende des Gletscherlaufs

by Christian on 7 Oktober, 2015

Das aus dem Gletschersee abgelaufene Wasser ist mittlerweile im wesentlichen abgelaufen, hier noch einige Nachträge und Graphiken dazu. Der Vatnajökull hat sich über dem östlichen Gletschersee noch ein klein wenig weiter abgesenkt, allerdings hat sich die Geschwindigkeit doch stark verlangsamt. Mit der Zeit wird er sich hier wieder heben, bis der See erneut überläuft.

151007_ska2_cauldron_gps_hlaup

Absenkung des Vatnajökull über dem östlichen Gletschersee, Graphik vom isländischen Wetterdienst.

Die maximal abgeflossene Wassermenge in der Skaftá wird von den Geologen mit etwa 3000 m³/sec angegeben, das ist der grösste bisher gemessene Gletscherlauf in diesem Fluss. Auf den Meßstationen sind die Stände niedriger, das liegt daran, das ein Teil des Wassers über andere Wege unter dem Gletscher hervorgekommen ist und erst später in den Fluss gekommen ist. An den Pegelständen sieht man aber auch sehr schön den Durchlauf der Flutwelle. Die Meßstation „Skaftá við Sveinstind“ liegt dabei weiter stromaufwärts als die Station „Eldvatn við Ása“:

151007_Wasserstand_Skafta_vid_Sveinstind

Meßdaten der Station „Skaftá við Sveinstind“, Daten vom isländischen Wetterdienst.

151007_Wasserstand_Eldvatn

Meßdaten der Station „Eldvatn við Ása“, Daten vom isländischen Wetterdienst.

Der Gletscherlauf hat durchaus einiges an Schäden angerichtet, so berichten Bauern von überfluteten Felder und Wiesen, auch die Strassenbrücke am Eldvatn wurde möglicherweise beschädigt, als eine Böschung weggespült wurde. Hier gibt es dazu auch Fotos.

{ 2 comments }

Gletscherlauf verstärkt sich

by Christian on 1 Oktober, 2015

Seit gestern hat sich der Vatnajökull über dem östlichen Gletschersee weiter abgesenkt, mittlerweile auf ca. 60m.

151001_ska2_cauldron_gps_hlaup_kl

Absenkung des Gletschers über dem östlichen See, Graphik vom isländischen Wetterdienst.

Das abfliessende Wasser verlässt mittlerweile auch den Gletscher und ist an der Meßstation „Skaftá við Sveinstind“ angekommen. Hier hat die Wassertiefe auf über 5,50m zugenommen (von sonst ca. 2,30m), der Durchfluß hat sich auf über 1000 m³/sec erhöht (das ist gut das 10 fache des Normalwertes) und die Wassertemperatur ist deutlich abgesunken (mittlerweile nur noch gut 1,2°C statt 3,6°C). Geologen des isländischen Wetterdienstes erwarten ein anschwellen der Flut bis auf gut 2000 m³/sec und dadurch Überflutungen entlang des Flusses. Weitere Beeinträchtigungen werden aktuell nicht erwartet.

151001_12h_Wasserstand_Skafta_vid_Sveinstind_kl

Meßwerte der Station „Skaftá við Sveinstind“, Meßdaten vom isländischen Wetterdienst.

{ 1 comment }

Gletscherlauf am Vatnajökull

by Christian on 30 September, 2015

Am Vatnajökull kommt es wieder einmal zu einem Gletscherlauf, das ist der Ausbruch von Schmelzwasser unter dem Gletscher heraus in die ableitenden Flüsse. Erzeugt wird das Schmelzwasser durch die subglaziale geothermale Aktivität. Es sammelt sich normalerweise in zwei Seen unterhalb des Gletschers (einem östlichen und einem westlichen, siehe auch die Karte), die regelmässig überlaufen. Dann kommt es zu einem Abfluß des Schmelzwassers und die Flüsse unterhalb des Vatnajökull steigen stark an.

150930_CQJ8e5jWEAASMatKarte der Vatnajökullregion mit den beiden Schmelzwasserseen. Karte vom isländischen Wetterdienst.

Das ist an sich ein relativ ungefährliches Ereignis (in der Region wohnen keine Menschen und die Flutwelle ist in der Regel nicht so hoch wie nach dem Ausbruch des Grímsvötn 1996), Reisende sind aber trotzdem aufgefordert, sich nicht unnötig lange an den Flüssen Skaftá und Hverfisfljót sowie der Gletscherkante der Gletscher Skaftárjökull, Tungnárjökull und Síðujökull aufzuhalten. Hier kann es durch das Flutwasser zu erhöhten Schwefelwasserstoffkonzentrationen kommen. Das Gas ist in höheren Konzentrationen giftig.

150930_ska2_cauldron_gps_hlaup_klDiagram von der Bewegung des Gletschers über dem östlichen Schmelzwassersee. Original vom isländischen Wetterdienst.

Nach Angaben der Geologen des isländischen Wetterdienstes wird es noch ein wenig dauern, bis das Wasser die Gletscherkante erreicht. Erstaunt waren sie nur darüber, das sich der See so lange nicht entleert hat. Ob das mit reduzierter geothermaler Aktivität zusammenhängt oder ob es dafür andere Gründe gibt, ist nicht bekannt.

{ 0 comments }

Pages: Prev 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 ... 138 139 140 Next